• Ein 0:0 mit Sieger

    Autor:  • 01.04.2017 • Hamburg, Spielbericht

    Kampf um den Ball

    Kampf um den Ball

    Kreisliga 01, Nachholspiel vom 2. Spieltag
    SV Eidelstedt – SG BSV 19/HEBC 1:0 (1:0)

    Es war schon ausgesprochen kurios, dieses Nachholspiel. Eigentlich hätte diese Begegnung am 2. Spieltag stattfinden sollen. So zumindest sagt es der Spielplan. Damals allerdings gab es den HEBC II. noch, der kurz darauf seine Mannschaft zurückzog, genau wie zuvor der BSV 19 schon vor Saisonbeginn. Was lag da näher als eine Spielgemeinschaft zwischen beiden Rückziehern zu gründen, die dann mit Verspätung in die Saison startete und einige Partien nachzuholen hatte? Eine war eben diese beim Tabellenführer SV Eidelstedt. Es sollte nicht das einzige Kuriosum an diesem Tag bleiben.

    Stina Ergenzinger wetzt einem Pass hinterher, Caroline Cröpelin wartet ab

    Stina Ergenzinger wetzt einem Pass hinterher, Caroline Cröpelin wartet ab

    Ein weiteres war, dass es eigentlich ein typisches 0:0-Spiel wurde, mit dem einzigen „Schönheitsfehler“, dass Eidelstedt es doch gewann. Tendenziell eher selten war die bei der SG anzutreffende Häufung von Spielerinnen, bei denen das durchgehende Grau der Frisuren keinem modischen Trend zuzuordnen war, sondern schlichtweg Folge der natürlichen Müdigkeit der Melanozyten. Insgesamt konnte man durchaus attestieren, dass große Teile dieser SG auch in einer „Alt-Damen-Liga“ hätten spielen können, wenn es ein solches Pendant zu den Alten Herren denn im Frauenbereich gäbe. Am deutlichsten mag das an Startelf-Spielerin Brigitte Bruchhaus festzumachen gewesen sein, über die das Abendblatt schon im Jahr 2000 als „ehemalige Appener Verbandsliga-Spielerin“ schrieb. Dementsprechend war es kaum verwunderlich, dass sich die SG über weite Strecken vor allem um Schadensbegrenzung bemühte und teilweise zu neunt innerhalb eines Zehn-Meter-Radius um den und im eigenen Strafraum stand. Bis es soweit war, dauerte es eine Weile, und das nutzte der SV Eidelstedt, um früh in Führung zu gehen. Selen Bütün spielte nach nicht mal drei Minuten einen Pass auf halbrechts hinter die Abwehr zu Philine Ter Haseborg. Die war von Sabrina Mix nicht mehr einzuholen und schoss an SG-Keeperin Janina Düring vorbei zum 1:0 ein.

    Philine Ter Haseborg entwischt Sabrina Mix...

    Philine Ter Haseborg entwischt Sabrina Mix …

    ... zieht frei im Strafraum ab ...

    … zieht frei im Strafraum ab …

    ... an Janina Düring vorbei ins Tor

    … an Janina Düring vorbei ins Tor

    Nach einer weiteren turbulenten Szene, die Malina Rotter mit einem Distanzschuss an die Latte einleitete und im Nachgang gefährlich wurde, als Mix bei einem Rückzieher von Stina Ergenzinger zu zögerlich agierte und Kessy Hochhaus das Stochern Richtung Kasten ermöglichte (9.) wurde es zunehmend ruhiger. Immer wieder versuchte es Malina Rotter mit Einzelaktionen, so auch in der 17. Minute, als sie erst zwischen zwei Gegenspielerinnen hindurch auf den rechten Flügel marschierte und dann aus 30 Metern aufs Tor schoss. Auch einem 21-Meter-Schuss von Ter Haseborg war nicht mehr Gefahr gegeben (24.). Und die SG? Die blieb ausgesprochen harmlos. Immerhin setzte Katja Doerwald einen Schuss aus 30 Metern links neben das Tor (43.). Es war eine insgesamt schwache Partie, in der sich Eidelstedt als aktivere Mannschaft den Vorsprung verdiente. Die SG BSV 19/HEBC setzte selten zu Kontern an, tat allgemein wenig für das Spiel.

    Malina Rotter haut wuchtig aus der Distanz aufs Tor ...

    Malina Rotter haut wuchtig aus der Distanz aufs Tor …

    ... von der Latte prallt der Ball ins Feld zurück ..

    … von der Latte prallt der Ball ins Feld zurück …

    ... die SG kann aber nicht klären, und Kessy Hochhaus bringt das Leder aufs Tor ...

