• Marquardts Nerven

    Autor:  • 11.06.2017 • Regionalliga Nord, Spielbericht, Walddörfer SV

    Gemeinsamer Jubel des WSV nach Spielende

    Gemeinsamer Jubel des WSV nach Spielende

    Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord, 2. Spieltag
    Walddörfer SV – SC Weyhe 3:1 (0:1)

    Der SC Weyhe musste im zweiten Spiel unbedingt gewinnen, um den Aufstieg in die Regionalliga Nord noch zu schaffen. Nach der 2:3-Heimniederlage gegen den SV Henstedt-Ulzburg II. waren die Diepholzerinnen unter Druck. Gastgeber Walddörfer SV war vor dem Spiel ausgesprochen zuversichtlich, wenngleich Abteilungsleiter Heinrich Färber wissen ließ, dass ein verpasster Aufstieg ja keinen Rückschlag bedeuten würde, weil die Mannschaft auch in der Oberliga auf ausreichendem Niveau gefordert werden würde. Sie hatten den Bremer Meister beim ersten Spiel aufmerksam beobachtet. Die Erkenntnisse sollten in dieses Spiel einfließen.

    Aufgelockerte Stimmung vor dem Spiel bei Johanne Wandersleb, Marie Fröhlich, Ronja Claasen, Lea Böhm, Sophie Hartmann und Ersatzkeeperin Swantje Suckow

    Aufgelockerte Stimmung vor dem Spiel bei Johanne Wandersleb, Marie Fröhlich, Ronja Claasen, Lea Böhm, Sophie Hartmann und Ersatzkeeperin Swantje Suckow

    Bei Weyhe gab es zwei Änderungen. Nina Schlagowsky fehlte gänzlich im Kader, dafür rutschte Torschützin Sarah-May Evers auf ihre Position, und Anika Wilms rückte links auf dem Flügel ins Team. Ähnlich sah es in der Abwehr aus, Celina Ludes flog aus der Startelf auf die Bank, dafür ging Joana Schierenbeck von der rechten Außen- in die Innenverteidigung, und auf dem Flügel kam Sophia Achilles herein. Walddörfer hatte in der Vorwoche noch bei Oberliga-Aufsteiger und Landesligameister ETV getestet und 6:1 gewonnen. Dennoch saß Vierfachtorschützin Greta Schierhorn draußen, Kala Quante schaffte es trotz zwei Toren gar nicht in den Kader. Niels Quante und Niklas Wilkowski vertrauten gegen Weyhe exakt der Startelf, die im letzten Verbandsligaspiel zwei Wochen zuvor beim HEBC mit 6:0 den Titel einfuhr. Dennoch begann ihre Mannschaft gegen die Niedersachsen abwartend, Weyhe startete engagierter. Den ersten Schuss setzte Selina Peters allerdings aus 27 Metern volley weit am Tor vorbei. Wie in der Vorwoche zeigte sich, dass Weyhe zwar durchaus in der Lage war, sich eine Feldüberlegenheit zu erspielen, im Herausarbeiten von Torchancen allerdings waren sie jedoch nicht effektiv. So hatte Walddörfer die nächste Szene nach bereits 12 Minuten, als Marie Fröhlich den Ball auf Stürmerin Katharina Autenrieth hob und die dann beim Schussversuch den Ball nicht richtig traf, so dass Laureen Ulbrich den daraus resultierenden Kullerball locker aufnehmen konnte.

    Katharina Autenrieth trifft den Ball nicht richtig...

