• Projektion

    Autor:  • 07.03.2018 • Editorial

    Fuxi, EditorialWie gut, dass es am letzten Wochenende keinen Fußball gab! Sagt niemand. Jemals. Irgendwo. Schon gar nicht in Hamburg. Innerhalb des HFV ruhte der Ball still und starr, und rundherum sah es auch kaum besser aus. Die Hallensaison ist auch vorbei. Was soll’s, es hilft ja nix. Beschäftigen wir uns also mit etwas Anderem.

    Eine halbe Saison ist um, Tendenzen sind schon zu erkennen. Das größte Fragezeichen bildeten ja die Auswirkungen der Zweitliga-Zusammenlegung. Zum Glück – nur nicht für den SV Henstedt-Ulzburg – ist die Tabelle einigermaßen eindeutig. Stand jetzt beträgt der Abstand HUs auf Rang sieben 17 Punkte. Bei Jahn Delmenhorst sind es elf Zähler. Die beiden steigen also sicher ab. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem SV Meppen und dem BV Cloppenburg, deren Vorsprung auf den FSV Gütersloh gerade einen bis zwei Punkte beträgt. Gut möglich, dass wir einen der beiden in der dritten Liga wiedersehen. Entwerfen wir also mal auf der Grundlage unveränderter Abstiegsregeln zwei Szenarien: Das beste und das schlechteste.

    Das Worst-Case-Szenario

    Was geschieht im schlimmsten anzunehmenden Fall? Am schlimmsten wäre, würde neben dem TV Jahn Delmenhorst und dem SV Henstedt-Ulzburg der BV Cloppenburg als Verlierer der Relegation zur 2. Bundesliga als dritte Mannschaft absteigen und der Vertreter der Regionalliga Nord (Werder Bremen II., FC St. Pauli, Bramfelder SV, TSV Limmer) in besagter Relegation nicht den Aufstieg schaffen. Ebenso steigen nicht die Meister der Oberligen Hamburg und Schleswig-Holstein über die Aufstiegsrunde in die Regionalliga auf, sondern der Meister Bremens. Aus der Regionalliga steigen dann fünf Mannschaften ab, und im schlechtesten Fall, den wir ja annehmen wollen, erwischt es neben dem Zwangsabsteiger SVHU II. auch Fortuna Celle, Holstein Kiel, den VfL Jesteburg und den Walddörfer SV, während der ATS Buntentor und die TSG Burg Gretesch die Klasse halten. Was bedeutet das für die Oberligen?

    Überraschenderweise: Für Hamburg fast nichts. Selbst wenn Walddörfer absteigt und der Hamburger Meister  (oder sein Stellvertreter) nicht aufsteigt, gibt es nur einen zusätzlichen Absteiger, und das zieht sich dann bis zur Bezirksliga durch: Aus der Landesliga steigt der Zehnte ab, darunter steigen beide Tabellenelften ab. Sollte der Hamburger Meister gar aufsteigen, ändert sich an Ab- und Aufstieg gar nichts.

    Schlimmer erwischt es Niedersachsen. Wird das als schlimmstmöglich skizzierte Szenario wahr, dann muss zusätzlich zu den drei Teams aus der Oststaffel und einem aus der Weststaffel ein weiterer Absteiger ermittelt werden, um die vier Landesligameister und die zwei aus der Regionalliga Absteigenden aufzunehmen. Diese Entscheidung zwischen den Tabellenzehnten würde entfallen – und beide direkt absteigen – wenn zusätzlich auch Burg Gretesch anstelle von Holstein Kiel oder Walddörfer absteigen würde. Steigt außerdem der SV Meppen statt des BVC als drittes Zweitligateam ab, müsste die Oberliga Niedersachsen West auch den SV Meppen II. wieder aufnehmen, dafür würde Jesteburg, Walddörfer oder Holstein Kiel drin bleiben. (Das wäre dann aber nur dann ein absolutes Worst-Case-Szenario, wenn sich dadurch Holstein Kiel retten würde und einer der zusätzlichen Absteiger der Oberliga Schleswig-Holstein entfiele; in dem Fall würde sich die Last von Norden nach Süden verschieben.)

