• Kanzler sieht Rot

    Autor:  • 06.10.2013 • Bezirksliga West, Spielbericht

    Jana Lübker war mit ihren drei Treffern Spielerin des Tages

    Jana Lübker war mit ihren drei Treffern Spielerin des Tages

    Bezirksliga West, 7. Spieltag
    SC Egenbüttel – Blau-Weiß 96 Schenefeld 4:3 (1:2)

    Sechster gegen Fünfter, das war die Ausgangslage vor der Partie zwischen dem SC Egenbüttel und Blau-Weiß 96 Schenefeld. Beide Teams hatten jeweils vier Siege auf dem Konto und auch beinahe die gleiche Tordifferenz. Sogar die geschossenen und gefangenen Tore waren ähnlich: Blau-Weiß 96 lag mit 13:10 Treffern hauchdünn vor dem SCE mit 15:13. Die Fieberkurve hingegen hätte kaum unterschiedlicher aussehen können. Nach zwei Auftaktsiegen folgten für die Egenbüttelerinnen zwei deutliche Pleiten und zuletzt wieder zwei Siege. Schenefeld hingegen hatte zum Auftakt zweimal verloren und dann vier Siege in Serie eingefahren.

    Nach dem ersten Angriffsversuch von Blau-Weiß 96 in der dritten Minute legte der SC Egenbüttel los. Der Ball wurde in der fünften Minute hoch in den Strafraum gespielt. Sandra Correia de Almeida war vor Vanessa Beckert am Ball und hob ihn über Torhüterin Nadine Bartels hinweg zum frühen 1:0 in die Maschen. So hatte sich das der Gast nicht vorgestellt, bei dem Beckert tief als Absicherung hinter drei Verteidigerinnen stand, die wiederum in Manndeckung agierten. Diese Formation sollte es Egenbüttel schwer machen, klare Chancen zu erspielen. Eine Minute nach der Führung schoss Lisa Oppen aus der Distanz vorbei.

    Lisa Oppen zieht aus 24 Metern ab

    Lisa Oppen zieht aus 24 Metern ab

    Aber die Schenefelderinnen erholten sich recht schnell von diesem Rückschlag. Ein harmloser Freistoß in den Strafraum wurde durch den Einsatz von Lina Enke gegen Annalena Goebel erst gefährlich, doch die Stürmerin verzog aus dreizehn Metern (9.). Drei Minuten später bekam Egenbüttel einen erneuten Freistoß von Clarie Ellebrandt nicht aus der Gefahrenzone, und das nutzte Luisa Schulz aus sechs Metern zum 1:1.

    Luisa Schulz gewinnt den Zweikampf gegen Lisa Jäckel ...

    Luisa Schulz gewinnt den Zweikampf gegen Lisa Jäckel …

    ... kommt aus sechs Metern zum Schuss ...

    … kommt aus sechs Metern zum Schuss …

    ... und Jennifer Butterfield ist beim 1:1 chancenlos

    … und Jennifer Butterfield ist beim 1:1 chancenlos

    Wie reagierten nur die Gastgeberinnen? Trotzig. Jana Lübker, in dieser Saison neu vom Regionalliga-Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg gekommen, steckte aus dem Mittelfeld auf Finja Drossel durch, die scheiterte freistehend aus 15 Metern am Pfosten (13.). Doch langsam wurde ein konstanteres Schema deutlich. Egenbüttel wirkte insgesamt spielstärker, stand aber in der Defensive sehr hoch und war damit anfällig für Konter der Gäste. Die versuchten das auszunutzen. Erst vergab Enke nach einem Steilpass von Christina Suhr (15.), dann lenkte Egenbüttels Keeperin Jennifer Butterfield einen Schuss von Schulz noch über die Latte.

    Luisa Schulz mit der großen Chance zum 1:2 ...

    Luisa Schulz mit der großen Chance zum 1:2 …

    ... aber Jennifer Butterfield lenkt den Ball über die Latte

    … aber Jennifer Butterfield lenkt den Ball über die Latte

    Mit der Zeit wurde Blau-Weiß 96 defensiv sicherer und spielbestimmend. Egenbüttel blieb oft hängen und schaltete nicht schnell genug um. Auch spielerisch legte Schenefeld zu. In der 28. Minute bediente Ellebrandt rechts Alexa Spitz mit einem Steilpass. Die stürmte halbrechts in den Strafraum, setzte sich dort gegen zwei Gegenspielerinnen durch und ließ Butterfield keine Abwehrmöglichkeit. Das 1:2 war inzwischen verdient.

