• Teamvorschau – DFB-Pokal

    Autor:  • 26.08.2017 • Bramfelder SV, DFB-Pokal, Hamburger SV, Nachrichten, SV Henstedt-Ulzburg

    Der DFB-Pokal steht vor der Tür. Die Clubs aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen sind kollektiv am Sonntag an der Reihe, und die beiden Vertreter der Hansestadt, Zweitligaabsteiger Bramfelder SV und Pokalsieger Hamburger SV, spielen zeitgleich um 14 Uhr. Ärgerlicherweise muss der HSV beim klassenhöheren 1. FC Neubrandenburg 04 aus der Regionalliga Nordost antreten, während der BSV am Gropiusring ein Heimspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg hat. Zeit, um die drei Teams mal näher unter die Lupe zu nehmen.

    SV Henstedt-Ulzburg

    Zwei Abgänge dieses Sommers tun dem Zweitligisten schon weh, vor allem unter dem Aspekt, dass sie mindestens Siebter in dieser Saison werden müssten, um eine Chance auf die eingleisige zweite Liga zu haben. Am schmerzhaftesten dürfte der Weggang von Sarah Stöckmann das Team von der Alsterquelle getroffen haben, immerhin sorgte sie auf dem linken Flügel für Alarm und haute sich auch auf anderen Positionen rein, wo sie gebraucht wurde, etwa auf der Doppelsechs. 33 Zweitligaspiele bestritt sie im rot-blau-grün verzierten Dress und erzielte dabei sechs Tore. Nun hat sie sich dem VfL Jesteburg in der Regionalliga angeschlossen und könnte in der Saison 2018/19 auf ihr Ex-Team treffen. Der zweite Abgang ist ähnlich gelagert: Michelle Hille, die wie Stöckmann wenig Spielzeit in der abgelaufenen Saison bekam. In insgesamt 26 Zweitligaauftritten gelangen ihr fünf Tore. Ihr letztes schoss sie in der Hinrunde 2016/17 beim 7:0 gegen den Bramfelder SV. Ab sofort wirbelt sie nur noch für Kreisligist Concordia. Außerdem gehören wurden der zweiten Reihe Mayline Danner, Tomke Zeeh, Lea Tiedtke, Ersatzkeeperin Julia Prosch und Pia Schneuing – Letztere wechselte ins Regionalligateam des SVHU – verabschiedet.

    Michelle Klingemann

    HU-Neuzugang Michelle Klingemann

    Auf der Habenseite stehen zum einen Alicia Bautz als Nummer zwei hinter Bianca Weech, aufgerückt aus der eigenen Zweiten, Regionalliga-Absteigerin Dilara Koc, die vor zwei Jahren von Landesliga-Absteiger Altona 93 zu Duwo gewechselt war, und Michelle Klingemann vom Landesliga-Aufsteiger Harburger TB. Stürmerin Judith Knieling und Mittelfeldspielerin Linda Ottlinger stammen vom Nordost-Regionalligisten 1. FFC Fortuna Dresden, wo die Neu-Hamburger Polizeianwärterin Knieling in einer halben letzten Saison auf sechs Treffer kam und Ottlinger auf vier. Und dann wäre da noch Tanja Staben. Die 16-Jährige spielte bis zum Sommer in der B-Jugend des TuS Nortorf in der Verbandsliga – bei den Jungs, bei denen sie drei Tore zur Saisonplatzierung fünf beisteuerte, und das letzte stilecht im Abschiedsspiel gegen den Sechsten TSV Bargteheide (7:0). Die dort erlernte Zweikampfhärte dürfte ihr in der zweiten Liga ein Vorteil sein. Ebenfalls neu ist die Co-Trainerin Sabine Bohnsack, die 2013 eigentlich den Zweitliga-Absteiger FFC Oldesloe in der Regionalliga trainieren sollte, der jedoch dort nicht antreten konnte, und im Hinblick auf die „Zweite“ in der Schleswig-Holstein-Liga mangels Interesse zurücktrat.

    Dass der SVHU wie schon in der Vorsaison eine Wundertüte wird, dürfte nicht allzu sehr verwundern. Um Platz sieben zu erreichen, werden sie sich mächtig strecken müssen, vor allem angesichts des hammerharten Startprogramms gegen Gladbach, in Cloppenburg, in Gütersloh, gegen Wolfsburg II. und in Meppen – allesamt Favoriten auf die ersten sieben Ränge. Erst im November kommen die leichteren Aufgaben, abgesehen vom Pokalspiel in Bramfeld. Gegen den BSV ist der SVHU zwar ungeschlagen, aus vier Pflichtspielen gab es zwei Siege und zwei Unentschieden. Eine leichte Aufgabe wird das nicht.

