• Wochenende der Entscheidungen

    Autor:  • 20.05.2017 • 2. Bundesliga Nord, Bezirksliga Ost, Bramfelder SV, Duwo 08, FC St. Pauli, Hamburg, Hamburger SV, Kreisliga 01, Kreisliga 02, Kreisliga 03, Landesliga, Landespokal, Nachrichten, Regionalliga Nord, SC Vier- und Marschlande, SV Henstedt-Ulzburg, TSC Wellingsbüttel, VfL Jesteburg

    Einige Entscheidungen sind schon gefallen, die letzten – mit Ausnahme der Aufstiegsrunden – stehen an diesem Wochenende auf dem Plan. Gesucht werden der Hamburger Pokalsieger, der Landesliga-Teilnehmer an der Relegation, der Meister sowie Relegationsteilnehmer der Bezirksliga Ost, sowie die Meister der Kreisligen 01 und 02. In Niedersachsen geht es außerdem, abseits von Beteiligung aus dem Hamburger Umland noch um drei Absteiger aus den beiden Staffeln, in Schleswig-Holstein, der zweiten Bundesliga und der Regionalliga nur noch um Platzierungen. Fangen wir mit dem Pokalfinale an.

    Am Sonntag um 16 Uhr wird der Nachfolger des FC Bergedorf 85 als Titelträger im Hamburger Oddset-Pokal gesucht. Im Stadion Hoheluft an der Ecke Lokstedter Steindamm / Martinistraße stehen sich der Verbandsliga-Vierte Hamburger SV und der Verbandsliga-Dritte TSC Wellingsbüttel gegenüber. Die wohl leider zahlenmäßig wegen der vielen parallelen Konkurrenzspiele verhältnismäßig wenigen Zuschauer (letztes Jahr kamen über 1.100 an die Hagenbeckstraße, die Hälfte wäre Sonntag ein großer Erfolg) erwartet ein spannendes Spiel. Die Leitung obliegt dabei Kristina Nicolai vom TSV Duwo 08, deren Assistentinnen sind Sosann El-Rawi, die für den VfL Lohbrügge pfeift und beim SC Vier- und Marschlande das Tor hütet, sowie Sina Milinovic vom SV Altengamme.

    Geht man nach der Ligabilanz, ist Welle eindeutig im Vorteil: Das Hinspiel in Norderstedt gewann der TSC mit 2:0 durch die Tore von Ex-Rothose Jana Steen und Lena Pfennig, im Rückspiel besiegten sie die Raute mit 4:1 am Pfeilshof, und neben Doppeltorschützin Patrizia Wiebke und Ex-HSVerin Lina Kunrath war wieder Steen erfolgreich. Das waren die sechs Punkte, die Welle in der Tabelle am Ende besser abschnitt als der HSV. In Sachen Aufstiegsrennen fanden zu spät zueinander, besonders nach den Winterzugängen aus Bergedorf, und verloren gegen Union Tornesch (1:5), bei Walddörfer und in Wentorf (je 2:2) wichtige Zähler im Meisterkampf. Dennoch stand am Saisonende eine eindrucksvolle Bilanz aus sechs Siegen mit 44:0 Toren. Ihr letztes Gegentor kassierten sie im Pokal-Halbfinale am 26. März beim 4:3 nach Verlängerung gegen den SC Victoria. In Runde zwei kamen sie kampflos weiter, als Kreisligist ESV Einigkeit II. zurückzog. Dem lockeren 6:0 beim SC Alstertal-Langenhorn folgte ein fulminantes 5:1 gegen Vorjahresfinalist FC St. Pauli aus der Regionalliga. Das Viertelfinale bei Germania Schnelsen wurde mit 11:0 eine niedrige Hürde. Natürlich wird der HSV auf Verbandsliga-Torschützenkönigin Patrizia Wiebke besonders Acht geben müssen, mit 29 Toren das Maß der Dinge. Aber auch darüber hinaus hat Trainer Nils Lehnebach viel Qualität im Kader, nicht nur durch die Ex-Bergedorferinnen Jenny Weber, Nadine Odzakovic und Lina Appel, die zum zweiten Mal in Folge den Pokal holen können, oder auch Ex-Zweitligaspielerin Carina Wolfgramm. Praktisch auf allen Positionen hat Lehnebach die Qual der Wahl, was Welle für den HSV als Gegner schwer ausrechenbar macht.