    Alexa Spitz sieht sich im Strafraum Annalena Goebel entgegen ...

    Alexa Spitz sieht sich im Strafraum Annalena Goebel entgegen …

    ... findet die Lücke zwischen Annalena Goebel und Michelle Weber ...

    … findet die Lücke zwischen Annalena Goebel und Michelle Weber …

    ... zieht mit links aus kurzer Distanz ab ...

    … zieht mit links aus kurzer Distanz ab …

    ... knallt den Ball an Jennifer Butterfield vorbei ...

    … knallt den Ball an Jennifer Butterfield vorbei …

    ... und bringt Blau-Weiß 96 in Führung

    … und bringt Blau-Weiß 96 in Führung

    Egenbüttel hingegen ließ den nötigen Killerinstinkt vermissen. Lübker dribbelte sich nach einer halben Stunde links gegen zwei Gegenspielerinnen durch, brachte das Leder aus spitzem Winkel nicht an Bartels vorbei. Auf der anderen Seite erhielt Schulz einen Fehlpass der Gastgeberinnen und kam aus zwanzig Metern zum Schuss – Butterfield verhinderte Schlimmeres. Nur eine Minute später war Enke nach einer Kombination über Suhr und Spitz durch, schoss aus 14 Metern über das Tor und regte sich darüber mächtig auf.

    Lina Enke hat sich gegen Lisa Jäckel durchgesetzt und schießt ...

    Lina Enke hat sich gegen Lisa Jäckel durchgesetzt und schießt …

    ... aber der Ball geht über das Tor

    … aber der Ball geht über das Tor

    Allerdings war auch Blau-Weiß nicht frei von Fehlern. Als Bartels nach einem Rückpass eine Anspielstation suchte, spielte sie den Ball genau in den Fuß von Correia de Almeida. Die Torschützin des Egenbütteler Führungstreffers nutzte die Gelegenheit aber nicht, schloss viel zu schwach und ungenau auf Bartels ab (38.). Im direkten Gegenzug erlief Enke einen Steilpass von Suhr, gewann das Laufduell mit Lisa Jäckel, und nur die Abwehraktion von Butterfield zur Ecke verhinderte eine Vorentscheidung.

    Nach dem Fehlpass der Keeperin ist Sandra Correia de Almeida frei vor Nadine Bartels ...

    Nach dem Fehlpass der Keeperin ist Sandra Correia de Almeida frei vor Nadine Bartels …

    ... und macht doch nichts aus der Ausgleichsgelegenheit

    … und macht doch nichts aus der Ausgleichsgelegenheit

    Nach Möglichkeiten für Egenbüttel und Schenefeld jeweils kurz vor der Pause wurde es in der Nachspielzeit nochmal turbulent. Enke schlug einen Diagonalpass auf Spitz. Butterfield klärte am Elfmeterpunkt, setzte dem Leder nach und suchte dann an der linken Außenlinie eine Anspielstation. Ihr Pass wurde jedoch von Ellebrandt geblockt, und während Butterfield noch auf dem Weg zurück ins Tor war, konnte Spitz vom rechten Sechzehnereck abschließen. Nur Annalena Goebel verdankte Egenbüttel in dieser Szene, dass es zur Halbzeit nicht 1:3 stand.

    Alexa Spitz taucht vor Jennifer Butterfield auf...

    Alexa Spitz taucht vor Jennifer Butterfield auf…

    ... und Butterfield kann zunächst klären ...

    … und Butterfield kann zunächst klären …

    ... dann aber bekommt Alexa Spitz eine neue Chance und schiebt den Ball ...

