• Nur keine Panik

    Autor:  • 10.10.2017 • Editorial, SV Henstedt-Ulzburg

    Fuxi, EditorialKlar, es sieht nicht gut aus. Seit dem 27. August wartet der SV Henstedt-Ulzburg auf ein Erfolgserlebnis. Damals, in der ersten Runde des DFB-Pokals, gab es ein mühsames 2:0 beim frisch abgestiegenen Bramfelder SV. Die Bilanz seitdem ist auf den ersten Blick ernüchternd: Drei klare Niederlagen in der Liga, zuletzt mit 2:9 in Gütersloh deklassiert und die höchste Niederlage überhaupt in einem Pflichtspiel kassiert. Dazu das Ausscheiden aus dem Pokal mit einem 2:6 gegen Cloppenburg, gegen die sie einfach nichts ausrichten können. Und in der Liga kommen jetzt Wolfsburg II. und Meppen. Aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder null Punkte. Ist HU so schlecht?

    Nein. Nach übereinstimmenden Meinungen konnte man von der Leistung HUs gegen Cloppenburg durchaus angetan sein. Aber es ist eben auch ein Teil der Wahrheit, dass zwischen den Möglichkeiten des BVC und denen des SVHU Welten liegen. Cloppenburg war letzte Saison Dritter. Doppeltorschützin Jana Radosavljevic ist neuseeländische Nationalspielerin. Linda Bresonik war je zwei Mal Welt- und Europameisterin. Agnieszka Winczo ist polnische Nationalspielerin. Daniela Löwenberg war zwei Mal U19-Europameisterin und Deutsche Meisterin. Charoula Dimitriou ist griechische Nationalspielerin. Athanasia Moraitou ebenso. Ellie Boon stammt aus den USA, ebenso Doppeltorschützin Jannelle Flaws.

    Beim SVHU muss man weit in die Vergangenheit zurückgehen, um überhaupt etwas Vergleichbares zu finden. Weit genug, um sich daran zu erinnern, dass Bianca Weech beim HSV mal Bundesliga-Stammkeeperin war. Oder dass Michelle Einfeldt mal für die U17-EM auf Abruf stand. Oder dass Jennifer Michel mal zwei U15-Länderspiele machte – im Jahr 2010. Der aktuellste Fall ist Busem Şeker, die im April in der türkischen Nationalmannschaft debütierte. Beim SVHU kommen die „exotischsten“ Spielerinnen aus Sachsen. Das wäre womöglich anders, wenn sie in Sachen Finanzen mit Cloppenburg mithalten könnten, aber der BVC hat als Trikotsponsor einen millionenschweren Fleischwarenkonzern, dessen dahinter stehende Familie selbst im deb „oberen Zehntausend“ vorbehaltenen Reitsport aktiv ist – Trikotsponsor der HU-Frauen ist ein lokales Möbelhaus mit 3.000 Quadratmeter Einkaufsfläche, das unter anderem damit wirbt, „nur 20 Minuten von Barmstedt“ entfernt zu sein und noch sieben andere Fußballteams plus eine Radsportabteilung sponsert.

    Damit müsste zu den Relationen der beiden Mannschaften eigentlich alles gesagt sein, und wem jetzt noch nicht klar ist, dass HU schon einen ausgesprochen guten Tag erwischen muss und der BVC einen katastrophalen, damit sie in Reichweite eines Unentschiedens kommen, dem ist nicht zu helfen. Das sind die Realitäten. Wenn man sich die vor Augen führt, ist es umso beachtenswerter, mit welcher Leidenschaft es HU überhaupt geschafft hat, die dritte und vermutlich letzte Zweitligasaison zu spielen. Mindestens genauso klar ist es allerdings auch, dass eine Qualifikation für die eingleisige zweite Liga, selbst wenn sie finanzierbar wäre, vollkommen illusorisch ist. Es geht in dieser Saison praktisch nur darum, so gut wie möglich abzuschneiden. Zwei Mal hatten sie bisher Platz neun am Saisonende erreicht. Es wäre schön, wenn das auch in dieser Spielzeit wieder klappen würde.

    Nur: Die bisherigen Gegner waren dafür zu stark. Ja, auch Borussia Mönchengladbach, für die das der einzige Sieg der Saison war, abgesehen vom Erstrunden-9:0 in Siegelbach. Und auch der VfL Wolfsburg II. wird trotz Fehlstart mit Heimpleiten gegen Cloppenburg und Potsdam wohl eher nicht zu bezwingen sein, auch wenn das bei der Premiere 2015 glücklich gelang. Aber damals war das auch eine andere Mannschaft – Stöckmann, Schoknecht, Schmitt, Engel, Hille. Ich mag mir nicht ausdenken, wo HU sportlich stehen könnte, wenn die in ihrem damaligen Leistungsspektrum gleichwertig zu ersetzen gewesen wären. Für Sonntag müssen wir davon ausgehen, dass Wolfsburg sogar Abstellungen aus der ersten Liga bekommt, schließlich geht es dem Meister und Pokalsieger um einen starken Unterbau – wo wäre der idealer gefordert als in der 2. Bundesliga? Zwei Wochen später geht es nach Meppen, zur nächsten Mannschaft, die unbedingt in die eingleisige zweite Liga will und dafür auch ein ernsthafter Kandidat ist. Zwei Unentschieden holte HU gegen die – allerdings nie als Schlusspunkt einer Pleitenserie von fünf Partien.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch nach dem fünften Spieltag null Punkte auf dem Konto stehen. Da sollte man sich nichts vormachen. Die Spiele, die dann kommen – die sind die wichtigen. FF USV Jena II. – ein Punkt aus drei Spielen. Herford – ein Punkt aus drei Spielen (und die endlich mal in der Liga zu besiegen, wäre ein Fest!). Blau-Weiß Hohen Neuendorf, zwar vier Punkte, aber gegen Delmenhorst und Herford – gegen die Berliner Vorstädterinnen gab es bisher keine einzige Niederlage, sondern in vier Spielen 10 Punkte und den höchsten Sieg des SVHU in der 2. Liga! Und dann geht es zu Jahn Delmenhorst, ebenfalls mit vier Punkten gestartet, gegen Herford und Jena. Das sind die Spiele, die der SVHU gewinnen muss, um die Punkte für Platz 9 oder besser zu holen. Die bisherige Bilanz ist kein Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Sie ist kein Grund für Panik. Sie bildet einfach nur ab, wo das Team in Relation zu den Spitzenteams steht, die um die Plätze eins bis sieben kämpfen und dafür wesentlich mehr Geld für entsprechendes Personal zur Verfügung haben.

    Liebe HU-Mädels: Schaut nach vorn. Glaubt an Euch. Spielt Eure Stärken aus und arbeitet an Euren Schwächen. Haut Euch immer zu 100 Prozent rein, auch wenn Ihr unterlegen seid. Dann könnt Ihr im Mai hoch erhobenen Hauptes auf die Saison zurückblicken – egal, auf welchem Platz Ihr dann steht.

    Herzlichst,
    Euer Fuxi

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