    Katharina Autenrieth trifft den Ball nicht richtig…

    ... und Laureen Ulbrich kann ihn locker aufnehmen

    … und Laureen Ulbrich kann ihn locker aufnehmen

    So langsam fand der WSV sich zurecht und traute sich, seine eigene Spielweise aufblitzen zu lassen. Nach Querpass von Autenrieth brachte Fröhlich in der 14. Minute nur einen harmlosen Distanzschuss zustande. Waren es doch die Nerven, die die Knie erweichten? Wenn ja, dann legten sie die Nervosität langsam ab. Antonia Egge setzte sich auf dem rechten Flügel durch bis in den Strafraum und legte dann zurück. Über Paulina Kristen kam das Leder zu Fröhlich, die das Leder unter Kontrolle bekam und dann abzog. Es flog über die Latte (17.). Sechzig Sekunden später brachte Dana Marquardt einen Eckball auf den zweiten Pfosten, wo Egge hochstieg, dann aber am langen Eck vorbei schädelte. Walddörfer war jetzt eindeutig aktiver und spielbestimmend. Weyhe dagegen agierte fahrig und leistete sich eine Vielzahl von Abspielfehlern und Ballverlusten. Ein weiterer Distanzschuss von Peters stellte Janina Pfullmann nach 20 Minuten nicht vor Probleme. Dafür aber die Standards des Gastgebers. Bei einem Marquardt-Freistoß sprang das Spielgerät unbehelligt quer durch den Strafraum bis an den zweiten Pfosten, wo Johanne Wandersleb lauerte. Die Innenverteidigerin brachte es allerdings nicht im Tor unter, spitzelte rechts vorbei (23.). Auf der Gegenseite wurde Weyhe dann erstmals wirklich gefährlich. Nina Woller hob das Runde diagonal hinter die Abwehr auf Catharina Stelljes. Ihre Sturmpartnerin musste allerdings mit rechts abschließen, und zusammen mit dem spitzen Winkel war das ausreichend schwierig, um Pfullmann nicht überwinden zu können.

    Freistoß von Dana Marquardt in den Strafraum ...

    Freistoß von Dana Marquardt in den Strafraum …

    ... am zweiten Pfosten hat Johanne Wandersleb die Chance zur Führung ...

    … am zweiten Pfosten hat Johanne Wandersleb die Chance zur Führung …

    ... kriegt den Ball aber nicht mehr herumgebogen ...

    … kriegt den Ball aber nicht mehr herumgebogen …

    ... und ärgert sich im Anschluss über die vergebene Möglichkeit

    … und ärgert sich im Anschluss über die vergebene Möglichkeit

    Das schien nun wieder ein Weckruf der Gäste zu sein, die in der Folge zulegten und druckvoller wurden. Zunächst mussten sie allerdings wechseln. Nach 25 Minuten hatte Sophia Achilles Probleme mit der Luft und musste durch Laura Nobis ersetzt werden. Es tat dem Weyher Kommen keinen Abbruch. Peters flankte in der 30. Minute von der linken Seite vors Tor. Stelljes kam zu spät, aber der Ball flog auch an Pfullmann vorbei. Aus spitzem Winkel drückte die heranrauschende Wilms ab, ballerte quer zum Tor und verpasste so eine gefährlichere Möglichkeit. Die Annäherungen des WSV waren da vielversprechender. Autenrieth, inzwischen für Marquardt auf den linken Flügel gewechselt, schlug einen weiten Diagonalball, den Ulbrich außerhalb des Strafraums annahm, allerdings ohne ihn dort hineinzuholen und aufzunehmen. Marquardt störte die Keeperin, blockte den Klärungsversuch und hob die Kugel über die Schlussfrau hinweg – aber auch über das Tor. Egges Arme gingen zu früh zum Jubel in die Höhe (34.).

    Dana Marquardt setzt den Schlenzer ...

    Dana Marquardt setzt den Schlenzer …

    ... auf das leere Tor des SC Weyhe ...