    … dann aber bekommt Alexa Spitz eine neue Chance und schiebt den Ball …

    ... aber Annalena Goebel rettet im Fünfmeterraum

    … aber Annalena Goebel rettet im Fünfmeterraum

    Der Spielstand für Blau-Weiß 96 war völlig in Ordnung. Sie versuchten es immer wieder mit dem gleichen Rezept: Pass an die Mittellinie und dann der Steilpass hinter die Abwehr. Und das reichte, um eine Vielzahl guter Möglichkeiten herauszuspielen, die aus Schenefelder Sicht leidlich oft ungenutzt blieben. Egenbüttel hatte darüber hinaus Probleme im Offensivspiel und waren nach etwa 25 Minuten fast völlig raus aus dem Spiel. Der Rückstand war damit nur folgerichtig, und sie waren noch gut bedient mit dem knappen Ergebnis.

    Zweikampf zwischen Lisa Oppen und Larissa Rittscher

    Zweikampf zwischen Lisa Oppen und Larissa Rittscher

    Zur zweiten Halbzeit kam Katharina Kanzler, die wegen ihrer durchaus kontroversen Eigenarten trotz kleinem Kader keinen Platz in der Startelf erhalten hatte, quasi zum Nachdenken. Darüber hinaus hatte SCE-Trainer Arne Steenbock auf der Torhüterposition gewechselt und die in der ersten Halbzeit noch in der Abwehr aufgelaufene zweite Keeperin Nadine Bramorski zwischen die Pfosten beordert. Nun lief Butterfield in der Innenverteidigung mit Bramorskis Nummer 13 auf.

    Katharina Kanzler kam zur zweiten Halbzeit für Lisa Jäckel herein

    Katharina Kanzler kam zur zweiten Halbzeit für Lisa Jäckel herein

    Doch damit allein war nicht zu erklären, dass die Schenefelderinnen den Einstieg in den zweiten Durchgang komplett verpassten. In der 52. Minute zog Lübker aus 28 Metern stramm ab, das Geschoss glitt Bartels über die Fingerspitzen und fiel ins Tor zum 2:2. Der Treffer kam überraschend. Aber Egenbüttel setzte nach, war nun die bessere Mannschaft. Und nutzte diese Überlegenheit auch – mit unfreiwilliger Unterstützung von Bartels. Finja Drossel brachte nach 63 Minuten einen Freistoß von links herein, wieder rutschte der Ball über die Finger der Torhüterin, und Lübker drückte ihn aus einem Meter zum 3:2 über die Linie.

    Große Freude bei Lisa Oppen über das 2:2 durch Jana Lübker

    Große Freude bei Lisa Oppen über das 2:2 durch Jana Lübker

    In der zweiten Hälfte fand Blau-Weiß 96 praktisch überhaupt nicht statt. Und Egenbüttel war konsequenter. Sie holten in dieser Phase Eckball um Eckball, drängten auf weitere Tore. Doch dann durfte Schenefeld unverhofft wieder mehr Zuversicht haben. Nach einem Foulspiel am Schenefelder Strafraum sah die eingewechselte Egenbüttelerin Kanzler die Gelbe Karte (68.). Zwei Minuten später entschied Schiedsrichter Saadi Omer gegen den SCE auf falschen Einwurf. Das passte der soeben Verwarnten nicht, und so wurde sie wegen Meckerns des Feldes verwiesen.

    Finja Drossel flankt einen Freistoß vor das Tor ...

    Finja Drossel flankt einen Freistoß vor das Tor …

    ... Sandra Correia de Almeida behindert Nadine Bartels nicht ...

    … Sandra Correia de Almeida behindert Nadine Bartels nicht …

    ... und deren Fangfehler nutzt Jana Lübker ...

    … und deren Fangfehler nutzt Jana Lübker …

    ... zum 3:2 für den SC Egenbüttel

    … zum 3:2 für den SC Egenbüttel

    Auftrieb verlieh die Überzahl den Gästen zunächst nicht. Drossel verpasste per Freistoß das 4:2 für den SCE. Auf der Gegenseite marschierte Schulz vorbei an Miriam Stieb, doch Bramorski entschärfte den anschließenden Schuss. Schenefeld war zu ungenau im Passspiel, generierte wenig klare Aktionen. Egenbüttel war trotz Unterzahl stärker Und das zahlte sich aus. Aus halbrechter Position kam der Ball zu Lübker, die sich durchsetzen und ihn zum 4:2 im langen Eck unterbringen konnte (75.).

