• Zarpen ärgert Meldorf

    Autor:  • 27.08.2017 • Schleswig-Holstein, Spielbericht

    Sehen Sieger so aus wie Imke Kutsche hier?

    Sehen Sieger so aus wie Imke Kutsche hier?

    SHFV-Lotto-Pokal, Viertelfinale
    TSV Zarpen – TuRa Meldorf 2:3 (0:2)

    In Meldorf war die Überraschung durchaus groß, als die Achtelfinalergebnisse eintrudelten. In Dithmarschen hatte man sich auf den SV Neuenbrook/Rethwisch als Gegner eingestellt. Doch es kam anders, denn im Achtelfinale hatte der TSV Zarpen den Pokalfinalisten nach 0:1-Rückstand mit 3:1 geputzt. Meldorfs Trainer Tim Dethlefs war sich dessen durchaus bewusst und hielt vor dem Spiel im Hinblick auf die viel zitierten, dem Pokal eigene Gesetze, auch einen anderen als den erwarteten Spielausgang durchaus für möglich, wenngleich er etwas anderes erwartete. Er war gespannt, wie sich seine deutlich verjüngte Mannschaft schlagen würde. Der TSV Zarpen war die große Unbekannte für den Favoriten. Beim Underdog lief sogar das Aufwärmen etwas anders: Zwanzig Minuten vor Anpfiff wurde es bereits beendet, auf dem Hauptplatz noch auf Anweisung von Schiedsrichterin Mirka Derlin die Tornetze mit Kabelbindern gerichtet und eine Besprechung abgehalten, ehe es noch ein Einschießen gab.

    Vor dem Spiel spielt Laura Gehrt bei der Netzreparatur Hebebühne für Tatjana Franz

    Vor dem Spiel spielt Laura Gehrt bei der Netzreparatur Hebebühne für Tatjana Franz

    Von Beginn an wollte TuRa vorlegen, und die erste Chance dazu ergab sich nach drei Minuten. Jenny Anthony wurde rechts im Strafraum der Gastgeberinnen zu Fall gebracht – Elfmeter. Kapitänin Vanessa Voß trat an, aber Zarpens Torhüterin Vanessa Giese ahnte die Ecke und konnte mit dem Fuß den unplatzierten Schuss abwehren. Zwei Minuten später war es aber doch passiert, als Jana Hamann halbrechts im Fallen abzog und ins lange Eck traf. Meldorf startete stark, der Kreisligist hatte Mühe, sich der Angriffe zu erwehren, und vieles kam durch. Giese wehrte einen Schlenzer von Janina Lucks per Flugparade ab, Stefanie Storm lenkte einen Fernschuss von Anthony mit dem Kopf über den Kasten, Giese war wieder mit dem Fuß zur Stelle, als Anthony solo durchbrach, und dann verpasste Simone Rühmann nach Voß-Flanke per Kopf (15.). Zarpen stand unter Druck und kassierte das 0:2, als Abwehrlatte Laura Gehrt beim Abfangen einen langen Ball Meldorfs durch die nachsetzende Kim Suckow unter Druck geriet und die Angreiferin den Klärungsversuch blockte: der Ball flog nämlich über Giese hinweg in den Winkel. Ein bitteres Gegentor nach nur 16 Minuten, aber der Spielstand ging zu diesem Zeitpunkt in Ordnung.

    Vanessa Voß tritt zum Elfmeter an ...

    Vanessa Voß tritt zum Elfmeter an …

    ... und Vanessa Giese pariert mit dem Fuß

    … und Vanessa Giese pariert mit dem Fuß

    TuRa blieb weiter die bestimmende Mannschaft, ließ jedoch im Offensivdruck nach, während der Gastgeber aus Stormarn etwas griffiger wurde und besser dagegen hielt. Kurz nachdem Zarpens Mittelfeldspielerin Marisa Gatermann in Richtung Bank zeigte, ausgewechselt werden zu müssen, durfte ihre Keeperin wieder eingreifen. Giese lenkte einen Hamann-Volley stark über den Kasten. Bei ihr konnten sich die Zarpenerinnen bedanken, dass es zu diesem Zeitpunkt nur 0:2 stand. Allerdings auch bei den Fahrkarten der Gäste. Nach einem Fehler von Gehrt stand Suckow frei vor Giese und schob das Leder Zentimeter am Kasten vorbei (31.). Gehrt verletzte sich zudem noch am Knie und musste ausgewechselt werden. Eine Schwächung des Kreisligisten, sollte man meinen. Zumal Suckow nach einem langen Ball startete und aus 20 Metern direkt abdrückte, und wieder lenkte Giese das Ding über den Querbalken. In der 39. Minute parierte sie, als Lucks von Felina Bock den Ball klaute und auch an der eingewechselten Sarah Juhler vorbeizog. Und 120 Sekunden später war die Keeperin zumindest rechtzeitig da, um nach der inzwischen zehnten Meldorfer Ecke einen kontrollierteren Kopfball von Anthony zu verhindern – der Ball flog knapp über die Latte. Somit ging es mit 0:2 in die Kabinen. Die Gäste waren erwartungsgemäß feldüberlegen, ließen aber viele Chancen liegen. Anders als das Chancen- und Eckenverhältnis es aussagte, war der TSV Zarpen aber keineswegs passiv, sondern begann nach etwa 25 Minuten, mehr in Richtung TuRa-Strafraum zu agieren, vornehmlich über Ex-Zweitligaspielerin Storm. Insgesamt ein ordentliches Pokalspiel.