    … auf das leere Tor des SC Weyhe …

    ... aber der Ball fliegt über die Latte

    … aber der Ball fliegt über die Latte

    Egge selbst hätte dann das 1:0 machen müssen. Autenrieth eroberte den Ball, setzte die Linie entlang Marquardt ein, die mit einem kurzen Abstoppen Schierenbeck ins Leere laufen ließ und vor den Fünfer flankte. Im Rücken von Pia Grimpo hatte Egge nur noch Ulbrich vor sich, verpatzte aber ihren Heber vollständig (38.). Ihnen war bis dahin kein Glück beschieden. Auch nicht, als Marquardts Ecke in der 40. Minute direkt aufs Tor flog und von der Latte abrutschte. So langsam musste mal ein Tor fallen. Kurz vor der Pause, das wäre psychologisch wichtig gewesen. Das Tor fiel auch. Nur nicht für Walddörfer. Mit einer Einzelaktion dribbelte Woller rechts im Strafraum erst Hanna Heck aus, dann gegen Fischbach, dann wieder mit Übersteiger gegen beide, die nicht richtig eingriffen. Folge: Woller flankte von der Torauslinie, leicht abgefälscht von Fischbach, Ronja Claasen kam gegen Sarah-May Evers zu spät, und die Mittelfeldspielerin traf aus vier Metern volley zum 0:1. Pfullmann hatte nicht den Hauch einer Abwehrchance. Das alles in der 45. Minute. Walddörfer nahm den Rückstand in die Pause. Es war bitter, denn in einer insgesamt ausgeglichenen, hin und her wogenden Partie hatte der WSV die klareren Möglichkeiten gehabt. Obwohl Weyhe früh zu stören versuchte, taten sie das zu inkonsequent, so dass sich Räume ergaben. Walddörfer hätte führen können, und dann bekamen sie einmal Woller nicht in den Griff, standen einmal unsortiert.

    Nina Woller gegen Leonie Fischbach ...

    Nina Woller gegen Leonie Fischbach …

    ... die Flanke kommt in den Fünfmeterraum ...

    … die Flanke kommt in den Fünfmeterraum …

    ... Sarah-May Evers lässt Ronja Claasen und Janina Pfullmann keine Chance ...

    … Sarah-May Evers lässt Ronja Claasen und Janina Pfullmann keine Chance …

    ... und trifft kurz vor dem Pausenpfiff zur Gästeführung

    … und trifft kurz vor dem Pausenpfiff zur Gästeführung

    Die 15 Minuten ohne Fußball brachten die Volksdorferinnen im Kopf nicht voran. Sie wirkten auch nach Wiederanpfiff beeindruckt vom Wirkungstreffer, waren fahrig in den Aktionen. Marquardts Schuss vom linken Strafraumeck dreißig Sekunden nach Wiederbeginn brachte keine Gefahr. Der Versuch von Wilms auf der Gegenseite aber auch nicht. Die Mittelfeldspielerin schloss einen Konter über Woller, die sie diagonal anspielte, mit einem Schuss von der Strafraumgrenze ab, den Pfullmann nur fangen brauchte. Für die Keeperin war es ein undankbares Spiel: Sie wurde nicht ernsthaft geprüft, was aufs Tor kam, hätte jede andere Spielerin auch halten können, und trotzdem musste sie einmal hinter sich greifen. Es war Zeit für Impulse von der Bank. Das Trainerduo Quante/Wilkowski entschied sich für Lieblingsjoker Greta Schierhorn, die für Kristen ins Spiel kam. Vivien Güse ging nun auf die Doppelsechs, Marquardt hinter Autenrieth auf die Spielmacherposition und Schierhorn auf den linken Flügel. Es sollte die spielentscheidende Maßnahme werden. In den Konter in der 57. Minute war Schierhorn nicht eingebunden, wohl aber wirkten sich die Umstellungen aus. Marquardt marschierte nach Pass von Egge über den rechten Flügel und spielte kurz auf Autenrieth, der im Strafraum die Ballmitnahme etwas misslang. Dort blieb sie hängen und spielte zurück auf die nachgerückte Egge. Deren Direktschuss von der Strafraumkante prallte von Nina Luhmanns Hüfte nach oben ab. Ulbrich wollte sich die Kugel sichern, gab Grimpo das Signal zum Wegbleiben, schätzte dann den Drall beim Aufspringen aber vollkommen falsch ein und wurde überlupft. Autenrieth hatte genau darauf gelauert, ließ Ulbrich, die noch versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war, mit Körpereinsatz an sich abprallen und bugsierte den Ball mit dem Oberschenkel zum Ausgleich über die Linie. Was für ein Gurkentor!

    Dana Marquardt spielt den Ball in den Strafraum ...

    Dana Marquardt spielt den Ball in den Strafraum …

    ... Katharina Autenrieth legt gegen zwei unfreiwillig ab ...

