• Eine Halbzeit reicht

    Autor:  • 24.02.2017 • HEBC, Landespokal, SC Victoria, Spielbericht

    Für den HEBC wurde das Viertelfinale zur Bauchlandung

    Für den HEBC wurde das Viertelfinale zur Bauchlandung

    Oddset-Pokal, Viertelfinale
    HEBC – SC Victoria 1:3 (0:3)

    Bei der Auslosung der Runde der letzten Acht im Hamburger Pokal waren die Top-6 der Verbandsliga und mit Verbandsliga-Kellerkind Grün-Weiß Eimsbüttel sowie Landesligist Germania Schnelsen zwei Underdogs im Topf. Es musste also mindestens zwei Spitzenspiele geben. Eines davon war das Aufeinandertreffen des HEBC aus Eimsbüttel und des SC Victoria aus Lokstedt, beide waren zudem Tabellennachbarn, Fünfter und Sechster. Allerdings schien Vicky vor dem Spiel leicht im Vorteil, immerhin hatten sie sich in der Liga nach Startschwierigkeiten gesteigert und von den letzten sieben Punktspielen vor der Winterpause nur zwei Mal verloren. Der HEBC dagegen hatte nach vier 1:0-Startsiegen in Folge, der letzte gegen den SC Victoria, nur noch zwei Unentschieden geschafft – eines davon allerdings gegen Union Tornesch, gefolgt von einem knappen 0:1 beim Walddörfer SV. In der Vorwoche verloren sie jedoch beim TSC Wellingsbüttel eine vorgezogene Ligapartie mit 0:6.

    Victorias Merle Oppenheim gewinnt den Zweikampf gegen Nina Plaar vom HEBC

    Victorias Merle Oppenheim gewinnt den Zweikampf gegen Nina Plaar vom HEBC

    Es wurde eine an Höhepunkten insgesamt arme Partie, die in der ersten Halbzeit ausgesprochen einseitig war: Vicky erspielte sich 6:0 Eckbälle und 6:0 Torchancen. Gleich die erste – sowohl Chance als auch Ecke – führte zum 0:1. In der vierten Minute schlug Joolie Mulder den Ball von der rechten Eckfahne auf den ersten Pfosten, wo Kapitänin Pauline Drust ihn verfehlte, aber alle anderen auch. Bis auf Celine Witt, die an der Strafraumgrenze auf den „zweiten Ball“ lauerte. Sie nahm die Kugel an, zog aus der Drehung ab und ließ Jennifer Brandis im Tor von HEBC keine Abwehrchance. Die Keeperin konnte nur hinterhergehen, erreichte den Schuss aber nicht.

    Pauline Drust verpasst den Eckball von Joolie Molder ...

    Pauline Drust verpasst den Eckball von Joolie Molder …

    ... Celine Witt zieht von der Strafraumgrenze ab ...

    … Celine Witt zieht von der Strafraumgrenze ab …

    ... Celine Lünsmann zieht lieber den Kopf ein ...

    … Celine Lünsmann zieht lieber den Kopf ein …

    ... Jennifer Brandis hat das Nachsehen ...

    … Jennifer Brandis hat das Nachsehen …

    ... und muss das frühe 0:1 hinnehmen

    … und muss das frühe 0:1 hinnehmen

    Für die Gäste war das ein Auftakt nach Maß. Der HEBC stand – offenbar nach Maßgabe des Trainers und in spielerischer Abwesenheit von Mittelfeldmotor Anna-Maria Sperzel – tief hinten drin auf Absicherung, was nicht wirklich funktionierte. War ein Schuss von Marai Wolf aus 27 Metern noch kein Problem für Brandis (9.) und verfehlte Witt nach Vorarbeit von Sabrina Müller das kurze Eck noch deutlich (11.), wurde eine weitere Standardsituation ein Problem für die Eimsbütteler Gastgeberinnen: Wolf schlug einen Freistoß aus dem Mittelfeld an den Strafraum, wo Müller sich abermals zu verschätzen schien (wobei nach der Doppelung unklar bleibt, ob es sich nicht doch um geniale Absicht handelte), jedoch auch die Hintermannschaft des HEBC, so dass dahinter Sandra Hischke frei war. Die Stürmerin zielte auf die lange Ecke, Brandis war noch mit der Flosse dran, vom Innenpfosten kullerte der Ball dann zum 0:2 über die Linie. Da waren gerade einmal 14 Minuten gespielt.

    Sandra Hischke kommt im Rücken der Abwehr zum Schuss ...

    Sandra Hischke kommt im Rücken der Abwehr zum Schuss …

    ... Jennifer Brandis ist reaktionsschnell am Ball ...

    … Jennifer Brandis ist reaktionsschnell am Ball …

    ... kann ihn aber nur an den Innenpfosten lenken ...

