• Verständlicher Fehlgriff

    Autor:  • 03.09.2017 • Bramfelder SV, DFB-Pokal, Spielbericht, SV Henstedt-Ulzburg

    Aushilfskeeperin Anna Hepfer pariert gegen Alina Witt

    Aushilfskeeperin Anna Hepfer pariert gegen Alina Witt

    DFB-Pokal, 1. Hauptrunde
    Bramfelder SV – SV Henstedt-Ulzburg 0:2 (0:0)

    Spiele gegen Mannschaften, die sich so gut kennen, bekannte HUs Linksverteidigerin Cathérine Knobloch nach dem Spiel, sind immer schwierig: Gegen die einen hat man so oft gespielt, mit anderen sogar zusammen. Allerdings wusste sie auch, dass ihre Vorderleute sich das Leben gegen den Bramfelder SV sehr hätte vereinfachen können, wenn sie denn den Ball früher ins Tor gebracht hätten, wie auch Trainer Tobias Homp nach dem Spiel bemängelte. Gelegenheiten dazu gab es in ausreichendem Maße, und so hätte es auch ganz anders ausgehen können, denn die Hamburgerinnen waren trotz des erlittenen Abstiegs nicht gerade zahnlos. Nur torwartlos, was am Ende nur vordergründig eine Rolle spielte.

    Es ist keine mitreißende Partie

    Es ist keine mitreißende Partie

    Es war nicht so, dass Manuel Alpers nicht die Qual der Wahl gehabt hätte, wer nun gegen den SVHU das Tor hüten würde. Allerdings beneidete ihn niemand darum, denn die Auswahl fiel nach den Abgängen von Andrea Fernandes Neves und Christina Pohl zwangsläufig auf eine Feldspielerin. Es traf letztlich Anna Hepfer, die nun in der Abwehr fehlte und dort durch Catharina Schimpf ersetzt wurde, die somit ihrerseits als Abfangjägerin und Antreiberin in Personalunion vor der Abwehr ausfiel, so dass Neuzugang Maie Stein und Vanessa Zawada das zentrale Mittelfeld bildeten. Mit Carolin Reiß in der rechten Außenverteidigerposition und Justine Siever eine Position davor auf dem Flügel standen alle drei Neuen in der Startelf. Bei Henstedt-Ulzburg hatten das nur zwei Neuerwerbungen geschafft: Linda Ottlinger im zentralen Mittelfeld neben Maria Marrocu, sowie Tanja Staben in der Innenverteidigung neben Malin Hegeler. Beim Freistoß von Schimpf in der siebten Minute passte zwischen beiden die Abstimmung nicht, und es hätte nach Michele Scholz‘ unbedrängter Ballannahme im Kasten der Gäste klingeln können, hätte die Hamburgerin den Ball dann nicht aus vierzehn Metern genau auf Bianca Weech gezogen. Es war ein offener Beginn, und Bramfeld war vorerst geradliniger im Spiel nach vorn. Bei einem Konter wurde Scholz steil geschickt, von Knobloch gestellt und zur Ablage gedrängt, aber die nachgerückte Larissa Holland verzog deutlich (11.).

    Michele Scholz nimmt den Ball frei an ...

    Michele Scholz nimmt den Ball frei an …

    ... kommt zwischen Malin Hegeler und Tomke Dziesiaty zum Schuss ...

    … kommt zwischen Malin Hegeler und Tomke Dziesiaty zum Schuss …

    ... zielt aber genau auf Bianca Weech

    … zielt aber genau auf Bianca Weech

    Henstedt-Ulzburg brauchte lange, um vor dem gegnerischen Tor in Erscheinung zu treten. Als das nach einer guten Viertelstunde geschah, ging es durcheinander. Knoblochs langer Ball kam bei Alina Witt an. Hepfer stürzte ihr weit aus dem eigenen Fünfer entgegen und wehrte den Lupferversuch ab, aber das Ding blieb heiß. Tomke Dziesiaty schoss unfreiwillig quer, über Busem Seker erreichte das Leder Vera Homp, die flach abschloss, aber Schimpf rettete auf der Linie, Witt blockte den Klärungsversuch von Stroda, und letztlich konnte Bramfelds Kapitänin den Ball aus der Gefahrenzone schlagen, nachdem Dziesiaty ihn volley nicht richtig getroffen hatte, um ihn im Kasten unterzubringen. Was für eine Szene! Sie verlieh dem SVHU Auftrieb. Homp zog 60 Sekunden später aus 24 Metern ab und sorgte für einen kurzen Pulsaussetzer, als ihr Schuss auf die Latte ditschte. Kurz darauf verhinderte Stroda im letzten Moment, dass Homp im Strafraum zu einem kontrollierten Abschluss kam. Der Zweitligist legte zu, agierte druckvoller und offensiver. Ein ansehnliches Spiel war es dennoch nicht, denn beide agierten mit einer ähnlichen Spielanlage: Sie versuchten jeweils, den Gegner mit langen Bällen zu überspielen. Kombinationsfußball gab es gar nicht. Daraus resultierten auch viele Abspielfehler und entsprechende Hektik.