    … Katharina Autenrieth legt gegen zwei unfreiwillig ab …

    ... Nina Luhmann lenkt den Schuss von Antonia Egge mit Drall nach oben ab ...

    … Nina Luhmann lenkt den Schuss von Antonia Egge mit Drall nach oben ab …

    ... so dass Laureen Ulbrich gegen Katharina Autenrieth das Nachsehen hat ...

    … so dass Laureen Ulbrich gegen Katharina Autenrieth das Nachsehen hat …

    ... Autenrieth nur den Körper reinstellen ...

    … Autenrieth nur den Körper reinstellen …

    ... und zum Ausgleich abstauben muss

    … und zum Ausgleich abstauben muss

    Laureen Ulbrich ist am Boden zerstört, während der WSV die Torschützin bejubelt

    Laureen Ulbrich ist am Boden zerstört, während der WSV die Torschützin bejubelt

    Das war das Tor, das Walddörfer brauchte. Dieser Treffer brachte Sicherheit und Schwung. Auf jeden Fall brachte es aber auch mehr Spannung für die fast sensationellen 550 Zuschauer, zu denen auch bekannte Gesichter gehörten, wie etwa der Kai Czarnowski und Ann-Sophie Greifenberg vom FC St. Pauli, Lorbeers Javier Navarro und Annabelle Aust, Tobias Homp vom SV Henstedt-Ulzburg, Christian Kroll vom HSV, Dennis Wolf, Franziska Kalloch, Kerstin Schuppenhauer und Sabrina Müller vom SC Victoria, Gerhard und Tristan Gollnest (ehemals SSC Hagen Ahrensburg), Duwos Christina Kastorf, Matthias Bolle und Katrin Prischmann vom ESV Einigkeit, die beiden künftigen Volksdorferinnen Lisa Stein-Schomburg (SSC Hagen Ahrensburg) und Dolores Gorcic (Bramfelder SV) sowie natürlich die neue AFM-Vorsitzende des HFV, Andrea Nuszkowski, um nur einige zu nennen. Zwar kam Weyhe nach 65 Minuten zur nächsten Torszene, als sich Stelljes mal gegen Claasen und Güse behaupten konnte und ihr Schuss für Pfullmann wieder keine ernsthafte Forderung darstellte. Die Antwort der Hamburgerinnen folgte nach dem zweiten Weyher Wechsel und einem Eckball der Gäste. Heck klärte mit einem weiten Ball von der eigenen Strafraumgrenze. Marquardt startete sofort durch, nahm den Ball mit und stürmte zum Strafraum. Weyhe war weit aufgerückt und ohne Absicherung, Kapitänin Marie Kuper war nicht schnell genug, um die WSV-Stürmerin noch einzuholen, und Ulbrich half dann auch nicht, sich breit zu machen – Marquardt überlupfte sie einfach und traf so zum 2:1 in Minute 69. Wun-der-schön gemacht.

    Dana Marquardt ist nach dem Zuspiel von Hanna Heck auf dem Weg zum Tor ...

    Dana Marquardt ist nach dem Zuspiel von Hanna Heck auf dem Weg zum Tor …

    ... kommt vor Marie Kupers Eingreifen zum Abschluss ...

    … kommt vor Marie Kupers Eingreifen zum Abschluss …

    ... hebt den Ball über Laureen Ulbrich ...

    … hebt den Ball über Laureen Ulbrich …

    ... und hat nach ihrem Tor zum 2:1 ...

