• Eingefroren

    Autor:  • 20.02.2017 • 2. Bundesliga Nord, Spielbericht, SV Henstedt-Ulzburg

    Sarah Stöckmann kann es nicht fassen, dass sie nicht führen

    Sarah Stöckmann kann es nicht fassen, dass sie nicht führen

    2. Bundesliga Nord, Nachholspiel vom 10. Spieltag
    SV Henstedt-Ulzburg – 1. FFC Turbine Potsdam II. 0:3 (0:1)

    Es war einiges anders als geplant: Eigentlich hätte diese Partie bereits am 10. Spieltag, dem 11. Dezember, stattfinden sollen. In Potsdam. Auf Rasen. Stattdessen wurde sie auf diesen 12. Februar verlegt. Nach Henstedt-Ulzburg – kurzfristig, weil in Potsdam wieder nicht gespielt werden konnte. Auf den Kunstrasen an der Theodor-Storm-Straße. Daran aber sollte es dann nicht liegen, dass der SVHU der Zweitvertretung von Turbine Potsdam in einem Abstiegsendspiel deutlich unterlag und auf den Relegationsplatz abrutschte, statt einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen.

    Ernüchterung nach Spielende

    Ernüchterung nach Spielende

    Eine Ursache lag im Fehlen dreier Eckpfeiler: Michelle Einfeldt, Michelle Hille und Alina Witt mussten passen. Auch wenn Malin Hegeler in die Innenverteidigung zurückkehrte, war das zweifellos eine Schwächung. In den ersten zwanzig Minuten fiel das noch nicht so sehr ins Gewicht. Turbine begann energisch und hatte in der zweiten Minute die erste Möglichkeit, als Sarah Mayer halblinks im Strafraum zum Abschluss kam und Bianca Weech nicht ernsthaft prüfen konnte. Danach biss sich der SVHU in die Partie. Sie bestimmten zwar nicht das Geschehen, waren jedoch im Herausspielen von Torgelegenheiten etwas konsequenter. Cathérine Knobloch eroberte in der 5. Minute den Ball auf dem Flügel von Lätizia Radloff und gab den Ball quer zu Vera Homp. Die zog zur Mitte und schoss von außerhalb des Strafraums, der Ball ging flach links am Tor vorbei.

    Vera Homp zieht vermeintlich wuchtig ab ...

    Vera Homp zieht vermeintlich wuchtig ab …

    ... Vanessa lässt den Ball am Tor vorbei rollen

    … Vanessa lässt den Ball am Tor vorbei rollen

    Die Einschläge kamen näher. Es dauerte ziemlich neutrale 13 Minuten, dann spielte Christin Meyer auf dem rechten Flügel einen 30-Meter-Steilpass auf die gestartete Maria Marrocu. Keine Verteidigerin zwischen sich und Potsdams Torhüterin Vanessa Fischer, versuchte sie es mit einem Schlenzer, der aber zu kurz war, um Fischer zu überspielen und im Netz zu landen. Noch deutlich knapper war es nach 22 Minuten. Bei einem Konter schlug Sarah Stöckmann den Ball vom linken Flügel ins Zentrum vor den Strafraum. Liesa Seifert spielte zu Fischer zurück, die sich zu klären bemühte. Allerdings setzte Tomke Dziesiaty nach, blockte den langen Schlag ab, drehte sich und schob das Spielgerät kurz zu Homp. Die versuchte es mit links flach, überwand Fischer vor sich, doch der Ball drehte sich vom Tor weg und trudelte letztlich an den Außenpfosten!

    Tomke Dziesiaty legt den selbst geblockten Ball zurück ...

    Tomke Dziesiaty legt den selbst geblockten Ball zurück …

    ... Vera Homp schießt unter Vanessa Fischer durch ...

    … Vera Homp schießt unter Vanessa Fischer durch …

    ... alle gucken gebannt, was der Ball macht ...