    Jana Hamann probiert es aus der zweiten Reihe ...

    Jana Hamann probiert es aus der zweiten Reihe …

    ... aber Vanessa Giese zeigt eine starke Parade

    … aber Vanessa Giese zeigt eine starke Parade

    Der zweite Durchgang sollte mehr Spannung bringen, aber qualitativ schwächer werden. Beides hatte mit den Dithmarscherinnen zu tun, die trotz eines Pfostenschusses von Anthony in der 49. Minute merklich nachließen. Die Gäste agierten oft umständlich und zeitintensiv, was sich auch auf die Stimmung in der Mannschaft deutlich hörbar auswirkte. Ganz im Gegensatz zum TSV Zarpen, der mit jeder misslungenen Aktion des Oberligisten mutiger wurde und insgesamt weiter aufrückte. Die Zeiträume zwischen den zählbaren Strafraumaktionen bekamen deutliche Längen. Auch die Wechsel brachten zunächst kaum frische Impulse. Karolin Lupke kratzte in der 68. Minute einen Volleyschuss der vier Minuten zuvor eingewechselten Indra Gieseler von der Linie, den Nachschuss knallte Saya Petersen bedrängt in die Rabatten.

    Die eingewechselte Indra Gieseler kommt aus 13 Metern zum Schuss ...

    Die eingewechselte Indra Gieseler kommt aus 13 Metern zum Schuss …

    ... Karolin Lupke steht goldrichtung und verhindert das dritte Gegentor

    … Karolin Lupke steht goldrichtung und verhindert das dritte Gegentor

    Bernhard Genendsch feuert sein Team nochmal an

    Bernhard Genendsch feuert sein Team nochmal an

    Den entscheidenden Anstoß für eine heiße Schlussphase gab Zarpens Trainer: Er wechselte Marisa Gatermann wieder für Denise Böttcher ein, stellte die in der zweiten Hälfte verteidigende Sina Juhler wieder in den Sturm und Lara-Marie Bank vom Mittelfeld in die Innenverteidigung. Aufkommende Zweifel beruhigte er: „Ich bin mir da ganz sicher!“ In der Folge spielte seine Mannschaft frech auf und setzte Meldorf mit Offensivaktionen unter Druck. Eine Viertelstunde vor Schluss ging die wuselige Annemarie Stark rechts an Imke Kutsche vorbei zum Strafraum und entledigte sich beider Innenverteidigerinnen durch einen Hackentrick zu Sina Juhler. Die Stürmerin nahm das Leder in den Strafraum mit und wurde von Lara Lucht regelwidrig gestoppt. Mirka Derlin zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Die Gefoulte trat selbst an, schickte Keeperin Svenja Schmidt in die falsche Ecke und verkürzte auf 1:2. Das war der Moment, in dem TuRa-Coach Tim Dethlefs in Richtung seiner Elf explodierte.

    Annemarie Stark setzt sich gegen Imke Kutsche durch ...

    Annemarie Stark setzt sich gegen Imke Kutsche durch …

    ... legt zwischen Vanessa Voß und Lara Lucht mit der Hacke zurück ...

    … legt zwischen Vanessa Voß und Lara Lucht mit der Hacke zurück …

    ... und nach Luchts Foulspiel entscheidet Schiedsrichterin Mirka Derlin sofort auf Elfmeter!

    … und nach Luchts Foulspiel entscheidet Schiedsrichterin Mirka Derlin sofort auf Elfmeter!

    Sina Juhler tritt selbst an ...