    … und hat nach ihrem Tor zum 2:1 …

    ... noch Kraft für einen Freudensprung

    … noch Kraft für einen Freudensprung

    Noch gab sich Weyhe nicht geschlagen. Auf der Gegenseite blockte Wandersleb mit letztem Einsatz einen Schuss von Peters, die als Mittelfeldspielerin mehr Torabschlüsse verzeichnete als die sich weitgehend versteckende Nina Woller. Aber die Gäste gaben mit ablaufender Spielzeit auf. In gleichem Maße zog Walddörfer jetzt sein Spiel auf. Einen abgefälschten langen Schlag von Fröhlich erlief Marquardt links in der 77. Minute, zog nach innen und öffnete damit in der gegnerischen Hintermannschaft einen Krater, durch den sie Egge bediente. Leider hatte die rechte Flügelspielerin wohl nicht nur einen schwarzen Tag, was ihre Abschlüsse betraf, sondern in dieser Szene wohl auch zu lange Zeit zum Nachdenken. Denn sie schob die Kugel freistehend an Ulbrich vorbei und auch am kurzen Eck. Deutlich vorbei. Was für eine Chance das war, verrieten die Reaktionen: Egge schien Kopf voran im Boden versinken zu wollen, Schierhorn griff sich fassungslos an den Kopf, und Marquardt ging vor Entsetzen gleich ganz auf alle Viere. Das hätte das 3:1 sein müssen. Müssen. Ein wichtiges Tor, denn in der Tabelle waren sie mit dem 2:1 noch hinter dem SV Henstedt-Ulzburg II. und brauchten, Stand jetzt, im letzten Spiel unbedingt einen Sieg.

    Wieder Dana Marquardt gegen Marie Kuper ...

    Wieder Dana Marquardt gegen Marie Kuper …

    ... erarbeitet sich den Raum, um diagonal zu spielen ...

    … erarbeitet sich den Raum, um diagonal zu spielen …

    ... Antonia Egge ist völlig blank ...

    … Antonia Egge ist völlig blank …

    ... schiebt die Kugel mit der Innenseite ...

    … schiebt die Kugel mit der Innenseite …

    ... deutlich am Tor vorbei ...

    … deutlich am Tor vorbei …

    ... und sorgt bei den Kolleginnen für blankes Entsetzen

    … und sorgt bei den Kolleginnen für blankes Entsetzen

    Wo blieb Weyhe? Wenn es einen Augenblick gab, in dem die Gäste den Schock nutzen konnten, um das Spiel doch noch zu drehen, dann in diesem Moment. Nur: Da kam nichts. Die Viererkette blieb eine Viererkette, das Risiko blieb überschaubar. Sie warfen nicht alles nach vorn, obwohl es nichts mehr zu verlieren gab. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte Woller die letzte Chance genutzt, die sie hatten. Grimpo schlug einen weiten Diagonalball in den Rücken der WSV-Abwehr auf Woller. Die ließ Heck hektisch vorbei springen und zog dann halbrechts aus elf Metern ab, rechts vorbei (84.). Diese Szene hatte nichts mit Druck zu tun, den die Diepholzerinnen aufgebaut hätten, sondern einzig mit einer Unachtsamkeit der Volksdorfer Defensive, die alles mit Füßen Geschaffene hier hätte wieder einreißen können. Stattdessen kam die Offensive in der Schlussphase ins Rollen. Jetzt spielte sie ihr Spiel. Die Einleitung war ein Diagonalball von Fischbach auf den rechten Flügel zu Egge. Sie wartete kurz auf das Nachrücken von Marquardt, die sie dann anspielte, und die Torschützin zur Führung legte kurz in die Gasse. Wieder war Egge frei, wie neun Minuten zuvor. Sie wählte wieder die kurze Ecke – dieses Mal mit weniger Zeit zum Nachdenken, mit der Fußspitze und wesentlich genauer. Ulbrich war machtlos, der Ball rollte ins Netz – 3:1 in der 86. Minute. Da war das wichtige Tor.

    Wieder ist Antonia Egge vor Laureen Ulbrich frei ...

    Wieder ist Antonia Egge vor Laureen Ulbrich frei …

    ... wieder schiebt sie den Ball an der Torfrau vorbei ...

    … wieder schiebt sie den Ball an der Torfrau vorbei …

    ... aber dieses Mal trifft sie zum 3:1 ...