    … alle gucken gebannt, was der Ball macht …

    ... und zu HUs Leid und Potsdams Glück landet er am Außenpfosten

    … und zu HUs Leid und Potsdams Glück landet er am Außenpfosten

    Das 1:0 schien nur eine Frage der Zeit. Und es fiel auch – nur leider nicht für HU. Die Gastgeberinnen bekamen den Ball am eigenen Strafraum nicht aus der Gefahrenzone, stattdessen kam er im Sechzehner zu Mayer, die ihre Sturmpartnerin Jolanta Siwinska bediente. Deren Schuss schlug flach links zur Brandenburger Führung ein (25.). Das war bitter – erst selbst knapp am Pfosten gescheitert, jetzt 0:1 hinten. Ohne drei Stammspielerinnen war so etwas im Abstiegskampf tödlich, und so war es auch für den SV Henstedt-Ulzburg, denn bis zum Spielende sollte es nur noch einzigen nennenswerten Torschuss für HU geben. Turbine drehte nun auf, vor allem nutzten sie ihre physischen Vorteile, was Größe, Athletik und Schnelligkeit anging, während Henstedt-Ulzburg zunehmend zaghafter wurde, vor allem die „Küken“, denen auf diesem Niveau noch die Erfahrung fehlte.

    Jolanta Siwinska hat auf die lange Ecke abgezogen ...

    Jolanta Siwinska hat auf die lange Ecke abgezogen …

    ... und dreht jubelnd ab

    … und dreht jubelnd ab

    Zehn Minuten nach dem 0:1 flankte Radloff vom rechten Flügel, Siwinska verlängerte den Ball, aber dahinter verzog Mayer volley. Eine Minute später zielte Siwinska nach Pass von Rosalie May in die Tiefe rechts daneben, und noch in den gleichen sechzig Sekunden versuchte es Anna Frehse, die nach einem fehlerhaften Abspiel von Weech auf Radloff über Anny Hörnke halblinks im Strafraum freistand, aber Weech bügelte die Szene wieder aus (36.). Zwei Minuten danach musste sie wieder eingreifen: Mit einer Hand lenkte sie einen Schuss von Mayer ab, die nach einem Steilpass von Siwinska sofort aus 17 Metern abdrückte.

    Wieder kommt Jolanta Siwinska zum Abschluss ...

    Wieder kommt Jolanta Siwinska zum Abschluss …

    ... Bianca Weech muss nicht eingreifen

    … Bianca Weech muss nicht eingreifen

    Und der SVHU? Der stand sich selbst im Weg. Seifert köpfte einen an den Strafraum gezogenen Freistoß von Marrocu nach vorn, Homp und Seker wollten beide volley draufdreschen und behinderten sich gegenseitig, so dass letztlich Sekers Ball als Bogenlampe über das Tor flog. Eine Minute vor dem Pausenpfiff jedoch hätte das Spiel eine Wendung erfahren können, wenn Schiedsrichterin Pleuß ihre Arbeit gemacht hätte: Homp hob das Leder in den Strafraum auf Stöckmann, die nur noch Fischer vor sich hatte, aber von Victoria Krug im Strafraum durch energisches Halten und Herunterziehen am Torschuss gehindert wurde, ohne dass die Potsdamerin auch nur ansatzweise die Chance gehabt hätte, den Ball zu spielen. Das Regelwerk ist in diesem Punkt eindeutig: Elfmeter und – auch nach neuerer Regelauslegung – Rote Karte, wie Marrocu noch nach dem Ausgang der Begegnung zürnte. Es gab: Nichts. Pleuß ließ weiterspielen, und auch ihre ebenfalls niedersächsische Assistentin, die es hätte sehen müssen, hielt wie bei jedem Foul in ihrer Spielfeldhälfte die Fahne unten. So blieb es beim 0:1. Es war nicht unverdient, denn das Spiel kippte erst nach Pfostenschuss und Gegentor, aber aufgrund der letzten Szene war es für die Brandenburgerinnen glücklich.

    Victoria Krug hindert Sarah Stöckmann am Torschuss - es gibt keinen Elfmeter!

    Victoria Krug hindert Sarah Stöckmann am Torschuss – es gibt keinen Elfmeter!

    Dem Gastgeber brachte auch eine Umstellung nichts, nach der Christin Meyer nun als zweite Spitze agierte und Tomke Dziesiaty rechts auf dem Flügel. Stattdessen fiel das 0:2. Ein hoher Ball der Potsdamerinnen sprang vor dem Strafraum auf und sorgte bei den beiden Innenverteidigerinnen für Verwirrung. Einzig Siwinska behielt die Orientierung, nahm sich den Ball und überwand Weech per Flachschuss. Turnine war nun so souverän, dass zweifelhaft ist, ob bei diesem Spielstand eine Unterzahl etwas am Ausgang des Spiels geändert hätte. Seifert sah in der 54. Minute die Gelbe Karte und leistete sich später nach Ansicht der umstehenden Schleswig-Holsteinerinnen ein Handspiel im Mittelfeld, mit dem sie einen Konter unterband. Schiedsrichterin Pleuß ließ weiterspielen, anstatt der Potsdamerin die Ampelkarte zu zeigen, worüber sich HU ebenfalls echauffierte. Ob zurecht oder nicht…?

