• „Alles – ALLES müssen wir rausholen!“

    Autor:  • 26.11.2017 • Bergedorf 85, Hamburg, Landespokal, Spielbericht

    Antonia Leiseder ärgert sich über eine vergebene Chance

    Antonia Leiseder ärgert sich über eine vergebene Chance

    Oddset-Pokal, 2. Runde
    TSV Reinbek – FC Bergedorf 85 0:1 (0:0)

    Ein bisschen sauer, ein bisschen verzweifelt klang der Appell von Bergedorfs Kapitänin Antonia Leiseder in dieser 79. Minute. Auf dem Grandplatz des TSV Reinbek stand es noch immer 0:0 zwischen dem Tabellenachten der Bezirksliga Ost, der in Runde eins den Absteiger Groß Flottbeker SpVgg mit 4:2 geschlagen hatte, und dem Tabellenzweiten der Landesliga, der ein ernsthafter Kandidat für die Oberliga sein könnte. Könnte – denn die zwei wohl profiliertesten Spielerinnen, 10-Tore-Stürmerin Mirjam Reißer und Weltenbummlerin Mena Ahmadi – fehlten bereits zwei Wochen zuvor beim 2:3 gegen Verbandsliga-Absteiger Niendorfer TSV. So auch an diesem Tag, an dem sie der TSV Reinbek mächtig ärgerte.

    Der Rasen war gesperrt, aber auch der Grandplatz war eher in zweifelhaftem Zustand

    Der Rasen war gesperrt, aber auch der Grandplatz war eher in zweifelhaftem Zustand

    Man brauchte durchaus guten Willen, um die erste Halbzeit interessant zu machen. Guter Wille war bei beiden Mannschaften auch erkennbar. Mehr zumindest als Spielerisches. Wenn es Highlights gab, waren sie schwach dosiert und breit über diese 45 Minuten verteilt. Erwartungsgemäß war Bergedorf offensiver ausgelegt und optisch überlegen, gab nach 25 Sekunden durch Vera Sulyndina auch den ersten Schuss ab, der aus 20 Metern rechts über den Querbalken flog. Aber Reinbek ließ einmal in der Anfangsphase durchaus erkennen, wie sie hier eine Rolle spielen konnten, als sie mit kurzen Pässen durch das Mittelfeld bis an den Bergedorfer Strafraum kombinierten in einer Art, die im Frauenfußball durchaus als wesensfremd gilt. Als die Gäste jedoch etwas aktiver pressten, verfiel der TSV wieder in die zunächst sichereren, aber auch leicht abzufangenden langen Bälle von hinten heraus. Womit der Landesligist sich dann Möglichkeiten erarbeitete. Als Antonia Leiseder halbrechts freigespielt wurde, scheiterte sie mit ihrem zu zentral platzierten Flachschuss an der Fußabwehr von Keeperin Karina Lembcke. Zwölf Minuten waren da schon rum.

    Antonia Leiseder hat sich Raum verschafft ...

    Antonia Leiseder hat sich Raum verschafft …

    ... und zieht wuchtig ab ...

    … und zieht wuchtig ab …

    ... zielt aber zu zentral, und Karina Lembcke kann mit dem Fuß abwehren

    … zielt aber zu zentral, und Karina Lembcke kann mit dem Fuß abwehren

    Drei Minuten später wollte Schiedsrichter Thomas Thieme zur Verwunderung der Gastgeberinnen eine Ballberührung von Angelique Albers gesehen haben, als Sulyndina einen Diagonalpass von Leiseder verarbeitete und dann deutlich in Richtung Nebenplatz verzog. Den daraus resultierenden Eckball konnte Reinbeks Defensive nicht richtig klären, aber Malwina Dziedziela zielte aus 15 Metern genau auf Lembcke (16.). Kurz darauf verzog Leiseder mit der Pike deutlich aus der Distanz. Es war nicht wirklich originell, was die Gäste spielten. Meist kamen sie durch die Mitte, und wenn sich Lücken im Defensivverband des Bezirksligisten zeigten, ließen sie diese Gelegenheiten im Abschluss ungenutzt. Immer wieder ging es über Leiseder, immer wieder Einzelaktionen, immer wieder wurden sie abgeblockt. So auch Dziedziela, als Sara Valad Khani mal Luisa Grüber über den rechten Flügel schickte und diese zurück in die Mitte legte (23.). Oder wie Valad Khani nach einer halben Stunde, als Reinbeks Abwehr einen Freistoß von Jasmin Witting nicht aus der Gefahrenzone bekam. Eine halbe Stunde war gespielt.