    … aber dieses Mal trifft sie zum 3:1 …

    ... und wird von den erleichterten Mitspielerinnen umarmt

    … und wird von den erleichterten Mitspielerinnen umarmt

    Sofort kam die Order von der Bank, hinten zuzumachen. Das taten sie auch. Und trotzdem bekamen sie eine Konterchance, nur zwei Minuten später. Wieder ein Kurzpass von Marquardt, wieder auf Egge, wieder halbrechts vor Ulbrich im Strafraum, aber dann zögerte sie zu lange und vergab das vierte WSV-Tor, das die endgültige Entscheidung für die Ausgangsposition sechs Tage später gewesen wäre. Und es gab noch eine Möglichkeit in der Nachspielzeit. Fröhlich erarbeitete sich den Ball von Woller und spitzelte in den Lauf von Sophia Hartmann, die für Autenrieth in der 78. Minute eingewechselt worden war. Im Laufduell der 17er behielt sie gegen Schierenbeck die Oberhand, aber Ulbrich konnte zur Ecke abwehren. Danach war Schluss. In der Summe ging der Sieg des Walddörfer SV in Ordnung. Vom SC Weyhe kam insgesamt über die 90 Minuten, aber auch über die 180 Minuten beider Spiele, zu wenig, um sich berechtigte Aufstiegshoffnungen zu machen. Sie spielten zwar weitgehend auf dem gleichen Niveau, aber im und um den Strafraum herum waren sie nicht zwingend genug und leisteten sich auch dieses Mal den letztlich fatalen Optimismus, zeitweise mit allen zehn Feldspielerinnen in die gegnerische Hälfte aufzurücken und dann, wie beim 2:1, ohne Absicherung verwundbar zu sein. Als sie dann tatsächlich nochmal hätten zulegen müssen, kam nichts mehr. Walddörfer war phasenweise, der fehlenden Erfahrung geschuldet, nervös, kopfscheu und im Abschluss nachlässig. Am besten schien Marquardt ihre Nerven im Griff gehabt und sich auf das Abrufen dessen, was sie seit September stark machte, konzentrieren gekonnt zu haben. Mit ihrem Antritt über rechts leitete sie den Ausgleich ein, mit ihrem Antritt dem langen Ball hinterher besorgte sie selbst das 2:1 und bereitete neben dem 3:1 auch einige weitere Torchancen vor. Insofern ragte sie, neben Egge, die vier von fünf teils hochkarätigen Torchancen ausließ, aus einer geschlossenen Mannschaft heraus, so wie auch Güse, die im zentralen Mittelfeld, als sie etwas defensiver agierte, kräftig aufräumte und so den Vorderleuten Freiheiten gab. Am Ende aber trugen alle dazu bei, sich für das letzte Spiel in Henstedt-Ulzburg eine perfekte Ausgangssituation zu schaffen, in der ihnen schon ein Remis zum Aufstieg reichen würde.

    Kurz vor Abpfiff ist die Freude bei Trainer Niels Quante bereits groß, während Heinrich Färber noch bangt

    Kurz vor Abpfiff ist die Freude bei Trainer Niels Quante bereits groß, während Heinrich Färber noch bangt

    Blieb noch das Elfmeterschießen. Zwar gab es nach diesem Spiel kein Ergebnis, durch das ein Gleichstand zwischen Walddörfer und HU in der Aufstiegsrunde erreicht werden konnte, doch der Shootout ist in den Regeln vorgesehen. So musste der Platz, der bereits mit Zuschauern gefüllt war, nach Rücksprache des Schiedsrichter-Gespanns mit Andrea Nuszkowski zumindest halbseitig nochmal geräumt werden, um die Formalie zu erledigen. Es ging immerhin noch um die Ehre. Weyhe begann. Pfullmann ahnte zwar die Ecke, war gegen den Schuss von Peters aber machtlos. Walddörfers erste Schützin, Marquardt, setzte den Ball an die Latte, und es blieb beim 0:1. Evers, die letzte Woche noch verwandelt hatte, schoss dieses Mal hoch rechts vorbei. Schierhorn machte es besser, bratzte satt links in die Maschen zum 1:1. So stand es auch vor einer Woche nach vier Schützinnen. Schützin Nummer fünf war die eingewechselte Amelie Bertram, die nach 72 Minuten die ebenfalls eingewechselte Laura Nobis abgelöst hatte. Doch auch ihr versagten die Nerven, sie schoss links drüber. Wieder keine Chance für Pfullmann, sich auszuzeichnen. Dann also selbst vom Punkt? Ja. Mit links humorlos mit dem Vollspann flach in die Ecke, Ulbrich reagierte nicht mal. 2:1.