    Bianca Weech streckt sich vergebens ...

    Bianca Weech streckt sich vergebens …

    ... Jolanta Siwinskas zweiter Streich sorgt für Ernüchterung

    … Jolanta Siwinskas zweiter Streich sorgt für Ernüchterung

    Letztlich war es unerheblich, denn HU brachte nichts mehr zustande. Daran änderten auch die Hereinnahmen von Mayline Danner und Anika Michel für Chiara Pawelec und Tomke Dziesiaty einschließlich Vorziehen von Jennifer Michel auf ihrer frühere Mittelfeldposition nichts. Im Gegenteil: Bei einem Konter in der 68. Minute war Siwinska mit Ball nicht einfach nur schneller als Danner ohne, es waren gute 20 Prozent. Das dritte Tor der Potsdamerin verhinderte nur Weech, die den Schlenzer in die lange Ecke erahnte und abwehrte. Bei Seiferts 30-Meter-Aufsetzer zwei Minuten später musste sie weniger aufbringen.

    Jolanta Siwinska ist völlig frei vor Bianca Weech ...

    Jolanta Siwinska ist völlig frei vor Bianca Weech …

    ... die den Schuss aber zur Seite abwehrt

    … die den Schuss aber zur Seite abwehrt

    Potsdam drängte auf das 0:3. Hörnke hob den Ball eine Viertelstunde vor Schluss hinter die Abwehr auf Mayer, wieder war Weech zur Stelle, und Anika Michel klärte zur Ecke. Hörnkes Eckball wurde im Strafraum verlängert, doch Frehse verzog aus dem Hintergrund. Die nächste Ecke verlief ähnlich, May ließ Hörnkes Hereingabe passieren, und aus dem Hintergrund brachte erneut Frehse den Pfosten zum Singen (78.). HU machte auf. Lea Tiedtke kam für Cathérine Knobloch, hinten stellte Tobias Homp auf Dreierkette um. Auch das brachte nichts. Hörnke drang in der 84. Minute in den Strafraum ein und wurde von Anika Michel gelegt – diesen Elfmeter gab die Schiedsrichterin. Seifert schoss vom Punkt flach links ein. Damit war die Partie auch für den größten Optimisten im Kreis Segeberg entschieden. Einen Konter hatten sie noch, Frehse bediente die gerade eingewechselte Inga Schuldt von links, Weech hielt den Schuss (88.). Der Turbine-Sieg, daran konnte es keine Zweifel geben, war verdient.

    Schiedsrichterin Svenja Pleuß beweist, dass sie doch weiß, wo der Elfmeterpunkt ungefähr liegt ...

    Schiedsrichterin Svenja Pleuß beweist, dass sie doch weiß, wo der Elfmeterpunkt ungefähr liegt …

    ... Liesa Seifert schickt Bianca Weech in die falsche Ecke ...

    … Liesa Seifert schickt Bianca Weech in die falsche Ecke …

    ... und verwandelt sicher zum Endstand

    … und verwandelt sicher zum Endstand

    Aufstellungen
    SV Henstedt-Ulzburg: Bianca Weech – Cathérine Knobloch (78. Lea Tiedtke), Malin Hegeler, Chiara Pawelec (63. Mayline Danner), Jennifer Michel – Busem Seker, Maria Marrocu – Sarah Stöckmann, Vera Homp, Christin Meyer – Tomke Dziesiaty (67. Anika Michel)
    Turbine Potsdam II.:
    Vanessa Fischer – Sarah Scheel, Liesa Seifert (87. Inga Schuldt), Marina Georgieva (78. Maria-Jolina Prica), Victoria Krug – Anna Frehse, Anny Hörnke, Rosalie May, Lätizia Radloff – Sarah Mayer (78. Emily Lehwald), Jolanta Siwinska
    Schiedsrichterin: Svenja Pleuß (TSV Schwarme) mit Sarah Willms (FC Sedelsberg) und Carina Hartje (FC Hettensen-Ellierode-Hardegsen)
    Tore: 0:1 Siwinska (25.), 0:2 Siwinska (52.), 0:3 Seifert (87., Foulelfmeter)
    Gelbe Karten: A. Michel (89.) / Seifert (54.)
    Zuschauer: 50

     

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