• Schön! – Das ist nichts!

    Autor:  • 11.09.2016 • Bramfelder SV, DFB-Pokal, Spielbericht, SSC Hagen Ahrensburg

    Charlotte Kuziek bearbeitet Şebnem Dairecioğlu

    Charlotte Kuziek bearbeitet Şebnem Dairecioğlu

    DFB-Pokal, 1. Runde
    SSC Hagen Ahrensburg – Bramfelder SV 1:2 (1:2)

    Vor sechs Tagen kam der SSC Hagen im Landespokal glücklich nach Elfmeterschießen weiter, nun stand das DFB-Pokalspiel gegen den Bramfelder SV an, zwei Spielklassen höher. Genießen und guten Fußball spielen, das hatte Bernhard Genendsch als Devise ausgegeben. Personell nahm er zwei Änderungen vor im Vergleich zum Lotto-Pokalspiel: Birte Jarstorf musste auf die Bank, dafür rückte Merle Horstmann in die Innenverteidigung zurück, und ihren Part als Abfangjäger auf der Sechs sollte Juliane Hempel ausfüllen. Der BSV hatte einige Ausfälle zu verkraften, unter anderem das komplette zentrale Mittelfeld mit Catharina Schimpf (verletzt), Vanessa Zawada und Nurdan Üstün (Urlaub). Im Tor stand nicht Andrea Fernandes Neves, sondern die erfahrenere Friederike Wiener in einem kurzärmeligen Trikot mit der Nummer 10, die sonst Schimpf gehört. Şebnem Dairecioğlu spielte in der Innenverteidigung für Denise Stroda, das zentrale Mittelfeld besetzten Sylvana Kempka, Dalina Saalmüller und Maria Albrecht, und ganz vorn drin stand Živa Hanžič auf der Albrecht-Position.

    Das Bramfelder Tor hütete Friederike Wiener anstelle von Andrea Fernandes Neves

    Das Bramfelder Tor hütete Friederike Wiener anstelle von Andrea Fernandes Neves

    Bramfeld begann druckvoll, der SSC Hagen dagegen nervös und, vor allem Kira Niemann, unkonzentriert, wodurch viele Bälle noch weit in der eigenen Hälfte verloren gingen. Niemann sollte sich im Verlauf des Spiels steigern, war aber auch mit einem Handicap ins Spiel gegangen: Sie litt unter Ohrenschmerzen und musste deshalb auch nach 77 Minuten ausgewechselt werden. Doch in dieser Anfangsphase kam Bramfeld oft über ihre Seite, drückte Hagen tief hinten rein. Ein abgefälschter Volleyschuss von Kempka verfehlte den Kasten, und bei der anschließenden Ecke verfehlte Hanžič knapp das Tor (2.). Eine Minute später gab es die zweite Ecke von Saalmüller, am zweiten Pfosten kam Dairecioğlu zum Kopfball, und von der Stirn Charlotte Kuzieks fand der Ball den Weg ins Netz zum 0:1 (3.). So hatte sich Bernhard Genendsch das nicht vorgestellt, versuchte seine Mannschaft sofort aufzurichten.

    Şebnem Dairecioğlu kommt nach der Ecke zum Kopfball...

    Şebnem Dairecioğlu kommt nach der Ecke zum Kopfball…

    ... Charlotte Kuziek lenkt den Ball ab ...