    Vera Homp kommt akrobatisch zum Abschluss ...

    Vera Homp kommt akrobatisch zum Abschluss …

    ... und Catharina Schimpf rettet auf der Linie

    … und Catharina Schimpf rettet auf der Linie

    Mitte des ersten Durchgangs konnte sich Bramfeld wieder etwas aus der Umklammerung lösen. Mit einem strammen Distanzschuss zwang Holland Weech nach unten ins kurze Eck, womöglich hätte es sonst 1:0 gestanden. Wenig später zielte Scholz nach Balleroberung gegen Michel auf die HU-Schlussfrau. Eine gute halbe Stunde war vorbei, als das Debüt von Linda Ottlinger ein jähes Ende fand: Bei einem Zweikampf rechts vor dem Strafraum stürzte die Mittelfeldspielerin unglücklich und musste drei Minuten lang behandelt werden. Vier weitere Minuten lang blieb HU in Unterzahl, ehe Christin Meyer die aus Dresden in den Norden gezogene Kollegin ersetzen konnte. Fortan übernahm Seker den Platz in der Zentrale, Meyer ging auf den Flügel. Die Neue fügte sich gut ein. Sie stand am Ende einer Passkette, die bei Marrocu ihren Anfang nahm und über einen Doppelpass von Witt mit Homp und ein Querabspiel zu ihr führte. Aus 14 Metern schoss sie im Fallen aber zu schwach, um Hepfer zu überwinden, die gut reagierte (39.).

    SVHU-Trainer Tobias Homp gibt Christin Meyer taktische Anweisungen

    SVHU-Trainer Tobias Homp gibt Christin Meyer taktische Anweisungen

    Alina Witt wird von Denise Stroda gestellt und spielt quer ...

    Alina Witt wird von Denise Stroda gestellt und spielt quer …

    ... die Grätsche von Carolin Reiß ist etwas zu kurz ...

    … die Grätsche von Carolin Reiß ist etwas zu kurz …

    ... so dass Christin Meyer zum Schuss kommt ...

    … so dass Christin Meyer zum Schuss kommt …

    ... aber Anna Hepfer greift im Nachfassen zu

    … aber Anna Hepfer greift im Nachfassen zu

    Vor dem Seitenwechsel gab es eine weitere Episode von „Hepfer gegen Witt“ in Minute 43. Die Stürmerin erlief einen langen Ball von Jennifer Michel und probierte es halblinks mit der Fußspitze. Hepfer kam ihr entgegen geflogen, parierte mit der Sohle, und Witts zweiter Versuch volley flog am leeren langen Eck vorbei. Damit ging es torlos in die Kabinen. Dass die Begegnung kampfbetont werden würde, war vorher abzusehen. Wie ausgeglichen sie geführt war, war weniger klar abzusehen, immerhin nahm HU in der letzten Saison alle sechs Punkte mit und hielt sich mit 11:0 Toren in zwei Spielen schadlos. Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen. Die knapp 200 zahlenden Zuschauer bekamen zwar ein intensives, aber niveauarmes Spiel geboten.

    Alina Witt auf dem Weg zum Tor ...

    Alina Witt auf dem Weg zum Tor …

    ... probiert es mit dem Außenrist ...

