• Teamvorschau – Regionalliga

    Autor:  • 01.09.2017 • FC St. Pauli, Nachrichten, Regionalliga Nord, SV Henstedt-Ulzburg II., VfL Jesteburg, Walddörfer SV

    Die Saison kommt in die Puschen. Letzte Woche gab es die erste DFB-Pokalrunde, an diesem Wochenende starten 2. Bundesliga und Regionalliga. Der einzige Vertreter in Liga zwei, den SV Henstedt-Ulzburg, wurde bereits in der Teamvorschau zum Pokal vorgestellt, und ebenso dessen Gegner, der Bramfelder SV aus der Regionalliga Nord. Fehlen noch die vier anderen Clubs aus Liga drei: Der FC St. Pauli, der VfL Jesteburg, sowie die Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg II. und Walddörfer SV.

    FC St. Pauli

    Landläufig sagt man, die zweite Saison sei die schwerste – weil die Aufstiegseuphorie verpufft ist, SpielerInnen haben sich für andere Clubs empfohlen, die Erwartungshaltung ist gewachsen, und nicht zuletzt kennen die anderen Teams, die die Klasse gehalten haben, die eigene Spielweise und den Sportplatz. Wenn dem so ist, dann steht dem FC St. Pauli diese Saison bevor. Der dritte Platz war definitiv geeignet, die Erwartungen an die Mannschaft zu pushen. Ja, auch auf dem Kiez. Zudem haben die Braun-Weißen, die traditionell eher wenig am Kader schrauben, doch wesentliche Neuerungen. Die wichtigste betrifft den Einfluss von außen: Kai Czarnowski ist gegangen. Seine Assistentin ist in die Fußstapfen getreten: Lina Rosemann. Dabei ist sie mit ihren 26 Jahren nicht mal die jüngste Trainerin der Liga. Verstärkung bekommt sie von Jannis Zielke, der zuletzt erfolgreich die aufgelöste Zweite von Duwo 08 betreute. Eine Aufgabe für das Duo bestand in der Findung einer neuen Spielführerin, denn auch Inga Schlegel beendete ihre Laufbahn. Zudem ist Lynn Isken im Ausland. Zwei Spielerinnen-Abgänge, beide in der Defensive.

    Lea Lübke

    Lea Lübke

    Entsprechend wurden die Abgänge kompensiert. Die Neuen im Defensivverbund heißen Michelle Wiehr und Lea Lübke. Die 17-jährige Wiehr soll auf der Außenbahn zum Einsatz kommen, wo in der letzten Saison die neue Chefin Lena Kattenbeck beheimatet war. Sie kommt von Verbandsliga-Absteiger Niendorfer TSV. Lübke ist ebenfalls Absteigerin, sowohl zwangsweise als auch sportlich: Sie kommt von Duwo 08 und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch davor eingesetzt werden. Dritte im Bunde ist Paula Bodenstedt, die es aus Lollar bei Gießen zu den Kiezkickerinnen zog. Sie ist keine Absteigerin – ganz im Gegenteil: Ihr Team wurde in der vergangenen Saison souverän Meister der Verbandsliga Nord und stieg in die Hessenliga auf. Der FC St. Pauli ist also auch in dieser Saison nicht von seiner Philisophie abgegangen, nur drei externe Neuzugänge aufzunehmen – eine Konstante an der Feldstraße. Unter dem Strich sind sie sicherlich nicht schlechter geworden. Besser? Das bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass sie in der Liga zum Favoritenkreis gehören, vom ersten Spieltag an, genau wie der Gegner Holstein Kiel, der am Sonntag um 13 Uhr aufs Heiligengeistfeld kommt. Ob sie auch an einer Zweitligaqualifikation teilnehmen würden, ist eine andere Frage: Zum einen sind sie zweifellos sehr abhängig von einzelnen Spielerinnen, die die ganze Mannschaft qualitativ nach oben ziehen. Die anderen werden nach dem Gewöhnungsjahr stärker gefordert sein, niveaumäßig aufzuschließen. Man darf durchaus gespannt sein, wie das gelingt, denn nur dann wäre auch nur eine Voraussetzung erfüllt, um einer Bewerbung zur eingleisigen zweiten Liga einen Sinn zu geben. Ob es finanziell und organisatorisch darstellbar wäre, ist noch eine ganz andere Frage. Eine Tendenz aus den Vorbereitungsspielen herauszulesen, wäre nicht zielführend: Im frühen Stadium gab es ein krachendes 0:4 beim Hamburger Vizemeister Union Tornesch, danach ein 0:0 beim Nordost-Regionalligisten Viktoria 1889 Berlin, und zuletzt zwei Mal ein 5:1 gegen die Verbandsligisten ETV und Duwo. Nicht sehr aussagekräftig.