    … Charlotte Kuziek lenkt den Ball ab …

    ... und Michelle Kämereit ist durch die eigene Mitspielerin geschlagen

    … und Michelle Kämereit ist durch die eigene Mitspielerin geschlagen

    Die brauchte das auch, denn die nächsten Angriffe kamen sofort. Judith Kahl schlug einen langen Ball aus der eigenen Hälfte in den Lauf von Albrecht, Kämereit war noch vor der hängenden Spitze da (7.). Dann schoss Hanžič nach einer Kombination über Carla Morich und Franka Dreyer direkt auf die Ahrensburger Keeperin. Wieder eine Bramfelder Ecke von Saalmüller, Ziselsberger war mit dem Fuß da, traf aber aus drei Metern ebenfalls nur Kämereit. Kurz darauf konnte sich der SSC Hagen mal befreien, konterte über die rechte Seite. Lisa Stein-Schomburg hatte die Übersicht, sah Jana Holla durchlaufen und gab das Leder diagonal hinter die Abwehr. Holla hatte nur Wiener vor sich, schob ihr den Ball durch die Beine – 1:1 in der 14. Minute! Das kam überraschend, war aber auch überragend herausgespielt. Der Treffer beflügelte den Gastgeber, der sicherer und effektiver wurde. Die Partie war in dieser Phase kurzzeitig ausgeglichen. Eine Momentaufnahme, aber eine bemerkenswerte.

    Jana Holla hat nach dem Diagonalpass von Lisa Stein-Schomburg nur nich Friederike Wiener vor sich ...

    Jana Holla hat nach dem Diagonalpass von Lisa Stein-Schomburg nur nich Friederike Wiener vor sich …

    ... schiebt ihr den Ball durch die Beine ...

    … schiebt ihr den Ball durch die Beine …

    ... und erzielt den Ausgleich

    … und erzielt den Ausgleich

    Bramfelds Trainer Manuel Alpers war nicht zufrieden

    Bramfelds Trainer Manuel Alpers war nicht zufrieden

    Bramfeld legte wieder zu. Kämereit fälschte eine Saalmüller-Ecke ab und verhinderte so, dass Morich am zweiten Pfosten verwertete, auch wenn sie die Kugel nicht zu fassen bekam und es nach Durchrutschen aussah. Das 1:2 konnte sie aber nicht abwenden. Albrecht lupfte hinter die Defensive, Hanžič war einen Tick vor Kämereit da und spitzelte ins Tor (22.). Wer glaubte, Bramfeld käme nun ins Rollen, sah sich abermals getäuscht. Saalmüller sorgte mit einem 30-Meter-Schuss für Gefahr, doch Kämereit, die sich ein ums andere Mal auszeichnen konnte, kratzte das Ding aus dem Giebel zur Ecke, bei der Albrecht und Hanžič verpassten. 25 Minuten waren vorbei. Die Laune von Manuel Alpers wurde nicht besser, und es half sicher auch nicht, dass Wiener nach 35 Minuten einen Fehlpass spielte, in den Kuziek hereinspritzte, dann zur Strafraumgrenze strebte und auf die Keeperin abschloss. Die Reaktionen der Übungsleiter waren eindeutig: Während Genendsch immer wieder ein lobendes „Schön!“ hereinrief, explodierte Alpers nach dieser Szene: „Das ist nichts!“ Naja, es war sicher nicht nichts, aber es war definitiv viel zu wenig, was seine Truppe auf den Kunstrasen brachte, der mutmaßlich sein letztes Frauen-Spiel erlebte; er soll im September ausgetauscht werden, und das nach gerade einmal acht Jahren und vernachlässigter Pflege durch die Stadt Ahrensburg, wie man am Rande hörte.

    Dalina Saalmüller zieht ab ...

    Dalina Saalmüller zieht ab …

    ... Michelle Kämereit streckt sich mit beiden Händen zum Ball ...