    Totales Chaos gäbe es bei vier Absteigern in die niedersächsischen Oberligen: Celle, Burg Gretesch, Meppen II. und Jesteburg. Dann müssten auch beide Zehnte und ein Neunter in die Landesligen absteigen, um sämtliche Absteiger aufzunehmen. Insgesamt müssten dann sieben statt vier von insgesamt 24 Vereinen absteigen. Die Alternative für den Niedersächsischen Fußball-Verband wäre, bei einer geraden Zahl an Absteigern aus der Regionalliga eine der beiden Oberligastaffeln mit 13 Mannschaften spielen zu lassen, wie es in dieser Saison im Osten schon praktiziert wird, um beide Tabellenzehnten bzw. -neunten in der Oberliga zu belassen; der NFV könnte auch den zusätzlichen Zehnten bzw. Neunten aus der Staffel absteigen lassen, aus der der zusätzliche Absteiger aus der dritten Liga käme. Dann müssten in der Saison 2018/2019 fünf Mannschaften absteigen, um die Sollstärke von 12 Teams zu erreichen. Klingt kompliziert – ist auch so.

    Die Staffelzugehörigkeit des VfL Jesteburg wäre im Abstiegsfall überhaupt nicht abzusehen. Gespielt haben die Rüsselkäferinnen schon in beiden Staffeln. Steigen nur Jesteburg und Celle ab, hinge es davon ab, ob der West-Meister (sieht nach TuS Büppel aus) oder der Ost-Meister (Rot-Weiß Göttingen?) aufsteigt; deren Platz würde der VfL dann einnehmen, da Celle definitiv in die Oststaffel einsortiert wird, die auch noch die Landesliga-Meister aus Braunschweig und Hannover aufnehmen muss, während Lüneburg und Weser-Ems im Westen angesiedelt sind.
    Als dritter und vierter Absteiger kommen nur Mannschaften infrage, die in der Weststaffel angesiedelt sind: SV Meppen II. und TSG Burg Gretesch. In dem Falle würde der VfL Jesteburg definitiv in die Oststaffel einsortiert, aus der sie vor zwei Jahren aufgestiegen sind.

    Einfacher ist das in Schleswig-Holstein. Der SVHU steigt aus der zweiten Liga ab, deren Zweite damit aus der Dritten. Schafft der Landesmeister (oder sein Stellvertreter) nicht den Aufstieg (oder will wieder keiner), dann muss der Zehnte mit runter. Kommt Holstein Kiel noch dazu, erwischt es auch den Neunten. Und aus den Landesligen steigen nur zwei auf. Ganz simpel.

    Das Best-Case-Szenario

    Man soll ja nie die Hoffnung aufgeben. Widmen wir uns also dem, was im bestmöglichen Fall passiert. Am Abstieg vom SVHU und Jahn Delmenhorst ändert sich realistischerweise nichts. Aber: Sowohl Cloppenburg als auch Meppen bleiben drin. Und nicht nur das: Wer immer das auch sein möge, wir nehmen an, dass der Vertreter der Regionalliga Nord den Aufstieg in die eingleisige zweite Liga packt. Das würde bedeuten, dass nur drei Teams absteigen. Die Prämisse: Es trifft den SV Henstedt-Ulzburg II. (zwangsweise), Fortuna Celle und den ATS Buntentor. Oben drauf kommt der Aufstieg des Hamburger Meisters über die Aufstiegsrunde.

    In Hamburg würde es nur zwei Absteiger aus der Oberliga geben. Noch besser: Aus der Landesliga hätten wir sogar einen dritten Aufsteiger, denn aus der Landesligarelegation des Zehnten und der Bezirksliga-Vizen würden sich zwei Teams für die fünfte Liga qualifizieren. Gleichzeitig würde sich auch der beste Zweitplatzierte (nach Punktekoeffizient) aus den drei Kreisligastaffeln in die Bezirksliga aufsteigen (unabhängig von Nachrückern, die durch etwaige Rückzüge entstehen) – angesichts der Stärke der beiden Überteams WTSV Concordia und FTSV Lorbeer in Staffel 03 wäre das auch nicht zu verachten.

