• Wenn Ihr nicht aufsteigt

    Autor:  • 15.10.2017 • Bezirksliga Ost, Hamburg, Spielbericht

    Clara Apel hat den Ball überholt, aber Alexandra Grotkopp hält Respektsabstand

    Clara Apel hat den Ball überholt, aber Alexandra Grotkopp hält Respektsabstand

    Bezirksliga Ost, 4. Spieltag
    Walddörfer SV II. – Rahlstedter SC 8:1 (5:1)

    … dann bin ich sauer.
    Klare Ansage vom Trainer des unterlegenen Rahlstedter SC, Nils Dröse, an seinen Gegenüber Niels Quante nach dem Sonntagabendspiel der Bezirksliga Ost. Seine Mannschaft war dem Gastgeber Walddörfer SV II. schon deutlich unterlegen, allerdings doch nicht ganz so deutlich, wie es das Ergebnis am Ende aussagte. Ein Gutteil dieses Umstands kam wohl durch die vielen Wechsel zu Beginn der zweiten Halbzeit zustande, wobei besonders Walddörfer sich das Leben selbst schwerer machte und die Umstellungen beim RSC nicht nutzen konnte. Insofern fiel das Ergebnis am Ende etwa um zwei bis drei Tore zu hoch aus.

    "Wenn Ihr nicht aufsteigt, bin ich sauer." - nach einem 1:8 wohl verständlich

    „Wenn Ihr nicht aufsteigt, bin ich sauer.“ – nach einem 1:8 wohl verständlich

    In den ersten zehn Minuten sah es auch nicht danach aus, als würde es soweit kommen. Beide Coaches waren früh mit dem Stellungsspiel ihrer Truppen unzufrieden und riefen viele Anweisungen aufs Feld – ein hörbares Zeichen dafür, dass sich beide erst sortieren mussten. Zumindest bei einer Standardsituation in der zwölften Minute gelang das Walddörfer etwas eher. Lea Böhm war links auf dem Flügel tief angespielt worden und hatte ein Foul von Irena Schramm gezogen. Den Freistoß auf Höhe des Strafraums brachte sie selbst auf den Schädel von Vera Zilt, deren Freude über das 1:0 sicher noch größer ausgefallen wäre, hätte ihr nicht Spielmacherin Clara Apel, aus mindestens stark abseitsverdächtiger Position, mit einem Kopfball einen Meter vor der Linie diesen Treffer in der Statistik gemopst, denn schon Zilts Abschluss wäre für RSC-Keeperin Nadine Eller unhaltbar gewesen.

    Vera Zilt kommt frei zum Kopfball ...

    Vera Zilt kommt frei zum Kopfball …

    ... Clara Apel hält selbst nochmal die Stirn rein ...

    … Clara Apel hält selbst nochmal die Stirn rein …

    ... und Nadine Eller ist chancenlos

    … und Nadine Eller ist chancenlos

    Nur zwei Minuten später erhöhte Paula Harder auf 2:0. Der Ball landete als hoher Diagonalball im Strafraum bei der Sturmspitze, die sich im Zweikampf gegen Alexandra Grotkopp behauptete und mit langem Bein aus sechs Metern ins lange Eck einnetzte (14.). Das ging zu einfach. Und in der 17. Minute gab Pia Schwanenberg den Ball flach von rechts herein, woraufhin Harder die Kugel mit der Fußspitze erreichte, aber Eller war aufmerksam und schnappte sich das Runde. Den ersten als solchen zu bezeichnenden Torschuss auf der anderen Seite gab Melanie Günther ab, deren Freistoß aus 24 Metern für Janina Pfullmann kein Problem darstellte (18.).

    Paula Harder ist vor Alexandra Grotkopp am Ball ...

    Paula Harder ist vor Alexandra Grotkopp am Ball …

    ... platziert ihn auf die lange Ecke ...