    … kann ihn aber nur an den Innenpfosten lenken …

    ... und so darf Sandra Hischke jubeln

    … und so darf Sandra Hischke jubeln

    Die Spielqualität litt danach unter dem Ergebnis. Vieles spielte sich im Mittelfeld ab, wobei Vicky eindeutig die spielerisch bessere und dominierende Mannschaft war. Der HEBC reagierte nur, machte allenfalls dicht und schaffte es nicht, für Entlastung zu sorgen. Das Sturmduo Ariadne Riga und Julia Hoffmann hing völlig in der Luft – nicht in dem Sinne, dass sie keine Hilfe bekamen und keine Anspielstationen fanden; vielmehr bekamen sie nicht mal den Ball, und falls das wundersamerweise doch passierte, stand Vicky defensiv mit der Dreierkette so bombensicher, dass beinahe der Eindruck entstand, die Lokstedter Keeperin Denise Behr hätte fast eine Infusion mit Koffein gebraucht, um vor Langeweile nicht wegzudämmern. Es sah jedenfalls nicht nach einem Spiel zwischen dem Verbandsligafünften und Verbandsligasechsten aus. Vom Niveau her kam es eher einem mauernden Kreisligisten gegen eine Verbandsliga-Landesliga-Fahrstuhlmannschaft gleich. Nur dass Letztere sich um weitere Tore bemühte. Wolf drosch nach 26 Minuten einen Freistoß aus 26 Metern links vorbei. Dann, zwei Minuten vor der Pause, schien das Spiel entschieden. Witt gab den Ball von links an den Strafraum zur aufgerückten Merle Oppenheim, die auf Müller durchsteckte. Halblinks schob die den Ball an Brandis vorbei, traf aber nur den Pfosten. Oppenheim hatte mitgedacht, richtig spekuliert und schubste den Abpraller zum 0:3 über die Linie.

    Merle Oppenheim spielt den Ball in die Tiefe ...

    Merle Oppenheim spielt den Ball in die Tiefe …

    ... Sabrina Müller kommt mit links zum Abschluss ...

    … Sabrina Müller kommt mit links zum Abschluss …

    ... überwindet Jennifer Brandis ...

    … überwindet Jennifer Brandis …

    ... aber nicht den Pfosten ...

    … aber nicht den Pfosten …

    ... und den Abpraller muss Merle Oppenheim nur noch über die Linie drücken

    … und den Abpraller muss Merle Oppenheim nur noch über die Linie drücken

    Sichtliche Freude bei der Torschützin

    Sichtliche Freude bei der Torschützin

    Auf dem Weg in die Kabine haben Jennifer Brandis und Nina Plaar deutlichen Redebedarf

    Auf dem Weg in die Kabine haben Jennifer Brandis und Nina Plaar deutlichen Redebedarf

    Schneller, torgefährlicher, bissiger, spielfreudiger – in allen Belangen war Vicky überlegen, daher ging der Spielstand auch in Ordnung. Immerhin schien es, als wollte der HEBC sich doch nicht gänzlich ohne Gegenwehr geschlagen geben, als zur zweiten Hälfte mit Nadine Krukowski und Sylvia Lemke zwei frische Kräfte eingewechselt wurden. Linksverteidigerin Celine Lünsmann durfte sich die Knoten aus den Beinen entfernen lassen, und auch Riga wurde erlöst. Bei Vicky wurde ebenfalls getauscht, für Dorothea Meyer wich Elena Vennemann aus der Abwehrreihe. Zunächst änderte das nichts am Spiel, und Vicky musste sich nach 62 Minuten sogar über das Verpassen des 0:4 ärgern, als Witt links Hischke über den Flügel schickte, die spielend an Sarah Seffers vorbei kam und flach in die Mitte passte. Am Elfmeterpunkt lauerte Wolf, schoss aber genau auf die Mitte des Tores, wo Brandis mit den Füßen den Schuss entschärfte und Jessica Seffers schließlich vor der Linie verhinderte, dass das Runde doch noch ins Eckige trudelte.

    Sandra Hischke marschiert an Sarah Seffers vorbei ...

    Sandra Hischke marschiert an Sarah Seffers vorbei …

    ... in den Strafraum und legt quer zurück ...

    … in den Strafraum und legt quer zurück …

    ... Marai Wolf schließt vor Manon Föse ab ...

    … Marai Wolf schließt vor Manon Föse ab …

    ... Jennifer Brandis erwischt den Ball mit dem Fuß ...