    Yuliana Lasso Peña

    Yuliana Lasso Peña

    Dennoch ist der HSV mitnichten Fallobst, Sparringspartner oder klarer Underdog. Gleich vier Torschützinnen konnten sich in der Torjägerliste zweistellig eintragen, und das, obwohl sie nicht annähernd an die 109 Tore von Welle herankamen. 61 Tore haben Hannah Diekhoff, Emma Burdorf-Sick, Janine Schlichting und Victoria Schulz zusammen erzielt. Abwehrspielerin Anna-Katharina Seme kam auf sechs Treffer. Da ist also durchaus Torgefahr dahinter. Allerdings waren sie nicht ganz so effektiv bei der Umwandlung in Punkte, wie auch das 1:1 am letzten Spieltag in Wentorf aufzeigen würde – wären sie da nicht schon im Pokalfinal-Schonungsmodus gewesen. Besonders die Rückrunde war steinig, personell gesehen. So war das 3:3 gegen Einigkeit zuhause – als Co-Trainer Jörg Meyer in der hektischeren und härteren zweiten Halbzeit schon an Einigkeit appellierte, man habe noch das Pokalfinale zu spielen – kein Wunder, Keeperin Lela Naward stand wie einige andere nicht zur Verfügung. Und als sich die Lage entspannte, putzten sie den neuen Hamburger Meister Walddörfer mit 6:1, fünf Tore von Schulz, nachdem sie in der Vorwoche auch Union Tornesch geschlagen hatten. Wenn sie ins Laufen kommen, sind sie brandgefährlich, und selbst mit den Niederlagen gegen Welle hätten sie in der Hinrunde ohne die Pleiten gegen Tornesch und Walddörfer um den Wiederaufstieg in die Regionalliga mitspielen können. Im Winter kam zudem mit der Kolumbianerin Yuliana Lasso Peña auf dem Flügel Offensivqualität hinzu. Der TSC Wellingsbüttel täte gut daran, die Rothosen nicht zu unterschätzen. Zumal der HSV im Pokal nur beim 2:1 gegen Tornesch im Halbfinale ein Gegentor fing. Gegen Kreisligist Ahrensburger TSV (19:0), Oberliga-Aufsteiger ETV (10:0), Bezirksligist Komet Blankenese II. (9:0) und im Viertelfinale beim 5:0 gegen Meister Walddörfer blieben sie zu Null – was durchaus ein eindrucksvolles Statement und Warnung genug an Welle sein dürfte.

    Damit geht es in die 2. Bundesliga Nord und zum Derby, das ungünstigerweise zwei Stunden vor dem Pokalfinale beginnt. Der Bramfelder SV empfängt am Sonntag um 14 Uhr am Gropiusring den SV Henstedt-Ulzburg. Die Nachricht kam unter der Woche aus dem baden-württembergischen Willstädt: Der SC Sand zieht seine zweite Mannschaft, Zehnter der 2. Bundesliga Süd, zieht zum Saisonende aus der Liga zurück. Damit entfällt die Relegation, als Absteiger stehen der Bramfelder SV, Union Berlin, TSV Crailsheim, SV 67 Weinberg und eben SC Sand II. fest. Der SV Henstedt-Ulzburg hält damit die Klasse, ebenso der Herforder SV. Aber natürlich geht es am letzten Spieltag unter Leitung der für den niedersächsischen TuS Westerende pfeifenden Anke Hölscher noch um die Ehre. Der Bramfelder SV möchte gern mit mehr als drei Punkten in die Regionalliga zurückkehren, der SVHU hat bei einem Sieg noch Aussicht auf Rang acht, wenn Blau-Weiß Hohen Neuendorf gegen den BV Cloppenburg verlieren sollte. Nicht zuletzt soll der Rückfall auf Platz zehn vermieden werden, der bei Unentschieden oder Niederlage möglich wäre, falls der punktgleiche Herforder SV im Ostwestfalenderby bei Arminia Bielefeld mehr Punkte holt als HU in Steilshoop. Zudem geht es für Alina Witt und Vera Homp noch um die Torschützenliste. Witt hat 14, Homp 13 Tore auf dem Konto. Für Platz drei in der Torjägerliste müssen es mindestens 16 sein, so viele hat Bielefelds Sarah Grünheid. Ganze 18 Tore hat der Bramfelder SV in der kompletten Saison geschossen – und 94 kassiert. Die Schmach des 100. Gegentors wollen sie vermeiden. Wenn sie allerdings so auftreten wie im Hinspiel, wo sie beim Tabellenelften HU 0:7 untergingen, wird das nichts.

