• Endlich!

    Autor:  • 11.09.2016 • DFB-Pokal, Spielbericht, SV Henstedt-Ulzburg

    Der SV Henstedt-Ulzburg feiert

    Der SV Henstedt-Ulzburg feiert

    DFB-Pokal, 1. Runde
    SV Henstedt-Ulzburg – Herforder SV Borussia Friedenstal 3:1 (1:1)

    Endlich. Endlich! Es war das Wort des Tages auf der Sportanlage an der Alsterquelle, die neuerdings in Erinnerung an die Farben des ehemaligen Besitzers SV Henstedt-Rhen als „Sportanlage GRÜN“ ausgeschildert ist. Die Regel „Aller guten Dinge sind drei“ wurde beim 0:6 im Vorjahr gegen Bundesligist USV Jena ausgehebelt. Dann eben der vierte Versuch. Zu Gast war allerdings ein Angstgegner. Der Herforder SV hatte in einem Spiel des reinen Irrsinns im Dezember einen 6:5-Last-Minute-Sieg errungen und den SVHU im Rückspiel mit einem 5:0 aus Ostwestfalen verjagt. Da war zusätzlich zum Verjagen des Pokalgeistes noch eine Rechnung offen.

    Chiara Pawelec bedrängt Giustina Ronzetti

    Chiara Pawelec bedrängt Giustina Ronzetti

    Eine Hoffnungsträgerin konnte allerdings nicht helfen: Alina Witt hatte noch keine Spielberechtigung. Sie konnte nur die Daumen drücken. In der fünften Minute half das schon: Vera Homp fand die Lücke in der Viererkette und spielte schulbuchmäßig durch diese Schnittstelle auf die startende Michelle Hille. Deren Flachschuss war nicht übermäßig platziert, rutschte aber unter dem Fuß von Kira Klemmer, der aus Bielefeld gekommenen Herforder Torhüterin, hindurch ins Tor zur 1:0-Führung. Ein perfekter Start, wie einst im Dezember.

    Michelle Hille kommt nach dem Pass von Vera Homp frei zum Schuss ...

    Michelle Hille kommt nach dem Pass von Vera Homp frei zum Schuss …

    ... Kira Klemmer kann den Ball nicht entscheidend ablenken ...

    … Kira Klemmer kann den Ball nicht entscheidend ablenken …

    ... und der SV Henstedt-Ulzburg geht in Führung

    … und der SV Henstedt-Ulzburg geht in Führung

    Und wie im Dezember schlug Herford auch sofort zurück. Neuzugang Oliwia Wos zirkelte die Kugel aus der eigenen Hälfte in den Lauf von Jessy Atila, die keine Probleme hatte, diesen ewig in der Luft schwebenden Ball an- und mitzunehmen und flach zum 1:1 einschoss (8.). Na, das konnte ja was werden. Nochmal neun weitere Tore?

    Jessy Atila ist frei vor Bianca Weech ...

    Jessy Atila ist frei vor Bianca Weech …

    ... schiebt die Kugel überlegt vorbei ...

    … schiebt die Kugel überlegt vorbei …

    ... ins kurze Eck zum Ausgleich

    … ins kurze Eck zum Ausgleich

    Es sah fast so aus. Die Antwort Henstedt-Ulzburgs bestand in einem erneuten Pass von Homp auf Hille, die dieses Mal von Lea Althof gestellt und dann seitlich im Strafraum gelegt wurde. Schiedsrichterin Josefin Reinsch entschied sofort auf Elfmeter. Homp trat an, schoss flach auf die rechte Ecke, aber Klemmer ahnte es und wehrte den schwach geschossenen Ball ab – wieder vor die Füße von Homp, die nur einschieben musste. Doch sie traf aus Nahdistanz nur den Außenpfosten (12.)! Statt 2:1 hätte es Sekunden später fast 1:2 gestanden, nachdem Nina Neumann durch die HU-Reihen kurvte und links daneben schoss. Das Spiel ging in dieser Phase hin und her. Melena Lux spielte in der 14. Minute rechts auf Hille, die wiederum Homp schickte, aber Klemmer hielt ihren Schieber. Vier Minuten später fast eine identische Szene zur letzten Herforder Chance: Lux verlor den Ball gegen Wos, über Amelie Fölsing kam er in die Tiefe auf Ronzetti, die jedoch aus halbrechter Position das Tor links verfehlte. Und nochmal versuchte es Henstedt-Ulzburg durch Homp, die eine Kopfballvorlage von Lux volley rechts vorbei drosch (21.).

    Michelle Hille schlägt gegen Lea Althof einen Haken ...

    Michelle Hille schlägt gegen Lea Althof einen Haken …

    ... und die Abwehrspielerin lässt das Bein stehen - Elfmeter.

    … und die Abwehrspielerin lässt das Bein stehen – Elfmeter.