    … platziert ihn auf die lange Ecke …

    ... und wieder muss Nadine Eller hinter sich greifen

    … und wieder muss Nadine Eller hinter sich greifen

    Eigentlich waren es die Gastgeberinnen, die besser im Spiel waren. Mitte der ersten Hälfte schlug Senta Biermann einen Diagonalball aus halblinker Position in den Sechzehner, aber Schwanenberg verpasste am langen Pfosten. Und doch konnte Rahlstedt verkürzen. Günther brachte einen Freistoß fast von der rechten Torauslinie scharf in den Fünfmeterraum, wo ihn Schwanenberg letztlich im eigenen Tor unterbrachte – der 1:2-Anschlusstreffer für die Gäste nach einer knappen halben Stunde. Rahlstedt hatte sich auf Konterversuche verlegt, die allerdings im entscheidenden Moment zu ungenau vorgetragen waren, um Walddörfer ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen. Die Gastgeberinnen spielten schnell und teil auf engem Raum, ließen den Ball ansprechend laufen. So hinterließ der Gegentreffer auch keine nachhaltige Wirkung. Drei Minuten vergingen, da war der alte Abstand wiederhergestellt – allerdings mit Hilfe von Eller. Apel steckte auf Harder durch, die an der Strafraumgrenze von Lucia Testa gestellt wurde. Die Stürmerin konnte den Ballbesitz allerdings verteidigen und quer zur nachgerückten Apel passen. Deren durchaus haltbaren Schuss aus 18 Metern aufs kurze Eck ließ Eller durch die Finger gleiten und kassierte auf diese Weise das 1:3.

    Paula Harder erreicht den Ball vor Lucia Testa ...

    Paula Harder erreicht den Ball vor Lucia Testa …

    ... gewinnt den Zweikampf ...

    … gewinnt den Zweikampf …

    ... verliert ihn fast, setzt nach ...

    … verliert fast das Leder, setzt nach …

    ... und kann schließlich scharf quer spielen ...

    … und kann schließlich scharf quer spielen …

    ... Clara Apel kommt zum Abschluss ...

    … Clara Apel kommt zum Abschluss …

    ... Nadine Eller will den nicht allzu platzierten Schuss fangen ...

    … Nadine Eller will den nicht allzu platzierten Schuss fangen …

    ... greift aber daran vorbei ...

    … greift aber daran vorbei …

    ... und muss ihn wieder aus dem Netz holen

    … und muss das Runde wieder aus dem Netz holen

    Es vergingen wieder nur 180 Sekunden. Harder wurde bei ihrem Vorstoß durch die Mitte nicht konsequent attackiert und versuchte vor dem Strafraum quer zu spielen. Zwar blieb die Kugel an der Hacke von Denise Dröse hängen, Rahlstedts Defensive in Person von Libera Nathalie Finzel und Außenverteidigerin Testa vermochte aber gegen die nachsetzenden Volksdorferinnen Schwanenberg und Harder auch nicht nachhaltig zu klären. So kam sie über Schwanenberg zu Böhm, die Dröse außen herum passierte, nach innen zog und flach passend ins lange Eck einschweißte (35.). An dieser Stelle preiszugeben, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung über die Verteilung der drei Punkte gefallen war, fällt nicht unter die Kategorie „Spoiler Alert“. Es ging, wie schon beim 2:0, viel zu einfach. Nachdem Günther auf der Gegenseite nochmal Pfullmann aus der Ferne geprüft hatte, war das auch beim 5:1 in der 38. Minute nicht anders, und wieder half Eller mit. Apels hohe Hereingabe in den Strafraum, zum Tor hingedreht, ließ die Schlussfrau genau vor die Füße von Harder prallen, und die bedankte sich mit ihrem zweiten Tor.

    Paula Harder marschiert an Nathalie Finzel vorbei ...

    Paula Harder marschiert an Nathalie Finzel vorbei …

    ... bleibt mit ihrem Querpass aber an Denise Dröses Hacke hängen ...

    … bleibt mit ihrem Querpass aber an Denise Dröses Hacke hängen …

    ... aber die Volksdorferin setzt nach und gestattet Finzel keine Klärung ...

    … aber die Volksdorferin setzt nach und gestattet Finzel keine Klärung …

    ... so dass Pia Schwanenberg zurücklegen kann ...

    … so dass Pia Schwanenberg zurücklegen kann …

    ... Lea Böhm geht außen herum in den Strafraum ...

    … Lea Böhm geht außen herum in den Strafraum …

    ... kann am Fünfmeterraum relativ unbehelligt abziehen ...