    … die SG kann aber nicht klären, und Kessy Hochhaus bringt das Leder aufs Tor …

    ... aber Janina Düring ist rechtzeitig unten

    … aber Janina Düring ist rechtzeitig unten

    Und das wurde im zweiten Spielabschnitt noch weniger. Phasenweise standen sie zu neunt innerhalb eines Zehn-Meter-Radius um den eigenen Strafraum, was wiederum Eidelstedt große Probleme bereitete. Die stärkste Offensivkraft der Platzherrinnen, Rotter, versuchte immer wieder mit Einzelaktionen etwas zu bewegen, blieb nach ersten Dribbelerfolgen aber immer wieder mangels Anspielstation hängen – und weil sie sich manchmal auch in eine Sackgasse dribbelte, beides hielt sich in etwa die Waage. Nach 61 Minuten setzte sie mal zu einem 24-Meter-Schuss an, der klar den Kasten verfehlte. Elf Minuten später produzierte sie im Fallen einen harmlosen Abschluss, als die SG nicht in der Lage zu klären war. Die Abstände zwischen den Szenen verraten es: Es war wirklich kein gutes Spiel. Es war nur nach den losesten Kriterien überhaupt ein Spiel. Eidelstedt drängte, aber ihnen fehlten die Mittel, und zudem schaffte es die SG BSV 19/HEBC auch immer wieder die Gefahr aufkommenden Spielflusses durch Auswechslungen zu beseitigen. Stellenweise war das Aufeinandertreffen derart zerfahren, dass mit jedem Ballkontakt auch der Ballbesitz wechselte. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, ohne zu einem harten Urteil zu kommen, darum will ich es so schreiben, wie es war: Selbst für Kreisligaverhältnisse waren diese 90 Minuten der reinste Augenkrebs.

    Malina Rotter hat viel Platz ...

    Malina Rotter hat viel Platz …

    ... und zieht voll durch ...

    … und zieht voll durch …

    ... doch Janina Düring muss nicht eingreifen

    … doch Janina Düring muss nicht eingreifen

    Die Schlussphase wurde nicht besser, wenngleich der SV Eidelstedt sich weiter Mühe gab, das zweite Tor zu markieren. Mühe im Arbeitszeugnis-Sinne von „sie waren stets bemüht“. Bei Lea Telkamps Aufsetzer aus 35 Metern musste Düring nachfassen (84.). Es schien zumindest nochmal etwas Tempo aufzukommen. Eine Minute später steckte Nora Goering auf Hochhaus durch, die im Fallen aber noch von Kristin Boberg abgeblockt wurde. Den nachfolgenden Eckball brachte Rotter scharf in den Fünfer, wo er von Doerwald vor die Füße der eingewechselten Änne-Lore Zabel fiel. Die brachte die Kugel nicht durch den Beinewald vor der Linie, der Klärungsversuch von Julia Huth landete direkt bei Hochhaus, deren Schuss von der Strafraumgrenze schließlich so entschärft wurde, dass Düring ihn aufnehmen konnte (86.). So viel Leben in diesem Szenendoppel… Passenderweise war’s das dann auch nach 90 Minuten, in denen es tatsächlich mehr Auswechslungen als Torschüsse gab – was sogar in der Kreisliga ein schwieriges Unterfangen darstellt. Ein typisches 0:0, wäre da nicht die dritte Minute gewesen. Und selbst dieser vergleichsweise kurz gefasste „Spiel“bericht hätte noch in „Fußballsteno“ verfasst werden können und hätte noch genug über diesen Samstagvormittag erzählt:
    – 1:0 in der dritten Minute,
    – Lattentreffer in der neunten Minute,
    – zwei harmlose Abschlüsse für Eidelstedt, ein harmloser Abschluss für die SG vor der Pause,
    – viele Wechsel, viel Krampf, weiter harmlose Abschlüsse des SV Eidelstedt,
    – Spielende.

    Kessy Hochhaus hat die Gelegenheit zum 2:0 ...

    Kessy Hochhaus hat die Gelegenheit zum 2:0 …

    ... aber Kristin Boberg rauscht heran und klärt energisch zur Ecke ...

    … aber Kristin Boberg rauscht heran und klärt energisch zur Ecke …

    ... nach der Änne-Lore Zabel in die gegnerische Abwehr schießt ...

    … nach der Änne-Lore Zabel in die gegnerische Abwehr schießt …

    ... Julia Huth versucht zu klären ...

    … Julia Huth versucht zu klären …

    ... und letztlich wird der Schuss von Kessy Hochhaus im Gewühl entschärft

    … und letztlich wird der Schuss von Kessy Hochhaus im Gewühl entschärft

    Aufstellungen
    SV Eidelstedt: Lara Peitz – Mailin Goebel, Catharina Görge, Lea Telkamp, Hannah Karnath (69. Vera Lohwasser) – Nora Goering, Selen Bütün (84. Änne-Lore Zabel) – Stina Ergenzinger (89. Charlotte Leube), Malina Rotter, Philine Ter Haseborg – Kessy Hochhaus
    SG BSV 19/HEBC:
    Janina Düring – Pia S., Sabrina Mix (19. Johanna Ladehoff / 73. Katja Doerwald), Kristin Boberg, Caroline Cröpelin (26. Sabrina Mix) – Brigitte Bruchhaus (13. Dorothee Bonk / 79. Brigitte Bruchhaus / 84. Dorothee Bonk), Kerstin Starke (46. Caroline Cröpelin) – Katja Doerwald (66. Kerstin Starke), Julia Huth, Shari Staack – Johanna Henrici
    Schiedsrichter: Wolfgang Elser (TuS Osdorf)
    Tore: 1:0 Ter Haseborg (3.)
    Gelbe Karten: – / –
    Zuschauer: ca. 15

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