    … Michelle Kämereit streckt sich mit beiden Händen zum Ball …

    ... und klatscht ihn am Tor vorbei

    … und klatscht ihn am Tor vorbei

    In der 38. Minute ergab sich die nächste Ausgleichsmöglichkeit für den SSC. Stein-Schomburg erarbeitete sich den Ball gegen Dairecioğlu und setzte Hannah Trumpf ein. Mit etwas mehr Ruhe hätte die Stürmerin die herausgelaufenen Wiener überlupfen können, so scheiterte sie und verpasste das 2:2, das, gemessen am Einsatz, nicht mal unverdient gewesen wäre zu diesem Zeitpunkt. Auf der Gegenseite versuchte es Hanžič nach Ablage von Albrecht aus 19 Metern, konnte Kämereit mit dem unpräzisen Abschluss nicht überwinden. Stattdessen bekam der SSC Hagen noch eine weitere Gelegenheit, mit einem Remis in die Kabinen zu gehen. Fenja Bannach, deren Umknicken auf einem Granulatplacken im Lotto-Pokal ohne Konsequenzen geblieben war, schlug das Leder hoch ins Mittelfeld. Saalmüller sprang darunter durch und bot Stein-Schomburg freie Bahn. Im Strafraum zog sie ab, an Wiener vorbei, aber auch knapp am Kasten.

    Laufduell zwischen Maria Albrecht und Fenja Bannach ...

    Laufduell zwischen Maria Albrecht und Fenja Bannach …

    ... Albrecht kommt bedrängt zum Abschluss ...

    … Albrecht kommt bedrängt zum Abschluss …

    ... und Michelle Kämereit kann den Ball aufnehmen

    … und Michelle Kämereit kann den Ball aufnehmen

    Dies war einer der überraschend zahlreichen Nadelstiche der Gastgeberinnen in der ersten Halbzeit, mit denen sie den Favoriten hier ärgerten. Sie verkauften sich besser als erwartet. Von Maria Albrecht war offensiv nach dem zweiten Bramfelder Tor wenig zu sehen, sie wurde vor allem von Bannach sehr effektiv gestört, selbst bei Laufduellen zog sie häufiger den Kürzeren. Das war ein Schlüssel für die Stormarnerinnen, dass es nur 1:2 stand. Spielerisch war Bramfeld überlegen – eigentlich. Aber so richtig irgendwie auch nicht. Was sie spielten, ließ vieles an fußballerischer Qualität vermissen. Ihre Stärken kamen fast gar nicht zur Geltung.

    Manuel Alpers wurde zunehmend ungehalten

    Manuel Alpers wurde zunehmend ungehalten

    Auch die erste Torszene in Halbzeit zwei wurde bei den Stormarnerinnen verbucht. Holla spielte hinter die Abwehr auf Stein-Schomburg, die Dairecioğlu auskurvte und abzog. Wiener fing das Leder (52.). Drei Minuten später der nächste gefährliche Konter, als sich Stein-Schomburg abermals gegen Dairecioğlu behauptete und scharf vor das Tor gab. Wiener war jedoch einen Tick vor Holla zur Stelle. Und Bramfeld? Der Zweitligist leistete sich ausreichend Ungenauigkeiten, kam nicht durch die Hagener Defensive. Sie machten zwar Druck, blieben weitgehend harmlos. Bis zur 62. Minute. Die aufgerückte Bleser jagte einem Saalmüller-Steilpass hinterher und bediente Albrecht. Die wurde noch engagiert gestört und musste ablegen. Dreyer jagte den Ball über die Latte. Für die müde gelaufene Hannah Trumpf kam dann die schnelle Julie Sidow beim SSC. Maßgabe: Sich was trauen. Bramfeld wollte 20 Minuten vor Schluss doppelt wechseln. Doch zunächst kam nur Dolores Gorcic für Sylvana Kempka – Jasmin Wolf durfte wegen eines Steckers im Ohr nicht, den sie nicht rausdrehen wollte. Die Assistentin ließ sie so aber nicht rein, weswegen ihr letztlich Andrea Fernandes Neves minutenlang helfen musste. Der Kommentar einer Mitspielerin in Richtung Wolf war da nachvollziehbar: „Micki, spielst Du das erste Mal?“

    Lisa Stein.Schomburg zieht in Richtung Tor ...

    Lisa Stein.Schomburg zieht in Richtung Tor …

    ... wird von Şebnem Dairecioğlu eingeholt ...

    … wird von Şebnem Dairecioğlu eingeholt …

    ... kreuzt kinks an der Abwehrspielerin vorbei ...

    … kreuzt kinks an der Abwehrspielerin vorbei …

    ... kommt frei zum Schuss ...