    … probiert es mit dem Außenrist …

    ... und Anna Hepfer wehrt mit dem Fuß ab

    … und Anna Hepfer wehrt mit dem Fuß ab

    Bramfeld kam wieder besser aus der Kabine. Zawada schlug einen langen Ball, Scholz erwehrte sich einer Attacke von Malin Hegeler und schoss halbrechts im Sechzehner auf Weech (50.). Danach war sie auch Adressatin einer Ablage von Holland, dribbelte an Staben und Michel vorbei in den Strafraum und verzog knapp nach links (54.). Gegenüber ging das Duell Witt-Hepfer in die nächste Runde. Seker eroberte den Ball gegen zwei und setzte hinter der Abwehr Witt ein, und wieder glänzte die Keeperin. Danach wurde es wieder zäh, obwohl oder weil beide wechselten. Bei HU wurde Tomke Dziesiaty durch Michelle Klingemann erlöst, beim BSV kam Sylvana Kempka rechts für Siever. Und doch musste Hepfer am Ende eines Gästekonters über Michel, Witt, Klingemann und Meyer per Grätsche gegen Homp eingreifen, um den Rückstand abzuwenden (68.).

    Michele Scholz spielt Tanja Staben aus ...

    Michele Scholz spielt Tanja Staben aus …

    ... stößt in die Riesenlücke hinter der Debütantin ...

    … stößt in die Riesenlücke hinter der Debütantin …

    ... wird von drei Henstedt-Ulzburgerinnen umringt ...

    … wird von drei Henstedt-Ulzburgerinnen umringt …

    ... und kann trotzdem abschließen ...

    … und kann trotzdem abschließen …

    ... aber ihr Schuss geht zu Bianca Weechs Erleichterung links vorbei

    … aber ihr Schuss geht zu Bianca Weechs Erleichterung links vorbei

    Im Spiel gab es zwei Knackpunkte. Der erste ereignete sich in der 71. Minute, als Schimpf Witt im Strafraum legte. Anna-Lena Heidenreich zeigte sofort auf den Punkt. Witt als Foulopfer trat nicht an, sondern Sturmpartnerin Homp. Nicht ihr erster Elfmeter – und nicht der erste verschossene, denn Hepfer hielt den Schieber in die Tormitte mühelos.  Nun gab es zwei Möglichkeiten, wie so ein Spiel danach laufen kann: Entweder dreht sich das Spiel gegen das Team, das das Tor verpasste, oder das Team dreht nach dem Motto „jetzt erst recht“ auf. Fast nie geht es einfach so weiter wie vorher, und so auch an diesem Nachmittag nicht. HU forcierte das Tempo, erhöhte den Druck und wollte die Führung.

    Catharina Schimpf versucht per Grätsche, Alina Witt zu stoppen ...

    Catharina Schimpf versucht per Grätsche, Alina Witt zu stoppen …

    ... und holt die Stürmerin von den Beinen ...

    … und holt die Stürmerin von den Beinen …

    ... was beide Beteiligte mit unterschiedlicher Gemütsregung aufnehmen

    … was beide Beteiligte mit unterschiedlicher Gemütsregung aufnehmen

    Vera Homp tritt zum Strafstoß an ...

    Vera Homp tritt zum Strafstoß an …

    ... aber Anna Hepfer hat keine Mühe, den sogar festzuhalten.

    … aber Anna Hepfer hat keine Mühe, den sogar festzuhalten.

    Allerdings hatten sie auch Glück, denn im Gegenzug konterte Bramfeld, und Catharina Schimpf war von Michel am Sechzehner nur per Foul zu stoppen. Die Außenverteidigerin hatte schon Gelb gesehen, und eine zweite Gelbe wäre durchaus nicht unplausibel gewesen. Aber Heidenreich beließ es bei einer allerletzten Ermahnung, weshalb Tobias Homp in der 75. Minute Anika Michel für die akut vom Alleinduschen bedrohte Sünderin herein brachte. Der Freistoß von Holland ging übrigens in die Mauer. Bramfeld war in dieser Phase in der Tiefe der eigenen Spielhälfte gebunden, Henstedt-Ulzburg drückte weiter.

    Schiedsrichterin Anna-Lena Heidenreich setzt Jennifer Michel auf den Pott

    Schiedsrichterin Anna-Lena Heidenreich setzt Jennifer Michel auf den Pott

    Entschieden wurde das Spiel durch den zweiten Knackpunkt: Klingemann holte rechts gegen Schimpf eine Ecke heraus. Bis dahin waren sie bei Standards einigermaßen harmlos. Seker trat das Leder scharf in den Fünfer, als Flatterball, wie Hepfer nach Spielende erklärte. Stroda flog deshalb am ersten Pfosten am Ball vorbei, und die Reaktionszeit reichte der Keeperin dann nicht mehr, um die Kugel zu greifen. Ob das einer gelernten Schlussfrau anders gegangen wäre, bleibt spekulativ, gefühlt aber wäre dazu schon Almuth Schult nötig gewesen. Und weil alles Unglück in so einer Situation zusammen kommt, landete der Ball nach dem Abpraller von Hepfers Bauch auch noch vor den Füßen von Witt, die sich mit dem 0:1 bedankte (85.). Nicht unverdient – aber so richtig verdient war’s auch nicht.

