• Die Kreisliga gehört reformiert

    Autor:  • 30.03.2018 • Editorial

    Fuxi, EditorialBeim Schreiben der Wochenendberichte ist für mich eines mal wieder offensichtlich zu Tage getreten: Die Kreisliga in ihrer aktuellen Form ist vollkommener Quatsch. Es tut mir leid, dass ich das so deutlich schreiben muss, lieber AFM, aber so ist es. Nehmen wir mal das aktuellste Beispiel: Der FC Viktoria Harburg. Bis zum Sonntag hatten die vier Spiele absolviert. Vier! In 196 Tagen, die die Saison schon läuft (den Pokal klammere ich mal aus). Das ist ein Punktspiel alle 49 Tage. Die spielen im Schnitt nicht mal eine Begegnung pro Monat! Und da sind Spielabsagen wegen Nichtantritt noch nicht berücksichtigt, Rückzüge allerdings auch nicht. Viktorias Spieldaten sind: 10.9., 17.9., 15.10., 3.12., 25.3.. Wo soll da der Sinn sein?

    Selbst in der Liga, die im Spielbetrieb am weitesten ist – Kreisliga 03 mit den starken Teams Lorbeer, Concordia und Stapelfeld, da sind 29 von 42 Partien gespielt – sind es für die Teams mit den wenigsten Einsätzen gerade mal acht Spiele in einem halben Jahr, die in der Wertung stehen. Die Spiele gegen den FC St. Pauli III. sind da ja nach deren Rückzug aus der Wertung gefallen, pro Team ein Spiel. Wow. Dann stehen wir jetzt bei neun bis zehn Spielen in einem halben Jahr, zwei Monate und drei bis vier Spiele vor Saisonende. Angetreten sind zu Saisonbeginn mal 26 Mannschaften, davon hat sich die SG BSV 19/HEBC gleich verabschiedet, und es folgten noch vier weitere Rückzüge. Aber aus diesen ursprünglich 26 Teams wurden drei Spielklassen gemacht, wo in der Bezirksliga drüber mit zwei Teams weniger nur zwei Staffeln bestehen. Wo ist da der Sinn?

    Klar, optisch machen drei Staffeln mehr her. Aus sportlicher Sicht allerdings wären zwei Spielklassen, selbst mit erhöhter Staffelstärke, wesentlich sinnvoller. Vor allem, weil klar ist, dass allein in der Hinrunde mindestens drei Teams schon die Segel streichen werden, meistens eine schon vor dem ersten Spiel. Und mit etwas „Glück“ bei den Rückzügen würde man auch die Sollstärke von 12 Teams bereits im August erreichen. Und bis 2014 haben wir doch die zweigeteilte Kreisliga gehabt. In beiden Staffeln der Saison 2013/14 waren am Ende neun Teams über, wie auch in der Saison davor.

    Vor allem eines spricht sehr für eine Zweiteilung der Kreisligen: Die Spielerinnen haben mehr zu tun über die Saison. Ich habe ja selbst früher mal Fußball gespielt, und für mich wäre es frustrierend gewesen, wenn ich auf eine Saison mit 42 Wochen (und davon 10 Wochen Winterpause!) gesehen effektiv nur 12 Spiele gehabt hätte und mich aber immer wieder im Training hätte motivieren müssen. Damals beim SC Klecken II. – heute FC Rosengarten – waren wir in der Kreisklasse C (jaaaaa, ich war so schlecht!) auch nur sieben Mannschaften, gespielt wurde daher aber in einer Doppelrunde, also 24 Saisonspiele. Man kriegt keinen Spielrhythmus, man kriegt keine Spielpraxis – und vor allem lernt man nichts dazu, wenn man zwischen den Spielen derart große Lücken hat. Denn letztlich ist es doch der Wettbewerbscharakter, der den Unterschied zwischen der Kreisliga und der 7er-Sonderklasse als reine Freizeitklasse ausmacht. Qualitativ hilft so eine langatmige Saison mit derart wenig Einsätzen überhaupt nicht weiter. Seien wir ehrlich: Die fußballerische Qualität innerhalb der HFV-Spielklassen insgesamt ist inzwischen mit „mittelmäßig“ sehr wohlwollend umschrieben. Das liegt nicht allein am Niedergang des HSV und der Ganztagsreform der Schulen, und man kann auch nicht behaupten, dass die drei Regionalligisten alle guten Spielerinnen der Stadt mit dem Schleppnetz einfangen würden.

    Nehmen wir nur mal an, in der nächsten Spielzeit melden 28 Teams für die unterste Spielklasse. Das wären 14 pro Staffel (das habe ich ohne Taschenrechner ausgerechnet!), also 26 Spiele pro Saison pro Team. Bummelige 26. Wenn keiner zurückzieht. Die Relegationsteilnehmer der Landesliga und der Bezirksligen haben unter der gleichen Prämisse pro Spielzeit zwei Spiele mehr an drei Terminen. Ein Spieltag mehr muss da im Spielplan unterzukriegen sein, zumal es beim Aufstieg in die Bezirksliga keine Relegation gibt! Vor allem aber spielt die Mehrzahl der Mannschaften dann praktisch jedes Wochenende. Durchgehend von Ende August bis Mitte Dezember und von Ende Februar bis Mitte Juni. Da ist nicht viel Zeit für Langeweile, nicht viel Zeit zum Nachdenken darüber, ob sich überhaupt lohnt, zum Fußball zu gehen, wenn man ja eh das nächste Spiel erst in drei oder vier Wochen hat. Aber es gibt viele Gelegenheiten, um Fehler zu machen, sie im Training zu besprechen, anzugehen und im Saisonverlauf nicht wieder zu machen. Selbst wenn pro Staffel drei Teams zurückziehen, blieben mindestens 20 Partien pro Saison plus Pokal. In 32 Spielwochen. Da kann mir keiner sagen, dass das nicht zu schaffen sei! Denn komischerweise schaffen das Ober- und Landesliga problemlos.

    Also, lieber AFM, gebt Euch im Sommer einen Ruck! Macht zwei Staffeln draus. Regional gesehen könnt Ihr Euch ja entscheiden, wie Ihr die aufteilen wollt: West/Ost – also A7/A23 und A1/A25 – oder Nord/Süd – Elmshorn/Ahrensburg und Harburg/Altona – oder Nordwest/Südost – Elmshorn/St. Pauli und Ahrensburg/Harburg -, das könnt Ihr ja entsprechend entscheiden, was von den Entfernungen her am fairsten ist. Notfalls fragt Ihr mal Eure Kollegen in Schleswig-Holstein, wie die im letzten Sommer ihre Spielklassenstukturreform durchgezogen haben. Die haben diesbezüglich nämlich eine Clusteranalyse gemacht, um die kürzesten Wege zu finden, festgemacht am jeweiligen Clusterzentrum. Vielleicht müssen dann auch weniger Teams zurückziehen, weil die Spielerinnen mehr Lust haben? Immerhin heißt es ja nicht Fußballwarten, sondern: Fußballspielen

    Herzlichst,
    Euer Fuxi

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