    Vera Homp tritt an ...

    Vera Homp tritt an …

    ... Kira Klemmer ahnt die Ecke und wehrt ab ...

    … Kira Klemmer ahnt die Ecke und wehrt ab …

    ... allerdings wieder vor das Tor ... ... Homp muss nur einschieben ...

    ... aber schiebt das Leder am Gehäuse vorbei ...

    … aber schiebt das Leder am Gehäuse vorbei …

    ... und demonstriert mit Oliwia Wos, wie unterschiedlich Fassungslosigkeit aussehen kann

    … und demonstriert mit Oliwia Wos, wie unterschiedlich Fassungslosigkeit aussehen kann

    Bis dahin war die Partie hektisch, temporeich und wenig strukturiert. Beide schienen ihren Gegner sofort übertölpeln zu wollen, es wurde praktisch überhaupt nicht taktiert. So gab es in den Angriffsbemühungen viel Unruhe und Zufall. Aber das änderte sich. Vor allem der Herforder SV bemühte sich in der Folge um eine geordnetere Spielanlage, baute langsamer auf, wurde dadurch aber auch sicherer in beide Richtungen: In der Vorwärtsbewegung kamen sie durch, gleichzeitig standen sie hinten kompakter und stabiler. So kamen sie besser rein. Nach 31 Minuten schoss Atila aus der Distanz hoch rechts vorbei. Vier Minuten später lag die Kugel im HU-Kasten, nachdem Ronzetti bei einer Ecke von Lösch ein Körperteil hinhielt. Die Aktion wurde allerdings von Schiedsrichterin Reinsch zurückgepfiffen. Ob sie einen Stoß Ronzettis gegen Jennifer Michel erkannt hatte, ein Handspiel der verhinderten Torschützin oder eine Regelwidrigkeit von Althof gegen Weech zuvor – es konnte alles gewesen sein. Während sich Herford Vorteile erspielte, kam der SVHU nicht zum Abschluss. Die Platzherrinnen versuchten das Tempo über außen hoch zu halten. Auch die letzte Möglichkeit hatten die Gäste, als Fölsing aus 24 Metern über die Latte verzog (45.+1).

    Lea Althof geht mit der Schulter gegen Bianca Weech zur Sache ...

    Lea Althof geht mit der Schulter gegen Bianca Weech zur Sache …

    ... Giustina Ronzetti lenkt die Kugel auf Brusthöhe ab ...

    … Giustina Ronzetti lenkt die Kugel auf Brusthöhe ab …

    ... ins Tor und dreht jubelnd ab ...

    ... aber die Freude verebbt schnell, denn ...

    … aber die Freude verebbt schnell, denn …

    ... Schiedsrichterin Josefin Reinsch erkennt auf Freistoß für HU

    … Schiedsrichterin Josefin Reinsch erkennt auf Freistoß für HU

    Der zweite Spielabschnitt begann mau. Die erste notierbare Aktion war ein Wechsel: Tomke Dziesiaty musste angeschlagen raus, für sie debütierte Chiara Pawelec auf der Rechtsverteidiger-Position (55.). Und es schien, als würde dieser Tausch der spielerischen Lethargie ein Ende bereiten. Zwei Minuten später prüfte Stöckmann Klemmer mit einem Freistoß vom rechten Strafraumeck. Diesem ersten Torschuss des Heimteams seit geschlagenen 36 Minuten folgte prompt ein zweiter. Vetter wurde einmal mehr über links steil geschickt und schleierhafterweise nicht angegriffen. Von der Grundlinie flankte sie in die Mitte, perfekt für Melena Lux, die im Rücken von Leonie Heitlindemann einfach stehen geblieben und sich ihrer Bewacherin so entledigt hatte. So brauchte die Stürmerin nur noch den Fuß hinhalten und traf volley über Klemmer hinweg aus sechs Metern zum 2:1 (58.)!

    Sarah Stöckmann zieht den Freistoß direkt aufs Tor ...

    Sarah Stöckmann zieht den Freistoß direkt aufs Tor …

    ... aber Kira Klemmer greift zu

    … aber Kira Klemmer greift zu

    Herford wachte schlagartig auf und drückte sofort auf den Ausgleich. Klare Chancen sprangen nicht dabei heraus. Stattdessen hätte HU den Sack zumachen können. Homp setzte sich über links durch, dribbelte an die Grundlinie bis in den Fünfer, und statt abzulegen düpierte sie Klemmer mit einem direkten Abschluss aus spitzem Winkel. Ihr war jedoch kein Glück beschieden, Althof rettete auf der Linie (72.). Trotzdem blieb HU die deutlich bessere Mannschaft. Bei Herford regierte schon die Verzweiflung, oft versuchten sie es aus der Ferne, doch das war viel zu ungenau, nicht zwingend und zudem spielerisch mit langen Bällen durch die Mitte viel zu einfallslos. Dem SV Henstedt-Ulzburg dagegen fehlte nicht viel zur Vorentscheidung. Homp eroberte an der Mittellinie den Ball und bediente Vetter, die schließlich am Strafraum über den Kasten hob. Es war ihre letzte Szene, sie durfte sich ausruhen, für sie kam Christin Meyer.