    … kommt frei zum Schuss …

    ... aber dabei fehlt etwas die Kraft, und Friederike Wiener hält

    … aber dabei fehlt etwas die Kraft, und Friederike Wiener hält

    Diese Szene war in der Spielphase das Unterhaltsamste, das sich ereignete. Hagen war durchaus um Offensivaktionen bemüht. Nach einem Ballgewinn bediente Kuziek links Holla, die über die Latte zielte (72.). Dann war es mal der BSV, der konterte. Albrechts Pass in die Spitze erreichte Carla Morich, die sich behauptete und aus der Drehung rechts vorbei schoss. Eine Minute und die Hereinname von Wolf später steckte Saalmüller auf Hanžič, aber Kämereit hielt (75.). Zum Ende hin schien Bramfeld nochmal das bis dahin Versäumte nachholen zu wollen, zumal Ahrensburg die Entlastung fehlte. Und nun musste auch noch, wie eingangs erwähnt, Horstmann runter musste. Birte Jarstorf kam für sie. Aber: Der Pokalsieger aus Schleswig-Holstein brach nicht ein. Bannach blockte nach 79 Minuten gehen Albrecht, die dann mit links verzog. Kurz darauf schlenzte Gorcic am Tor vorbei.

    Maria Albrecht hat sich etwas Platz verschafft und schießt ...

    Maria Albrecht hat sich etwas Platz verschafft und schießt …

    ... vorbei an Michelle Kämereit ...

    … vorbei an Michelle Kämereit …

    ... aber auch vorbei am Tor

    … aber auch vorbei am Tor

    Auch in der Schlussphase versuchte sich Bramfeld am dritten Treffer. Über Albrecht und Morich gelangte die Kugel zu Hanžič, die per Kopfball auf das Tornetz traf (84.). Gorcic und Albrecht volley machten es nicht genauer. Die große Schlussoffensive des SSC allerdings gab es auch nicht, dafür reichte letztlich die Kraft nicht. Trotzdem: Es war eine starke Leistung des Viertligisten in diesen 90 Minuten, dem tat der fehlende Ausgleich keinen Abbruch. Einen Klassenunterschied konnte man erkennen, aber er war nicht so groß wie erwartet. Bramfeld blieb deutlich hinter den eigenen Möglichkeiten und Erwartungen zurück. Das fand auch wine Ahrensburgerin nach Spielende: „Ich hätte sie irgendwie stärker eingeschätzt.“ Der Zweitligist sich wohl auch.

    Živa Hanžič köpft mit dem Rücken zum Kasten ...

    Živa Hanžič köpft mit dem Rücken zum Kasten …

    ... aber die Kugel senkt sich ungefährlich aufs Tornetz

    … aber die Kugel senkt sich ungefährlich aufs Tornetz

    Aufstellungen
    SSC Hagen Ahrensburg: Michelle Kämereit – Kira Niemann (77. Birte Jarstorf), Karen Reiter, Merle Horstmann, Fenja Bannach – Juliane Hempel – Jana Holla, Dörthe Gollnest, Charlotte Kuziek, Lisa Stein-Schomburg – Hannah Trumpf (65. Julie Sidow)
    Bramfelder SV: Friederike Wiener – Jacqueline Bleser (86. Denise Stroda), Şebnem Dairecioğlu, Judith Kahl, Paula Ziselsberger – Sylvana Kempka (70. Dolores Gorcic), Dalina Saalmüller – Carla Morich, Maria Albrecht, Franka Dreyer (74. Jasmin Wolf) – Živa Hanžič
    Schiedsrichterin: Anna-Kristin Mielke (TuS Fleestedt) mit Frauke Wichmann (TSV Lamstedt) und Sarah Dubiel (TSV Hasenbüren)
    Tore: 0:1 Kuziek (3., Eigentor), 1:1 Holla (14.), 1:2 Hanžič (22.)
    Gelbe Karten: – / –
    Zuschauer: 107

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