    … Jennifer Brandis erwischt den Ball mit dem Fuß …

    ... und Jessica Seffers schlägt ihn schließlich vor der Linie weg

    … und Jessica Seffers schlägt ihn schließlich vor der Linie weg

    Stattdessen hatte der HEBC plötzlich zum Mut der Verzweiflung gefunden und stellte unter Beweis, dass sie doch zu mehr als nur zerstörerischem Fußball fähig waren. So traf Nina Plaar nach 66 Minuten den Außenpfosten des Tores der Gäste, kurz nachdem die Franziska Kalloch für Sandra Müller gebracht hatten. SCV-Coach Dennis Wolf war auf 180, er ahnte wohl schon, was kommen würde. Vier Minuten später – Tatjana Rosemann hatte als letzte Wechseloption Sarah Seffers ersetzt, schlug Wolff den Ball vom rechten Flügel auf Höhe der Mittellinie an den Strafraum. Abwehrchefin Drust wollte klären, kam jedoch Millimeter zu kurz und köpfte so nach hinten, dass Hoffmann die Kugel verarbeiten und an den Fingern Behrs vorbei ins Netz heben konnte (70.).

    Felina Molder kommt zu spät, Julia Hoffmann hebt den Ball an Denise Behr vorbei ...

    Felina Molder kommt zu spät, Julia Hoffmann hebt den Ball an Denise Behr vorbei …

    ... und verkürzt erfolgreich auf 1:3 ...

    … und verkürzt erfolgreich auf 1:3 …

    ... und versetzte Vickys Trainer Dennis Wolf in einen Zustand, der mit "auf der Zinne" noch freundlich untertrieben war

    … und versetzte Vickys Trainer Dennis Wolf in einen Zustand, der mit „auf der Zinne“ noch freundlich untertrieben war

    Der HEBC probierte sich mit einer Schlussoffensive, und Vicky wackelte, was deren Trainer nur noch mehr auf die Palme brachte. Hoffmanns Versuch vom linken Flügel aus 25 Metern stellte noch kein Problem für die Gästekeeperin dar (79.). Aber sie gaben nicht auf, und es kam ihnen noch zupass, dass Victoria in der 82. Minute umstellte: Jasmin Schmidt ging ins Abwehrzentrum und Drust rückte vor auf die Sechserposition von Oppenheim, die nach mehreren Treffern im Spielverlauf angeschlagen den Platz verließ. Wer weiß, was noch gekommen wäre, wenn Jessica Seffers in der 86. Minute besser gezielt hätte, als Hoffmann das Leder hinter die Abwehr köpfte und Seffers es mit vollem Risiko direkt aus der Luft Richtung Tor beförderte, allerdings genau auf Behr. So hatte Vicky die letzte Chance – die zweite in den zweiten 45 Minuten. Witt gab den Ball von links an den Strafraum, Wolf legte ab, und mit links scheiterte Alina Oelze an Brandis, die den Ball wegfischte.

    Jasmin Schmidt und Dorothea Meyer kommen zu spät, um Jessica Seffers zu stören ...

    Jasmin Schmidt und Dorothea Meyer kommen zu spät, um Jessica Seffers zu stören …

    ... aber ihr Volleyschuss geht genau auf Denise Behr

    … aber ihr Volleyschuss geht genau auf Denise Behr

    Unter dem Strich ist die Statistik eindeutig: Victoria erspielte sich insgesamt ein Chancenverhältnis von 8:4 und ein Eckenverhältnis von 13:1. Der Sieg ging auch im Endergebnis völlig in Ordnung. Als neutraler Zuschauer hätte man sich allerdings ein attraktiveres Spiel gewünscht, mit mehr als einer Mannschaft in beiden Halbzeiten, die gewillt gewesen wäre, an der Begegnung auch aktiv teilzunehmen. HEBC dachte wohl über weite Strecken, dass sie sich hinten ein Remis oder einen knappen Rückstand ermauern konnten, während sich Vicky in Durchgang zwei, vor allem im Schlussviertel und auch qualitativ durch die Wechsel geschwächt, zu sicher zu sein schien und nochmal kräftig ins Wanken kam, als sich der Gastgeber etwas steigerte. Ohne jedoch allzu viele hochkarätige Möglichkeiten zulassen zu müssen.

    Aufstellungen
    HEBC: Jennifer Brandis – Celine Lünsmann (46. Sylvia Lemke), Melanie Stitterich, Manon Föse, Caroline Wolff – Jalda Sediqi, Nina Plaar, Sarah Seffers (68. Tatjana Rosemann), Jessica Seffers – Julia Hoffmann, Ariadne Riga (46. Nadine Krukowski)
    SC Victoria:
    Denise Behr – Elena Vennemann (46. Dorothea Meyer), Pauline Drust, Felina Molder – Celine Witt, Merle Oppenheim (82. Jasmin Schmidt), Joolie Molder, Alina Oelze – Sabrina Müller (66. Franziska Kalloch) – Marai Wolf, Sandra Hischke
    Schiedsrichter: Kristijan Jozic mit Patrick Dierk Grunau und Miles Taylor Tardieu (alle Niendorfer TSV)
    Tore: 0:1 Witt (4.), 0:2 Hischke (14.), 0:3 Oppenheim (43.), 1:3 Hoffmann (70.)
    Gelbe Karten: – / –
    Zuschauer: ca. 40

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