    Sina Juhler tritt selbst an …

    ... verlädt Svenja Schmidt und trifft zum 1:2

    … verlädt Svenja Schmidt und trifft zum 1:2

    TuRa-Coach Tim Dethlefs glaubt, "es hackt"

    TuRa-Coach Tim Dethlefs glaubt, „es hackt“

    Der Ärger schien zu fruchten. Nach 81 Minuten fand Rühmann mit einem Diagonalball von der Mittellinie die Lücke, die Ohls im Rücken der Abwehr freispielte. Die Stürmerin nahm das Leder direkt mit der Innenseite und versenkte unhaltbar zum 1:3 unten rechts. Das war’s. Noch nicht. Die Antwort des TSV Zarpen: Diagonalball von Storm hinter die Abwehr, Tatjana Franz nahm das Leder direkt mit der Innenseite und versenkte unhaltbar an Schmidt vorbei zum 2:3. Ganze 60 Sekunden waren nach dem Gegentor vergangen, und Zarpen war wieder dran. Genendsch feuerte seine Truppe nochmal an, und in den verbleibenden Minuten fehlte ein ums andere Mal nur eine gelungene Aktion, um durchzubrechen und dem Favoriten den Tag endgültig zu versauen, etwa bei einer Hereingabe von Storm kurz vor Schluss. Chancen hatte jedoch nur noch Meldorf. Am gefährlichsten war noch ein Flachschuss von Kutsche, den Giese im kurzen Eck parierte (84.). Lea Ladiges verzog von der Strafraumgrenze knapp, und in der Nachspielzeit hielt die Schlussfrau einen Schuss von Anthony im Nachfassen fest.

    Stefanie Storm spielt den Ball diagonal in den Strafraum ...

    Stefanie Storm spielt den Ball diagonal in den Strafraum …

    ... Tatjana Franz verarbeitet ihn im Rücken von Imke Kutsche direkt ...

    … Tatjana Franz verarbeitet ihn im Rücken von Imke Kutsche direkt …

    ... Svenja Schmidt ist geschlagen ...

    … Svenja Schmidt ist geschlagen …

    ... und der Ball landet zum 2:3 im Tor!

    … und der Ball landet zum 2:3 im Tor!

    Die Urteile der Trainer waren eindeutig und nachvollziehbar. Bernhard Genendsch war stolz auf seine Mannschaft. Anders sah das bei Tim Dethlefs aus, der sein Team sofort nach dem Abpfiff zusammenholte, um ihm die Leviten zu lesen. Er kritisierte vor allem die Einstellung seiner Spielerinnen, prognostizierte allerdings für den Saisonauftakt in einer Woche in Schönberg mit dieser Leistung eine krachende Niederlage, auch wenn er einen positiven Aspekt am Auftritt heraushob: Dass sie im Halbfinale waren. Allerdings hätte sich bei TuRa niemand beschweren dürfen, wenn es anders ausgegangen wäre; angesichts des Zwei-Klassen-Unterschieds und dem damit verbundenen kämpferischen Einsatz wäre ein Weiterkommen des Kreisligisten durchaus verdient gewesen, auch wenn der Favorit deutlich höhere Spielanteile und deutlich mehr Chancen hatte. Denn das muss man so erwarten können. Man muss aber auch erwarten können, dass ein Oberligist in einer solchen Partie nicht derartige Schwächen zeigt wie an diesem Nachmittag, denn – da hatte Dethlefs vollkommen recht – Mannschaften mit vergleichbaren Voraussetzungen nutzen so etwas gnadenlos aus. Und wenn das schon ein Kreisligist zwei Mal hinbekommt…

    Nach dem Spiel gibt es für die Meldorferinnen gleich eine Standpauke

    Nach dem Spiel gibt es für die Meldorferinnen gleich eine Standpauke

    Aufstellungen
    TSV Zarpen: Vanessa Giese – Liane Guenther, Karolin Lupke, Laura Gehrt (31. Denise Böttcher / 71. Marisa Gatermann), Felina Bock (86. Catalina Geisteier) – Lara-Marie Bank (26. Sarah Juhler / 46. Lara-Marie Bank), Stefanie Storm, Marisa Gatermann (26. Saiva Huck / 85. Denise Böttcher) – Sina Juhler, Tatjana Franz, Annemarie Stark
    TuRa Meldorf:
    Svenja Schmidt – Imke Kutsche, Lara Lucht, Vanessa Voß, Lea Ladiges – Jana Hamann (68. Lara Jacobsen), Saya Petersen – Jenny Anthony – Janina Lucks (64. Indra Gieseler), Kim Suckow (56. Swantje Ohls), Simone Rühmann (81. Janina Lucks)
    Schiedsrichterin: Mirka Derlin (TSV Dahme)
    Tore: 0:1 Hamann (5.), 0:2 Suckow (16.), 1:2 Si. Juhler (75., Foulelfmeter), 1:3 Ohls (81.), 2:3 Franz (82.)
    Gelbe Karten: – / –
    Zuschauer: 66
    Besonderes Vorkommnis: Giese hält einen Foulelfmeter von Voß (3. Minute)

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