    Bramfelder SV

    Die Demütigung von dreistelligen Gegentoren konnte der Bramfelder SV sich zwar ersparen, aber mit drei Punkten und 18:98 Toren abzusteigen ist hart. Selbst beim Abstieg aus der Regionalliga 2013 hatten sie als Tabellenletzter acht Punkte geholt, zwei Tore mehr geschossen und fünfzehn Gegentore weniger gefangen. Natürlich bedeutet so ein Abstieg immer eine Zäsur, selbst wenn man nur für ein Jahr die Spielklasse gewechselt hat. Dementsprechend stehen nur drei Neue zehn Abgängen aus dem ursprünglichen Riesenkader gegenüber, der bis zur Rückennummer 32 reichte und doch aufgrund seiner Zusammenstellung bei Beobachtern viele fragende Blicke hervorrief. Die sind auch vor dem Auftritt im DFB-Pokal nicht verschwunden, denn eine etatmäßige, gelernte Torhüterin wusste Manuel Alpers nach den Abgängen von Andrea Fernandes Neves (in die USA) und Christina Pohl (mit unbekanntem Ziel) in der Vorbereitung nicht zu benennen – eine gelernte Feldspielerin musste zwischen die Pfosten, sei es Vanessa Zawada, Denise Stroda, Safia Hassam, Anna Hepfer, Michéle Scholz…

    Maie Stein

    Maie Stein

    Weitere Abgänge in der Hochhaussiedlung sind Carla Morich und Paula Ziselsberger aufgrund von Auslandsaufenthalten, Živa Hanžič (wieder nach Slowenien), Şebnem Taşkan (Studium), Sophie Windisch und Judith Kahl (beide TSC Wellingsbüttel), Dolores Gorcic (Walddörfer SV) und Finn Müller (SC Wentorf). Dem gegenüber stehen nur drei Neue: Rückkehrerin Carolin Reiß, die aus Wien wieder an die Elbe gekommen ist, und die Ex-Ahrensburgerinnen Maie Stein (Duwo 08) und Juliana-Justine Siever (SG Holstein Süd). Der Regionalligakader von Manuel Alpers ist also wesentlich schlanker, was durchaus Sinn ergibt. Allerdings kommt das sicher auch nicht ganz freiwillig zustande, und abgesehen von der Torwartposition scheint das Team nominell noch etwas unausgewogener, was die beiden Extreme auf dem Feld angeht. Obendrein ist personell nicht viel Spielraum für urlaubs-, krankheits- oder verletzungsbedingte Ausfälle. Das gilt auch auf Leitungsebene – für die Regionalliga sucht der BSV noch einen Teammanager, einen Athletiktrainer und einen Betreuer. Dabei verliefen die Tests nicht unerfolgreich: In fünf Spielen verloren sie nur gegen den TSV Ratekau, schlugen aber Jahn Delmenhorst, den SC Victoria, den HSV und den SC Wentorf. Und in Richtung SV Henstedt-Ulzburg gab es bereits eine Kampfansage – in Steilshoop rechnen sich die Schwarz-Weißen etwas aus…

    Spielinfo *** Anpfiff: 14 Uhr, Ort: Sportanlage Gropiusring 43, Hamburg-Steilshoop, Rasenplatz;
    Schiedsrichtergespann: Anna-Lena Heidenreich (TSV Dahme) mit Levke Scholz (SV Viktoria 08 Lübeck) und Jasmin Stuhr (Holstein Kiel)