    Denise Stroda fliegt am Flatterball von Busem Seker vorbei ...

    Denise Stroda fliegt am Flatterball von Busem Seker vorbei …

    ... von Anna Hepfers Bauch prallt der Ball ab ...

    … von Anna Hepfers Bauch prallt der Ball ab …

    ... genau vor die Füße von Alina Witt ...

    … genau vor die Füße von Alina Witt …

    ... die sich diese Chance nicht nehmen lässt ...

    … die sich diese Chance nicht nehmen lässt …

    ... und jubelnd abdreht, während Hepfer leidend liegen bleibt

    … und jubelnd abdreht, während Hepfer leidend liegen bleibt

    Alina Witts erster Dank geht an Eckenschützin Busem Seker

    Alina Witts erster Dank geht an Eckenschützin Busem Seker

    Natürlich musste Bramfeld jetzt alles nach vorn werfen, mit Nachspielzeit waren es vielleicht noch sieben Minuten. Mit Malina Schütt kam für Vanessa Zawada eine frische Spielerin, was durchaus bemerkenswert war, weil mit Jasmin Wolf und Nurdan Üstün noch offensivstärkere Spielerinnen auf der Bank saßen. Aber HU zog jetzt den Sack zu. Witt bekam hinter der Mittellinie den Ball, marschierte los an zwei Bramfelderinnen vorbei und schob zum 0:2 in die linke Ecke (90.). Und so wurde letztlich diejenige, die einige Gegentore allein gegen Witt verhindert hatte, obwohl das auf diese Art gar nicht ihre erlernte Aufgabe war, doch noch – schuldlos – zur tragischen Figur. Dabei fiel beinahe dem Vergessen anheim, dass sich der Favorit aus dem Süden Schleswig-Holsteins nicht mit Ruhm bekleckert hatte.

    Alina Witt bricht durch die Bramfelder Deckung ...

    Alina Witt bricht durch die Bramfelder Deckung …

    ... Maie Stein muss zurückstecken, um nicht Rot zu sehen ...

    … Maie Stein muss zurückstecken, um nicht Rot zu sehen …

    ... so dass Witt in den Strafraum geht ...

    … so dass Witt in den Strafraum geht …

    ... ungestört vor dem Tor abzieht ...

    … ungestört vor dem Tor abzieht …

    ... und Anna Hepfer zur Entscheidung überwindet

    … und Anna Hepfer zur Entscheidung überwindet

    Nach dem Spiel kann Anna Hepfer, hier mit den Ex-Teamkolleginnen Vera Homp und Bianca Weech, wieder lachen

    Nach dem Spiel kann Anna Hepfer, hier mit den Ex-Teamkolleginnen Vera Homp und Bianca Weech, wieder lachen

    Aufstellungen
    Bramfelder SV: Anna Hepfer – Jacqueline Bleser, Catharina Schimpf, Denise Stroda, Carolin Reiß – Safia Hassam (78. Gianna Hüllmann), Maie Stein, Vanessa Zawada (86. Malina Schütt), Justine Siever (66. Sylvana Kempka) – Larissa Holland, Michéle Scholz
    SV Henstedt-Ulzburg:
    Bianca Weech – Cathérine Knobloch, Malin Hegeler, Tanja Staben, Jennifer Michel (75. Anika Michel) – Busem Seker, Maria Marrocu, Linda Ottlinger (36. Christin Meyer), Tomke Dziesiaty (57. Michelle Klingemann) – Alina Witt, Vera Homp
    Schiedsrichterin: Anna-Lena Heidenreich (TSV Dahme) mit Levke Scholz (SV Victoria 08 Lübeck) und Jasmin Stuhr (Holstein Kiel)
    Tore: 0:1 Witt (85.), 0:2 Witt (89.)
    Gelbe Karten: – / Michel (57.)
    Zuschauer: 198

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