    Immer den Ball im Blick: Nele Heins

    Immer den Ball im Blick: Nele Heins

    Ein Derby gibt es in der Regionalliga Nord nicht, wohl aber noch Rangkämpfe. Mit einem Sieg im direkten Duell kann der VfL Jesteburg bei Holstein Kiel auf der Waldwiese (Hamburger Chaussee) von den Gastgeberinnen noch Rang fünf erobern. Das 5:0 am vergangenen Spieltag gegen Duwo war nicht unbedingt aussagekräftig. Anders aber der Kieler 2:0-Sieg gegen St. Pauli, das war durchaus ein Achtungszeichen für den Ex-Zweitligisten, der sich wohl vor allem wegen der Zweitligareform 2018 an die Regionalliga wird gewöhnen müssen. Beim VfL Jesteburg besteht der Vorteil in einer größeren Offensivstärke, die meisten Tore hat Nele Heins erzielt, und wenn sie will, ist auch Winter-Zugang Fabienne Stejskal als Stürmerin für ein Tor gut. Bei Holstein heißt die beste Schützin Sarah Begunk mit 9 Toren, allerdings haben sie auch nur 33 Gegentreffer kassiert und Jesteburg genau so viele, wie sie geschossen haben.
    St. Pauli kann sich mit einem Sieg von Trainer Kai Czarnowski und Captain Inga Schlegel verabschieden – das allerdings wird schwer, denn zu Gast auf dem Heiligengeistfeld ist der Vizemeister Jahn Delmenhorst. Beide haben am vergangenen Wochenende verloren, der TV Jahn das Spitzenspiel bei Meister Werder Bremen II.. Allerdings steht der brutalen Offensivkraft der Niedersachsen mit Nahrin Uyar (17 Tore), Anna Mirbach (16), Julia Hechtenberg (14) und Neele Detken (13) beinahe nur noch Nina Philipp mit 15 Treffern entgegen. Und Paulis Stärke liegt nicht in der Abwehr, wie 38 Gegentore verraten, der nur fünftbeste Wert der Liga. 40 Tore der viertbesten Offensive hören sich für einen Tabellendritten, zumal für einen Aufsteiger, relativ gut an – Jahn hat aber 67 und Werder II. sogar 80 Stück.
    Duwo muss auswärts ran, beim Vorletzten Burg Gretesch. Auch hier geht der Trainer, Mac Agyei-Mensah. Aus den vier Punkten sollen trotz der schwächsten Offensive (15 Tore) und der schwächsten Defensive (60 Gegentore) sieben werden. Die Osnabrückerinnen werden allerdings auch nicht kampflos verlieren wollen. Tabellarisch geht für sie nix mehr, aber wer verliert schon gern? Die „Torjägerinnen“ beider Teams heißen Lisa Drews für Burg Gretesch (6) und Jana Spack für Duwo (5). Dass die zweitbeste Torschützin bei den Ohlstedterinnen allerdings mit Franciska Struckmeyer (3 Tore) eine Defensivspielerin ist, sagt leider eine Menge über die Gründe aus, warum Duwo auch sportlich den Gang in die Oberliga hätte antreten müssen.

    Pia Burmester (TuS Berne) und Sarah Latus (SCALA) in der Relegation 2016

    Pia Burmester (TuS Berne) und Sarah Latus (SCALA) in der Relegation 2016

    Während die Hamburger Verbandsliga schon in der Sommerpause ist – Walddörfer, HSV und Welle ausgenommen, geht es in der Landesliga noch um den Relegationsrang. Wenn es für die Zweite des HSV ganz dumm kommt, verlängert sich die Saison am Sonntag um einen ganzen Monat. Um 11 Uhr ist der SC Egenbüttel zu Gast in Ochsenzoll. Bei einer Niederlage könnten sowohl der SC Alstertal-Langenhorn als auch der TuS Berne vorbeiziehen – und das, wo die kleinen Rothosen nach dem ersten Spieltag Tabellenführer waren und es lange nicht so schien, als würden sie mit dem Abstieg noch etwas zu tun bekommen. Sie hatten ja 24 Punkte. Dass SCALA ebenso viele Punkte hat und Berne nur zwei weniger, ist durchaus kurios, der Aufholjagd der beiden letztjährigen Relegationsteilnehmer geschuldet, aber eben auch der eigenen Schwäche, denn der HSV hat die letzten sechs Spiele alle verloren – auch gegen SCALA und Berne. SCALA holte im gleichen Zeitraum sechs Zähler, am schmerzhaftesten war wohl das 1:4 bei Absteiger Germania Schnelsen. Vielleicht wähnten sie sich nach dem 2:1 in Berne Mitte März aus dem Gröbsten raus? Berne jedenfalls hat die stärkste Form, trotz 0:3 gegen Absteiger Groß Flottbek. Neun Punkte holten sie in sechs Partien, beim 5:6 gegen Durchmarschierer Egenbüttel lagen sie lange klar vorne, und den HSV II. putzten sie mit 6:1. Allerdings haben sie Sonntag einen starken Gegner: Bergedorf 85 II., während SCALA gegen Komet Blankenese spielt. Berne braucht den Sieg unbedingt, ein Remis reicht schon nicht, um Platz 10 zu verlassen. Und an die letzte Relegation haben sie mit zwei Niederlagen schlechte Erinnerungen. Hoffnung verbreitet allerdings das 24-Tore-Duo Jasmin Kröger und Marina Raskopp. Bergedorf hat Mirjam Reißer (13 Tore), und danach kommt lange nix. Bei SCALA ist die „alte“ Grit Lenz mit 9 Toren die gefährlichste, gefolgt von Nora El Khoutari und Janice-Mareen Koch mit jeweils acht. Beim HSV hat Henrike Diekhoff ebenfalls acht Treffer – und dann kommt lange nichts mehr nach. Die Rothosen haben aus dem Trio zwar nicht die schlechteste Abwehr – SCALA und Berne haben 60 bzw. 61 Gegentore -, aber mit 30 Toren den schlechtesten Angriff. Berne hat die fünftbeste Offensive der Liga, noch vor Bergedorf. Und das hat einen Vorteil: Spielen SCALA oder HSV II. nur unentschieden, wäre Berne mit einem Sieg der lachende Dritte und würde den Relegationsplatz verlassen.