    Die einzige Schwierigkeit wäre die Staffelzusammenstellung der Oberligen Niedersachsen, da Absteiger Celle einem aufsteigenden Meister gegenübersteht; kommt der aus dem Westen (TuS Büppel?), würden regional bedingt der Weststaffel wohl wieder nur elf Mannschaften angehören und der Oststaffel dreizehn Teams. Stiege statt des ATS Buntentor die TSG Burg Gretesch ab, müsste zusätzlich ein Tabellenzehnter absteigen oder die Weststaffel mit 12 und die Oststaffel mit 13 Mannschaften spielen, wobei am Saisonende insgesamt fünf Teams absteigen müssten. (Dass Bremen mit einem Absteiger ATS Buntentor und ohne Aufsteiger gekniffen wäre, versteht sich von selbst, spielt für den Hamburger Frauenfußball aber keine Rolle.)

    Für das Küstenzwischenland ändert sich an der Situation nichts: Vier Absteiger, wenn SVHU II. und Kiel runterkommen, drei, wenn beide runterkommen und einer aufsteigt oder nur HU II. runterkommt und keiner aufsteigt – oder zwei Absteiger, wenn HU II. absteigt und einer aufsteigt. Das ist mit dem Worst-Case-Szenario identisch. Unter unserer Prämisse müsste der Tabellenzehnte runter. Würde statt des Hamburger Meisters der schleswig-holsteinische aufsteigen, würde der Nachrücker in Hamburg entfallen, während in SH nur zwei Teams absteigen.

    Fazit

    Es kommt, wie es kommen muss, ganz klar. Zum jetzigen Zeitpunkt geben aber die Tabellen Anlass zur Hoffnung, dass sich die Verwerfungen durch die Eingleisigkeit der zweiten Liga im Rahmen halten. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen dem besten und dem schlimmsten Fall. Das ist meistens so. Dass das so ist, liegt einerseits an stark vertretenen Niedersachsen, aber auch an der guten Regionalligaqualität der Hamburger Clubs. Gerade beim Walddörfer SV, dessen Aufstieg durch Zufall doch zustande kam, war das angesichts der relativen Unerfahrenheit seiner Truppe nicht unbedingt abzusehen, gerade nach dem Auftreten in der Aufstiegsrunde. Sie scheinen eine Mannschaft für’s Tagesgeschäft zu sein. Und dass der Hamburger Oberligavertreter im Sommer aufsteigt, ist auch nicht undenkbar. Das heißt: Wenn Welle will oder die HSV-Frauen vereinsintern aus der Art schlagen…

    Die Zeitligareform könnte in der Praxis also aus Hamburger Sicht wesentlich weniger dramatische Folgen haben, als zu befürchten war. Das Hauptproblem hat Niedersachsen. Dennoch wird der Schritt, die zweite Liga zu einer Sache des Geldes zu machen, langfristig die Gräben zwischen den Oberhäusern, Regionalliga und Landesebene kaum verschmälern, zumal die, die in Niedersachsen auf der Strecke bleiben, sich kaum Richtung Hamburg und Schleswig-Holstein auf den Weg machen, um dort leistungsmäßig für Ausgleich zu sorgen. Im Gegenteil, die Monokultur wird lediglich auf Bundesebene erweitert. Viele Spielerinnen, die eigentlich das Zeug für Höheres hätten, werden aufgrund der regionalen Verbundenheit bleiben, wo sie sind, und sich dem Oberliga- und Landesliganiveau angleichen, so wie es die ehemaligen Bundes- und Zweitligaspielerinnen des HSV in ihren neuen Vereinen in Regional- und Verbandsliga getan haben. Es ist mal wieder eine Reform, die die Großen bevorzugt und die Kleinen ins Abseits stellt. Es geht nicht um die Leistung, es geht um die Etablierten, denen alles darunter die Talente zuschieben soll.

    Kann man so machen. Ist dann halt scheiße…

    Herzlichst,
    Euer Fuxi

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