    … kann am Fünfmeterraum relativ unbehelligt abziehen …

    ... und versenkt ins lange Eck

    … und versenkt ins lange Eck

    Es hätte durchaus noch schlimmer kommen können, aber Eller machte sich wiederum 60 Sekunden darauf verdient, als sie einen Lupfer von Harder sehenswert zur Ecke bog. Die letzte Chance des Durchgangs hatte die aufgerückte Hannah Bluhm, die nach Querpass von Schwanenberg rechts vorbei zielte (40.). Die Führung zur Pause war klar und zu diesem Zeitpunkt auch verdient. Walddörfer präsentierte sich spielerisch stärker, schneller und, was angesichts der durchaus unterschiedlichen Erfahrung ein wenig überraschte, auch überlegter in den Aktionen. Rahlstedt war in den Laufduellen regelmäßig nur zweiter Sieger, konnte nur im direkten Zweikampf mit Körperkontakt gewisse Robustheitsvorteile einbringen. Zu ihrem Leidwesen schafften es die Gäste allerdings nicht, Walddörfer diese Spielweise aufzuzwingen. Immer wieder öffneten sich Räume, die die Zweite des Regionalligisten nutzen konnten.

    Clara Apel versucht es nochmal mit einem harmlosen Schuss von der Strafraumgrenze

    Clara Apel versucht es nochmal mit einem harmlosen Schuss von der Strafraumgrenze

    Der RSC wechselte zur zweiten Halbzeit Sturmspitze Nadine Pape aus, dafür kam Dalina Damsch, die den rechten Flügel besetzte und fortan Melissa Klotzbücher in die Spitze verschob. Leider musste kurz darauf auch Testa raus, die nach einem Zusammenprall mit Böhm vom Feld humpelte. Kurz darauf wechselte Walddörfer ebenfalls, Celine Schmidt ersetzte Lynn Schlüter. Diese ganzen Wechsel waren für die Spielqualität vergleichsweise kontraproduktiv. Einziges Highlight dieser recht langen Phase war das 6:1 durch Harder, die von der Übersicht der links steil geschickten Böhm profitierte und nur noch einschieben musste (60.) – was die Kamera des unter Flutlichtbedingungen zugegebenermaßen aus der Übung gekommenen Berichterstatters leider nicht rechtzeitig einzufangen vermochte; eine Mischung aus falschen Einstellungen und einem Flut“licht“, das im Falle zukünftiger Bundesligaambitionen beim WSV wohl ein weiterer zu überarbeitender Punkt auf der Liste der Zulassungsvoraussetzungen wäre. Ich will damit nicht ausdrücken, dass man beim Walddörfer SV chronisch unterbelichtet sei – nur sind die Lampen im Gegensatz zu den AkteurInnen vereinsweit nicht die hellsten… Zurück zum Sportlichen. In der Folge nahm die Begegnung wieder etwas an Qualität zu. Es schien fast, als würde der Rahlstedter SC eine „Scheißegal“-Mentalität entwickeln. Walddörfers Abwehr bekam einen Freistoß von Dröse nicht aus der Gefahrenzone, und aus dem Hintergrund knallte Günther – wer sonst? – den Ball volley knapp links am Tor vorbei (61.).

    Melanie Günther zieht volley ab ...

    Melanie Günther zieht volley ab …

    ... der Ball fliegt gefährlich in Richtung langes Eck ...

    … der Ball fliegt gefährlich in Richtung langes Eck …

    ... zur Erleichterung von Janina Pfullmann aber doch daran vorbei

    … zur Erleichterung von Janina Pfullmann aber doch daran vorbei

    In dieser Phase war Rahlstedt durchaus nicht nur gleichwertig, sondern sogar etwas besser, gemessen an der Effektivität. Zwar vergab Böhm nach Sololauf mit einem harmlosen Flachschuss das nächste Tor, aber die Gäste wurden gefährlicher. Ihre beste Chance hatte sie durch – natürlich – Günther, die Pfullmann aus 20 Metern zu einer sehenswerten Flugparade zwang (68.). Sie spielten direkter, während beim Gastgeber spielerisch wenig zusammen passte. Hätte es nicht bereits 6:1 gestanden, wäre das ein interessantes Spiel gewesen. In der Schlussviertelstunde kam der WSV wieder besser zurecht, hatte sich nach den Wechseln wieder gefunden. Harder verpasste in der 75. Minute eine scharfe Hereingabe von Apel, und vier Minuten später setzte Böhm wieder zu einem Solodribbling an, das wieder mit einem von Eller im kurzen Eck entschärften Schuss endete. Walddörfer wurde wieder verbindlicher und gestand dem RSC kaum noch Entlastung zu. Das führte in der 84. Minute zum 7:1. Harder eroberte rechts den Ball von der nach 53 Minuten für die verletzte Testa eingewechselten Daniela Cirkovic und spielte in deren Rücken auf Apel. Deren Querpass konnte Böhm vor dem Tor freistehend annehmen, der Abschluss aus neun Metern war dann nur noch Formsache.