    Die spannendste Frage in der Bezirksliga West lautet, ob der SV Friedrichsgabe oder der Moorreger SV im direkten Duell auf Platz drei einlaufen – gähn. Dagegen ist das Aufstiegsrennen in der Bezirksliga Ost richtig eng. So richtig eng. Tabellenführer TSC Wellingsbüttel II. ist punktgleich mit dem Harburger TB, dem beim 10:0-Kantersieg gegen die FSV Harburg-Rönneburg Platz eins nur um drei Treffer verpasste. Trotzdem hat Welles Zweite die bessere Ausgangslage für Sonntag, zu Gast ist um 9 Uhr der TSV Reinbek, während der HTB zwei Stunden später Barmbek-Uhlenhorst II. spielt. Zwischen Reinbek und BU II. liegen zwei Plätze und zwölf Punkte. Gewinnen beide nicht, kann der Bramfelder SV II. bei UH-Adler abstauben, der am letzten Wochenende gegen Welle mit 2:4 entthront wurde.

    Der SV Eidelstedt (in gelb) kann mit einem Sieg den Aufstieg perfekt machen

    Der SV Eidelstedt (in gelb) kann mit einem Sieg den Aufstieg perfekt machen

    Und dann waren da noch die Kreisligen. In Staffel 01 gibt es ein Fernduell. Der TuS Appen II. braucht als Zweiter einen Sieg beim Schlusslicht Rissener SV, der selbst gern zumindest noch an Altona 93 III. vorbeiziehen würde. Die Altonaerinnen spielen beim Tabellenführer SV Eidelstedt, der mit einem Sieg aus eigener Kraft aufsteigen kann. Daraus ergäbe sich eine noch lustigere Melange aus Interessen, wie der eine dem anderen den Tag versauen kann, wären Eidelstedt und Appen auch noch punktgleich. So aber es es für den SVE ganz einfach. In Staffel 02 könnte sich die kuriose Situation ergeben, dass aus der Staffel keine Mannschaft aufsteigt. Die SG Dassendorf/SC Wentorf steht als Meister fest, darf aber nicht aufsteigen. Was in diesem Fall passiert, ist nicht explizit geregelt: Steigt der Zweite anstelle Dassendorfs auf, wobei Nachrücker dann die Zweitplatzierten der anderen Staffeln wären, oder gilt der wörtliche Grundsatz der „in der FBZL zusätzlich freiwerdenden Plätze“, so dass der SCVM oder Lorbeer womöglich gänzlich leer ausgehen? Das könnte noch zu Streit führen. Sicher ist: Der Meiendorfer SV aus Staffel 03 hat als Zweiter einen Koeffizienten von 2,375. Sicher ist auch: Selbst wenn beide Teams aus der Kreisliga 01 verlieren, wäre der schlechteste Koeffizient beim TuS Appen II. 1,75. Sowohl der SC Vier- und Marschlande wie auch der 1. FFC Elbinsel, der heute um 14 Uhr beim SV Altengamme um Rang zwei kämpft und dazu mit fünf Toren Unterschied gewinnen muss, kommen – bestenfalls  – auf 19 Punkte und einen Koeffizienten von 1,9. Falls Eidelstedt und Appen gewinnen, wäre der Zweite… sagen wir es deutlich: gearscht. Entscheidet also der HFV, dass die Regel wortwörtlich ausgelegt wird und die SG Dassendorf/SC Wentorf den Aufstiegsplatz für die KL02 blockiert, so dass dann ein Nachrücker per Koeffizient ermittelt wird, guckt Elbinsel oder SCVM wahrscheinlich in die Röhre, bestraft von der Ausgeglichenheit der Staffel mit einer starken Spielgemeinschaft. Die Reihenfolge der anderen Zweiten ist dagegen relativ klar. Selbst mit einem Sieg in Rissen kann der TuS Appen II. nur auf 2,0 kommen, wodurch der Meiendorfer SV erster Nachrücker wird.

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