    VfL Jesteburg

    Die Frage nach der zweiten Liga stellt sich beim VfL Jesteburg nicht. In einer Hinsicht war die letzte Saison bemerkenswert: Dem VfL fehlten in seiner ersten Saison fünf Punkte zu Platz vier. Allerdings hatten die Rüsselkäferinnen nicht nur den drittbesten Angriff der Liga, sondern auch nach Duwo 08 und dem TSV Havelse die drittschlechteste Defensive. Unterhaltsam waren die Spiele ja: 3:9 gegen Delmenhorst, 2:6 gegen Werder II., 3:5 auf St. Pauli, 5:6 in Havelse – Zeugnis einer unsteten Saison. Vielleicht wäre sogar mehr Entlastung möglich gewesen, hätte die Last des Toreschießens nicht schwerpunktmäßig wieder auf Nele Heins und Andrea Ludewig gelegen, die zusammen 22 Tore erzielten. Viertbeste Schützin hinter Sarah Wedtgrube (7) war mit Nadia Papist schon eine Defensivspielerin im selbstbestimmten, späten Herbst ihrer Laufbahn. Winterneuzugang Fabienne Stejskal konnte sich da noch nicht so recht einbringen. Das dürfte dieses Spieljahr anders aussehen, im Pokal traf sie schon doppelt, ebenso wie Heins.

    Sina Reinmüller

    Sina Reinmüller

    Apropos Neuzugänge: Fünf sind es. Der bekannteste Name ist Sarah Stöckmann, Ex-Immenbeckerin, zuletzt in der 2. Bundesliga beim SV Henstedt-Ulzburg und wohl, wie man es so schön nennt, der „Königstransfer“. Zeitgleich ist Sina Reinmüller vom TSV Stelle zurück, die zweite linksfüßige Personalie für die Rüsselkäferinnen, die allerdings eine defensivere Rolle einnehmen dürfte; beim 4:4 in Tornesch standen beide von Beginn an auf dem Platz. Und noch eine „verlorene Tochter“ hat den Weg zurück gefunden: Linn Fischer, die einst von der SG Jesteburg/Bendestorf gen Westen auszog, für den FSC Mönchengladbach ihre Regionalligaerfahrung vertiefte und zuletzt für den Düsseldorfer CfR Links auflief. Dazu kommen Janine von-der-Wroge von den B-Juniorinnen des HSC Hannover und die Ex-Immenbeckerin Antonia Noack. Auf der Seite der Abgänge stehen Ex-Kapitänin Nadia Papist, die ihre Laufbahn beendet hat, sowie Celina Fuß (kehrte zum Buchholzer FC zurück) und Lea Schwarzenberger (TuS Fleestedt). Maleen Gerckens, Anna-Lena Günthel und Cindy Werth fehlen weiter verletzungsbedingt. Ob sie allerdings einen Unterschied bei den Ergebnissen machen könnten…? Dass sich am Grundproblem etwas ändern könnte, lassen die Testspielresultate nicht vermuten: Außer dem 4:4 gegen Union Tornesch gab es ein 5:4 beim TSC Wellingsbüttel. Das macht sie einerseits unberechenbar für den Gegner, aber auch unberechenbar für sich selbst, was im Hinblick auf den Klassenerhalt in der Regionalliga angesichts drohender Verdrängung durch Absteiger aus Liga zwei zum Problem werden könnte. Ein paar schlechte Ergebnisse zum Auftakt können da schon nervös machen, und der Einstieg in die Saison hat es in sich: Am Sonntag in Bramfeld, nach dem Heimspiel gegen den SVHU II. in Buntentor, gegen Limmer, und nach dem Pokalspiel in Hastenbeck heißen die Gegner Holstein Kiel und Werder II…

    SV Henstedt-Ulzburg II.