    Clara Apel nutzt den Raum nach dem Ballgewinn und legt vor Dalina Damsch quer ...

    Clara Apel nutzt den Raum nach dem Ballgewinn und legt vor Dalina Damsch quer …

    ... auf Lea Böhm, die frei abziehen kann ...

    … auf Lea Böhm, die frei abziehen kann …

    ... Nadine Eller keine Chance lässt ...

    … Nadine Eller keine Chance lässt …

    ... und ins lange Eck trifft

    … und ins lange Eck trifft

    Dem folgte in der 85. Minute auch noch das 8:1, dieses Mal nach einer Ecke. Diese brachte Apel scharf von rechts in den Fünfmeterraum, wo sie über Eller hinweg flog. Merle Klawikowski verpasste noch, aber am zweiten Pfosten vollendete Böhm mit dem langen Bein. Auch die letzte Chance hatte der Walddörfer SV. In der 89. Minute legte Biermann am Strafraum quer ab, aber der Schlenzer von Apel aus 15 Metern flog knapp rechts am Kasten vorbei.

    Nadine Eller springt unter dem Eckball von Clara Apel hindurch ...

    Nadine Eller springt unter dem Eckball von Clara Apel hindurch …

    ... Lea Böhm ist mit langem Bein am Pfosten zur Stelle ...

    … Lea Böhm ist mit langem Bein am Pfosten zur Stelle …

    ... drückt die Kugel ins Netz ...

    … drückt die Kugel ins Netz …

    ... und bedankt sich herzlich bei der Vorlagengeberin

    … und bedankt sich herzlich bei der Vorlagengeberin

    Es war der Schlussakt der Partie, die Schiedsrichter Femfert ohne Nachspielzeit zehn Sekunden zu früh abpfiff. Einer keineswegs nur einseitigen Partie, wie ich hinzufügen will, aber einer, in der der Rahlstedter SC trotz aller Gegenwehr und trotz Ausputzerin hinter einer Viererkette kein Mittel fand, das über 90 Minuten funktionierte, um die Räume enger zu machen und Walddörfer vom Toreschießen abzuhalten.

    Das letzte Tor nochmal unbearbeitet (lediglich verkleinert und geschärft) mit 1/800s Belichtungszeit bei Blende f/3.2 (Blendenautomatik), Brennweite 92mm und ISO 12.800 und Originalrauschen

    Das letzte Tor nochmal unbearbeitet (lediglich verkleinert und geschärft) mit 1/800s Belichtungszeit bei Blende f/3.2 (Blendenautomatik), Brennweite 92mm, ISO 12.800 und Originalrauschen

    Aufstellungen
    Walddörfer SV II.: Janina Pfullmann – Jette Warncke, Vera Zilt (60. Melina Laarmann), Hannah Bluhm, Lynn Schlüter (54. Celine Schmidt) – Senta Biermann, Merle Klawikowski – Lea Böhm, Clara Apel, Pia Schwanenberg (66. Katharina Wiese) – Paula Harder
    Rahlstedter SC:
    Nadine Eller – Nathalie Finzel – Alisa Höhne, Alexandra Grotkopp, Irena Schramm (60. Nina Herrmann), Lucia Testa (53. Daniela Cirkovic) – Melissa Klotzbücher, Melanie Günther, Denise Dröse, Philine Gelitz – Nadine Pape (46. Dalina Damsch)
    Schiedsrichter: Sven Femfert (Meiendorfer SV)
    Tore: 1:0 Apel (12.), 2:0 Harder (14.), 2:1 Schwanenberg (28., Eigentor), 3:1 Apel (32.), 4:1 Böhm (35.), 5:1 Harder (38.), 6:1 Harder (56.), 7:1 Böhm (84.), 8:1 Böhm (85.)
    Gelbe Karten: – / Testa (29.)
    Zuschauer: ca. 50

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