    Vera Homp hat nur Kira Klemmer vor sich ...

    Vera Homp hat nur Kira Klemmer vor sich …

    ... überwindet die Torhüterin ...

    … überwindet die Torhüterin …

    ... aber Lea Althof rettet auf der Linie

    … aber Lea Althof rettet auf der Linie

    Und dann klingelte es. Ein simples Solo von Lux zum Strafraum, ein Schieber flach in die linke Ecke, dann war Klemmer geschlagen und die Ostwestfalen ebenso. 3:1 nach 79 Minuten, da konnte nach diesem Spielverlauf nichts mehr schiefgehen. Auch wenn für Doppeltorschützin Lux gleich Feierabend war und Busem Seker für sie eingewechselt wurde – hier würde nichts mehr anbrennen. Zu eindeutig waren die Verhältnisse.

    Melena Lux ist schneller als Amelie Fölsing ...

    Melena Lux ist schneller als Amelie Fölsing …

    ... schießt auf die kurze Ecke ...

    … schießt auf die kurze Ecke …

    ... Kira Klemmer ist geschlagen ...

    … Kira Klemmer ist geschlagen …

    ... und der Ball geht zum 2:1 ins Tor

    … und der Ball geht zum 2:1 ins Tor

    Konnte man denken. Bis zur 87. Minute: Ecke Lösch von rechts, Weech klatschte die Kugel raus, die kurz zuvor eingewechselte Pia Salzmann zog halblinks am Strafraumeck ab – Außenpfosten! Das hätte noch eine hochdramatische Schlussphase gegeben. So schoss Atila in der Nachspielzeit aus 30 Metern harmlos auf Weech. Statt des 3:2 fiel im Gegenzug fast das 4:2, als Hille die Kugel eroberte und halblinks Homp einsetzte. Die umkurvte Klemmer, drehte sich vor der Torauslinie nochmal und setzte das Ding an den Außenpfosten. Es wollte ihr kein Tor gelingen, egal wie groß die Chance. Aber der Ball war noch im Spiel, Seker erlief ihn auf dem Flügel und flankte, perfekt auf die Stirn von Meyer, die komplett blank im Fünfer stand. Aber das Timing beim Kopfball passte nicht, sie setzte ihn links neben den Kasten. Es kam zum Glück nicht mehr darauf an. Letztlich zog sie mit dem SV Henstedt-Ulzburg verdient in die 2. DFB-Pokalrunde ein, vor allem dank einer größeren Zweikampfstärke und besserem Stellungsspiel in den zweiten 45 Minuten. Und der meistgehörte Satz von erleichtert strahlenden Henstedt-UlzburgerInnen nach dem Abpfiff lautete: Endlich!

    Homp zieht aus spitzem Winkel ab ...

    Homp zieht aus spitzem Winkel ab …

    ... aber der Pfosten rettet für Kira Klemmer ...

    … aber der Pfosten rettet für Kira Klemmer …

    ... Seker erreicht den Ball und flankt ...

    … Seker erreicht den Ball und flankt …

    ... auf Christin Meyer, die blank vor der Bude steht ...

    ... aber nicht richtig trifft und links vorbei köpft

    … aber nicht richtig trifft und links vorbei köpft

    Aufstellungen
    SV Henstedt-Ulzburg: Bianca Weech – Jennifer Michel, Michelle Einfeldt, Pia Schneuing, Tomke Dziesiaty (55. Chiara Pawelec) – Sarah Stöckmann, Maria Marrocu – Laura Vetter (77. Christin Meyer), Vera Homp, Michelle Hille – Melena Lux (79. Busem Seker)
    Herforder SV: Kira Klemmer – Lea Althof, Leonie Heitlindemann, Oliwia Wos, Nina Neumann (79. Pia Salzmann) – Giustina Ronzetti, Valentina Vogt (65. Gina Kleinedöpke), Amelie Fölsing, Nina Lange – Lisa Lösch, Jessy Atila
    Schiedsrichterin: Josefin Reinsch (Magdeburger FFC) mit Katia Kobelt (SV Müggelpark Gosen) und Franziska Koch (RasenBallsport Leipzig)
    Tore: 1:0 Hille (5.), 1:1 Atila (8.), 2:1 Lux (58.), 3:1 Lux (79.)
    Gelbe Karten: Pawelec (70.), Hille (89.) / –
    Zuschauer: 125
    Bes. Vorkommnis: Homp (SV Henstedt-Ulzburg) scheitert per Foulelfmeter an Klemmer (12.)

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