    Die Rolle des leicht überraschenden Aufsteigers SV Henstedt-Ulzburg II., der sich im Juni aus eigener Kraft dank Siegen beim SC Weyhe und gegen den Walddörfer SV in die Regionalliga Nord hochspielte, ist in dieser Saison klar umrissen: Genießen und für die nächste Saison präsentieren. Sollte die Erste sich – wie es viele erwarten – nicht für die eingleisige zweite Bundesliga qualifizieren, muss die Zweite ohnehin absteigen, egal wie sie in der dritten Liga abschneiden. Trainer Christian Pusch hat einen Umbruch vollzogen, vollziehen müssen. Vordringlichste Aufgabe wird sein, das Spiel seines Teams auf einem höheren Niveau „wichtellos“ zu machen, denn Kathrin Grunwald hat sich, nachdem sie mit drei von fünf Aufstiegsrundentreffern erwartungsgemäß großen Anteil an dieser Gelegenheit in Liga drei hatte, mit 35 Jahren aufs Altenteil zurückgezogen, wie auch die inzwischen 45-jährige Sabine Grelck, die sich allerdings wegen ihres Einsatzes für den Niendorfer TSV beim am Wochenende in Altenkirchen/Rheinland-Pfalz stattfindenden DFB-Ü35-Frauen-Cup die Vorbereitung mit absolvierte. Im Tor wurde der Abgang von Alicia Bautz, die in der Ersten nun Nummer zwei ist, mit Ann-Cathrin Mitschke kompensiert, die wie Alexandra Filippow, Annika Knechtel und Ina Hoppe von Duwo 08 kamen. Die intern in die Dritte abgegangenen Johanna Ahlrichs, Christina Grotkopp, Mareike Schmedes, Lena Pahl und Theresa Kluge wurden aus dem eigenen Nachwuchs ersetzt: Lonnika Warda, Isabell Zollinger, Sophia Engler, Olivia Gaddum (die schon in der letzten Saison für die Zweite auflief) und von den männlichen C-Junioren Lara Scheff sind nachgerückt. Außerdem kehrte Femke Steffen aus dem Ausland zurück, aus der eigenen Ersten steht Pia Schneuing zur Verfügung, und obendrein gesellte sich Ronja Nicolaisen von der SG Rönnau-Segeberg hinzu. Neun Abgänge, zu denen auch Michelle Sielka (SC Egenbüttel) gehört, zwölf Neue. Anderer werden bei einer solchen Bilanz neidisch.

    Pia Schneuing

    Pia Schneuing

    Dass nicht alle werden dauernd spielen können, liegt angesichts der Kadergröße auf der Hand. Dennoch gab es in der Vorbereitung einige Gelegenheiten für Spielpraxis. Der größte „Misserfolg“ war wohl das 3:3 gegen TuRa Meldorf Mitte August, als Puschs Team binnen zehn Minuten drei Gegentore kassierte. Allerdings wurde danach unter der Woche der HSV mit 3:2 geschlagen, mit Keeperin Berith Voigt als 45-Minuten-Mittelfeldspielerin. Im letzten Test zum Abschluss des Trainingslagers gab es gegen den Hamburger Meisterschaftsanwärter TSC Wellingsbüttel ein 2:2. Was das für den Saisonstart bedeutet…? Der ist nicht ohne für den Liganeuling: Am Sonntag geht es nach Hannover zum TSV Limmer, eine Woche später nach Jesteburg. Die ersten Gäste am Beckersberg sind danach Holstein Kiel und der FC St. Pauli. Damit sind nach vier Spieltagen vier Teams aus den Top 6 der Vorsaison abgefrühstückt. Für eine Mannschaft, die sich an eine neue Spielweise gewöhnen muss, weil Grunwald eben Patzke und damit immer ein verlässlicher, antreibender und entscheidender Faktor im Spiel war, sind das harte Aufgaben.