    Selina Peters eröffnet das Elfmeterschießen ...

    Selina Peters eröffnet das Elfmeterschießen …

    ... und lässt Janina Pfullmann keine Abwehrchance

    … und lässt Janina Pfullmann keine Abwehrchance

    Als dritte Schützin des WSV tritt Janina Pfullmann selbst an ...

    Als dritte Schützin des WSV tritt Janina Pfullmann selbst an …

    ... und verwandelt humorlos zum 2:1

    … und verwandelt humorlos zum 2:1

    Wieder im Tor, stand ihr Luhmann gegenüber. Pfullmann ahnte wieder die Ecke, und wieder war der Ball zu gut geschossen. Es war wie verhext. Fröhlich konnte nun Druck ausüben. Sie musste nur verwandeln. Links oben, links vorbei. Es blieb beim 2:2. Ging es in die Verlängerung? Walddörfers Ronja Claasen hoffte das nicht, sie hatte ihre Schuhe schon ausgezogen. Jetzt schoss Ulbrich selbst, das zweite Keeper-Duell. Wie bei einem Abschlag geriet sie allerdings in Rücklage, bolzte die Kugel nicht nur über das Tor, sondern auch über den Fangzaun und somit hinter den Wall jenseits der Laufbahn. Zum Glück lag das Stadion Allhorn nicht in der Einflugschneise des Fuhlsbütteler Flughafens, es ging alles gut. So hatte nun Hanna Heck, die die Wende mit dem langen Ball zum 2:1 eingeleitet hatte, die Chance, auch das Elfmeterschießen für den WSV zu entscheiden. Sie wählte flach die linke Ecke, ließ Ulbrich nur das Nachsehen und verwandelte zum 3:2-Endstand.

    Die letzte Schützin für Weyhe ist Laureen Ulbrich ...

    Die letzte Schützin für Weyhe ist Laureen Ulbrich …

    ... und jagt den Ball in die Wolken

    … und jagt den Ball in die Wolken

    Hanna Heck kann es mit dem letzten von zehn Schüssen entscheiden ...

    Hanna Heck kann es mit dem letzten von zehn Schüssen entscheiden …

    ... und trifft sicher zum 3:2

    … und trifft sicher zum 3:2

    Dank an die Fans

    Dank an die Fans

    Aufstellungen
    Walddörfer SV: Janina Pfullmann – Hanna Heck, Leonie Fischbach, Johanne Wandersleb, Ronja Claasen – Marie Fröhlich, Paulina Kristen (55. Greta Schierhorn) – Dana Marquardt, Vivien Güse, Antonia Egge (89. Lea Böhm) – Katharina Autenrieth (78. Sophia Hartmann)
    SC Weyhe:
    Laureen Ulbrich – Pia Grimpo, Marie Kuper, Joana Schierenbeck, Sophia Achilles (26. Laura Nobis / 72. Amelie Bertram) – Anika Wilms (67. Yanina Abeling), Sarah-May Evers, Selina Peters, Nina Luhmann – Nina Woller, Catharina Stelljes
    Schiedsrichterin: Nicole Zabinski (TSV Nordhastedt) mit Hanna Koch (SV Neuenbrook/Rethwisch) und Andrea Kuhlmann (TSV Wewelsfleth)
    Tore: 0:1 Evers (45.), 1:1 Autenrieth (57.), 2:1 Marquardt (69.), 3:1 Egge (86.)
    Gelbe Karten: – / Stelljes (90.)
    Zuschauer: 550
    Elfmeterschießen: 0:1 Peters, 0:1 Marquardt schießt an die Latte, 0:1 Evers schießt über das Tor, 1:1 Schierhorn, 1:1 Bertram schießt über das Tor, 2:1 Pfullmann, 2:2 Luhmann, 2:2 Fröhlich schießt vorbei, 2:2 Ulbrich schießt über das Tor, 3:2 Heck

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