    Stefanie Spors attackiert Finja Drossel nicht - Blau-Weiß 96 war lange zu passiv

    Stefanie Spors attackiert Finja Drossel nicht – Blau-Weiß 96 war lange zu passiv

    Nach zwei Wechseln bei Blau-Weiß verlagerte sich nun das Geschehen. Der SC Egenbüttel wurde plötzlich passiv, Schenefeld kombinierte in der Gastgeber-Hälfte. Larissa Rittscher gab den Ball in der 80. Minute vor den Strafraum, die frisch eingewechselte Stina Jensen war frei vor Bramorski und schoss aus zehn Metern unten links ein. Das 4:3 war das bis dato am schönsten herausgespielte Tor. Und noch waren zehn Minuten zu spielen.

    Die eingewechselte Stina Jensen setzt sich gegen die ebenfalls eingewechselte Victoria Höge durch ...

    Die eingewechselte Stina Jensen setzt sich gegen die ebenfalls eingewechselte Victoria Höge durch …

    ... kommt aus kurzer Entfernung zum Schuss ...

    … kommt aus kurzer Entfernung zum Schuss …

    ... und überwindet Nadine Bramorski zum 3:4-Anschlusstreffer

    … und überwindet Nadine Bramorski zum 3:4-Anschlusstreffer

    Blau-Weiß ging hohes Risiko, drückte auf den Ausgleich. Da ergaben sich natürlich Kontermöglichkeiten. Nach Pass von Lisa Oppen in die Gasse stand Drossel völlig frei und zielte über den Kasten, anstatt den Sack zuzumachen (84.). Aber das 4:4 wollte den Schenefelderinnen auch nicht mehr gelingen. Die eingewechselte Michelle Schroeder setzte einen 25-Meter-Freistoß aufs Tor ab, den Bramorski sicher halten konnte. Und in der Nachspielzeit schoss Jensen nach einer abgewehrten Rittscher-Ecke aus 23 Metern rechts vorbei.

    Finja Drossel schießt von der Strafraumgrenze ...

    Finja Drossel schießt von der Strafraumgrenze …

    ... und der Ball fliegt über das Tor

    … und der Ball fliegt über das Tor

    Den Sieg für den SC Egenbüttel konnte man durchaus als glücklich bezeichnen. Blau-Weiß 96 Schenefeld gab in der zweiten Halbzeit ein Spiel aus der Hand, das sie bis zum Pausentee über weite Strecken kontrollierten. Erstaunlicherweise gelang es ihnen nach Wiederanpfiff nicht, daran anzuknüpfen. Statt dessen fand Egenbüttel wieder besser in die Begegnung hinein und war vor dem Tor effektiver. Vor allem in Person von Jana Lübker. Den Gästen fehlte am Ende letztlich trotz Überzahl die Durchschlagskraft, um die Versäumnisse in den letzten zehn Minuten noch egalisieren.

    Der Freistoß von Michelle Schroeder ist zu harmlos, um Nadine Bramorski zu überwinden

    Der Freistoß von Michelle Schroeder ist zu harmlos, um Nadine Bramorski zu überwinden

    Aufstellungen
    SC Egenbüttel: Jennifer Butterfield – Michelle Weber, Miriam Stieb, Annalena Goebel (61. Victoria Höge), Lisa Jäckel (46. Katharina Kanzler) – Lisa Oppen – Finja Drossel, Jana Lübker, Nadine Bramorski, Jasmin Thürich – Sandra Correia de Almeida
    Blau-Weiß 96 Schenefeld:
    Nadine Bartels – Vanessa Beckert – Larissa Rittscher, Melina Kirschnick, Stefanie Spors – Christina Suhr (81. Michelle Schröder), Saskia Bannert, Claire Ellebrandt (78. Julia Bilowitzki) – Luisa Schulz – Lina Enke (78. Stina Jensen), Alexa Spitz
    Schiedsrichter: Saadi Omer (Glashütter SV)
    Tore: 1:0 Correia de Almeida (5.), 1:1 Schulz (12.), 1:2 Spitz (28.), 2:2 Lübker (52.), 3:2 Lübker (63.), 4:2 Lübker (75.), 4:3 Jensen (80.)
    Gelbe Karten: – / Kanzler (68., Foulspiel)
    Gelb-Rote Karten: – / Kanzler (70., Meckern)
    Zuschauer: ca. 40

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