    Hamburger SV

    Eines muss man den Rothosen lassen: Der Kader bleibt im Vergleich zur Vorsaison zusammen. Nur einen Abgang gibt es: Emma Burdorf-Sick zieht es für ein Jahr nach Südafrika. Dafür kamen sechs Neue, die verhindern sollen, dass sich wieder so eine angespannte Personalsituation wie im Frühjahr entwickeln kann. Zum Beispiel steht hinter Lela Naward nun die aus der B-Juniorinnen-Bundesliga aufgerückte Cindy Guder als zweite Torhüterin bereit, was für Emilia Schwerdtfeger weniger Gefahr bedeutet, wie in der Jugend ins Tor zu müssen, wenn Naward ausfällt – oder dass gar, wie beim 3:3 gegen den ESV Einigkeit, Evelyn Holst wieder zwischen die Pfosten muss. Ebenfalls aus der U17 nachgerückt sind Kristina Bilic und Kathrin Thomsen. Fest in der Ersten sind nun auch Kelly Koskeridou, Melina Glass und Philine Diekhoff, die zwar auch für die U17 beim Klassenerhalt mitgeholfen hatten, aber schon bei den Frauenmannschaften viel Spielzeit erhalten hatten. Extern kam auch Verstärkung hinzu. Künftig laufen Ex-Rothose Mathilda Weisser sowie Amely Jaekel und Franciska Struckmeyer für den HSV auf. Das Trio stammt vom Regionalliga-Absteiger Duwo 08. Wenn dieser Kader unter Christian Kroll und Jörg Meyer zusammenfindet, ist ein Angriff auf den Meistertitel der Oberliga Hamburg durchaus realistisch.

    Amely Jaekel

    Amely Jaekel

    Am Sonntag müssen die Rautenträgerinnen zum 1. FC Neubrandenburg 04 reisen. Das ist echtes Lospech, denn eigentlich spielt Neubrandenburg eine Klasse höher in der Regionalliga Nordost. Dennoch ist es für den Hamburger Pokalsieger ein Auswärtsspiel, denn dass niederklassige Mannschaften Heimrecht haben, gilt nur bei Gegnern aus der 1. und 2. Bundesliga. Also gurken sie die 270 bis 315 Kilometer (je nachdem, ob sie die A1 und A20 oder die A24 und Bundesstraßen nehmen) am Sonntagmorgen Richtung Tollensesee in der Hoffnung, in die zweite Runde einziehen zu können. Dass das nicht ganz unrealistisch ist, verrät der Gegner, der sich zusammen mit den Mädchen aus der Juniorinnen-Bundesliga auf Rügen auf die neue Saison vorbereitete: Vizepräsident Hans-Joachim Biermann erwartet von der Papierform her ein Duell auf Augenhöhe, Trainer Marcus Henning war mit dem Los zufrieden. Hoffnung machen ihnen zwei Siege in der vergangenen U17-Bundesliga-Saison, 3:1 in Hamburg und 4:0 in der Vier-Tore-Stadt. Der FCN hat eine im Schnitt junge Mannschaft mit wenigen erfahrenen Spielerinnen. Die vielleicht interessanteste wird nicht dabei sein: Die 16-jährige B-Juniorin Lina Jubel ist mit der deutschen U17 unter Anouschka Bernhard unterweg und bestritt beim UEFA-Freundschaftsturnier in Litauen ihre ersten beiden Länderspiele. Vier Mal scheiterte der 1. FC Neubrandenburg im Pokal in Runde eins, zuletzt zwei Mal (in der Fremde) gegen unterklassige Mannschaften: Letzte Saison war trotz Auswärtsführung beim Viertligisten Union Meppen mit 1:3 Feierabend – ein Umstand, der dem HSV Selbstbewusstsein eintrichtern sollte -, davor mit 0:1 bei TuRa Meldorf, und immer mit Beteiligung Hamburger Schiedsrichterinnen oder Assistentinnen. 2013 bekamen sie vom Bundesligisten FF USV Jena zuhause eine 0:11-Packung, und im Tor stand Ex-Rothose Svenja Busies, die letzte Saison beim Harburger TB in der Bezirksliga als Feldspielerin aktiv war. Beim ersten Versuch 2012 gab es ebenfalls eine Heimpleite, mit 0:5 gegen den FFC Oldesloe, unter anderem mit der heutigen Henstedt-Ulzburgerin Malin Hegeler und den Ex-HSVerinnen Vanessa Hamed, Carina Wolfgramm und Maja Schubert. Statistisch gesehen hat der HSV jedenfalls gute Chancen. Fragt sich nur, ob sich die lange Anfahrt negativ auswirkt…?

    Spielinfo *** Anpfiff: 14 Uhr, Ort: neu.sw Stadion, Badeweg 6, Neubrandenburg, Rasenplatz;
    Schiedsrichtergespann: Mirka Derlin (TSV Dahme) mit Franziska Koch (Hertha BSC Berlin) und Sabrina Frischmuth (Blau-Weiß 90 Berlin)

    Über