    Walddörfer SV

    Die Zuversicht vor der Aufstiegsrunde war groß beim Hamburger Meister. Auch wenn immer wieder versucht wurde, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, indem betont wurde, dass sie nicht aufsteigen mussten, war die Enttäuschung nach dem 0:2 in Henstedt-Ulzburg doch groß. Auch die eine oder andere Träne wurde vergossen, nicht ahnend, dass der TSV Havelse doch noch seinen Platz frei machen würde. Für die Vorbereitung machte das keinen Unterschied. Vom Niveau her sind die Anforderungen an die Oberliga-Meisterschaft und den Regionalliga-Klassenerhalt durchaus vergleichbar, was die direkte Konkurrenz angeht. Nur dass man in Hamburg leichtere Spiele hat, in denen man aufpassen muss, nicht zu stolpern, während es in der dritten Liga Spiele gibt, die sie ums Verrecken nicht werden gewinnen können. Verlieren ist etwas, das sie erst lernen müssen.

    Dolores Gorcic

    Dolores Gorcic

    Damit das nicht zu oft passiert, wurde die Truppe nicht nur gezielt verstärkt – mit der durchaus körperbetont spielenden Dolores Gorcic vom Bramfelder SV, der wuseligen Stoßstürmerin Lisa Stein-Schomburg vom SSC Hagen Ahrensburg und mit dem 16-jährigen Torwarttalent Antonia Posdziech von Turbine Potsdam -, sondern auch eine fast professionelle Vorbereitung durchgezogen, einschließlich einer Woche Trainingslager in Dänemark mit einem Tross aus 43 Spielerinnen und Spielen gegen den Zweitligisten Sundby BK (2:9), die U18 von Zweitligist B.93 (4:0) und die Kopenhagen Elite School (10:1). Die machte viel von den eher holprigen ersten Testspielen wett, wo sie unter anderem gegen den SSC Hagen Ahrensburg und Ligakonkurrent Holstein Kiel verloren. Eine Woche vor Saisonstart waren sie allerdings noch nicht ganz fertig, wie das 4:4 beim TSV Ratekau verdeutlichte. Das wesentlichste Defizit zu beheben, benötigt Zeit: Die Athletik. Sie können schnell spielen, schön spielen, mit Übersicht, torgefährlich, sie verlagern das Spiel – aber wenn ihnen eines Probleme bereitet, ist es Körpereinsatz. Da fehlt es den Volksdorferinnen gerade im Vergleich mit etablierten Drittligakickerinnen an Durchsetzungsvermögen. Das zeigte nicht erst die Niederlage in Henstedt-Ulzburg auf. Hier dazu zu lernen, dafür reichen zwei Verbandsligaspielzeiten und eine Vorbereitung in Kopenhagen nicht aus. Viel wird darum gehen, sich gegen abgezockte Hasen wie Paulis Nina Philipp, Kiels Sarah Begunk oder schon am Sonntag gegen Buntentors Alexandra Karpe, Nathalie Martens und Lisa Scheumann zur Wehr zu setzen, die den Körper reinstellen und den Hintern rausstrecken, wenn es um die Verteidigung des Ballbesitzes geht. Allein mit ihrer bisherigen Spielweise wird Walddörfer genau so weit kommen wie am 11. Juni an der Alsterquelle.

    Die ersten Spiele der Saison am Sonntag:

    • 13:00 Uhr, Feldstraße (Hamburg): FC St. Pauli – Holstein Kiel; Schiedsrichter: Sandro Birkenhof (SC Eilbek) mit Gespann

    • 13:00 Uhr, BSA Kuhhirten (Bremen): ATS Buntentor – Walddörfer SV; Schiedsrichterin: Sarah Dubiel (TSV Hasenbüren) mit Robin Thieben (Bremen) und Oualid Al Faker (FC Oberneuland)

    13:00 Uhr, Holzrehre 8 (Hannover): TSV Limmer – SV Henstedt-Ulzburg II.; Schiedsrichterin: Julia Schricke (SVG Göttingen) mit Marc-Daniel Jünke (Göttingen) und Vivienne Heise (SVG Göttingen)

    14:00 Uhr, Ellernreihe 88 (Hamburg): Bramfelder SV – VfL Jesteburg; Schiedsrichterin: Sylvia Peters (TSV Siems) mit Romas Stübs (SC Buntekuh) und Ludwig Ortlepp (Lübeck)

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