    Sara Valad Khani spielt in die Tiefe des Raumes ...

    Sara Valad Khani spielt in die Tiefe des Raumes …

    ... Luisa Grüber läuft Luisa Schmidt weg ...

    … Luisa Grüber läuft Luisa Schmidt weg …

    ... zieht den Ball mit der Sohle elegant zurück ...

    … zieht den Ball mit der Sohle elegant zurück …

    ... und verschafft sich so Raum ...

    … und verschafft sich so Raum …

    ... um in die Mitte zu spielen ...

    … um in die Mitte zu spielen …

    ... wo Malwina Dziedziela abschließt ...

    … wo Malwina Dziedziela abschließt …

    ... aber Angelique Albers blockt ab

    … aber Angelique Albers blockt ab

    Und plötzlich hatte Reinbek das 1:0 auf dem Fuß. Johanna Krämer brachte einen Freistoß vom rechten Flügel herein. Bergedorfs Torhüterin Lisa Fischer ließ den Ball nach vorn abprallen, Jacqueline Albers reagierte am schnellsten und bugsierte den Ball zu Nicole Frank, die ihn an Fischer vorbei aufs Tor stocherte. Aber auf der Linie stand noch Carmen Gimeno Hinrichs und schlug das Leder kontrolliert weg (37.). Auf der Gegenseite konnte Lembcke einen harmlosen Abschluss von Grüber aus 23 Metern aufnehmen. (39.) Damit trudelte die Partie dann langsam in die Pause. Reinbek stand defensiv gut, agierte in Zweikämpfen sehr bissig. Auffällig war, dass Franck aus der Innenverteidigung immer wieder ins Mittelfeld vorstieß – auch das ist im Frauenbereich selten anzutreffen. Es war durchaus ein moderner fußballerischer Ansatz zu erkennen. Nicht ohne Schwächen natürlich, aber wenn er sichtbar wurde, war er angenehm anzuschauen. Insgesamt war Bergedorf zwar überlegen, aber viel zu harmlos. Sie mussten sich in der zweiten Halbzeit steigern, wenn sie in die dritte Runde wollten. Ein Klassenunterschied war nicht auszumachen.

    Johanna Krämer gibt den Freistoß herein ...

    Johanna Krämer gibt den Freistoß herein …

    ... Lisa Fischer lässt den Ball nach vorn prallen ...

    … Lisa Fischer lässt den Ball nach vorn prallen …

    ... Nicole Frank stochert ihn schließlich aufs Tor ...

    … Nicole Frank stochert ihn schließlich aufs Tor …

    ... doch Sara Valad Khani rettet auf der Linie

    … doch Sara Valad Khani rettet auf der Linie

    Den ersten Handlungsbedarf hatte trotzdem die Heimmannschaft. Stefanie Witt ersetzte Luisa Freytag und ging in die Spitze, Jacqueline Albers auf den Flügel und Nicole Franck ins zentrale Mittelfeld. Das sollte sich auszahlen. Zunächst aber machte Bergedorf Druck. Nach einer Ecke konnte Grüber das Durcheinander im Strafraum nicht nutzen (53.), eine Minute später verzog Dziedziela um eineinhalb Meter. Es war nun temporeicher, aber auch hektischer. Als Alina Büttenbender das Leder hinter die Abwehr hob, traf Dziedziela nur das Außennetz (57.). Bergedorf hatte die Möglichkeiten, wenn auch oft von außerhalb des Sechzehners, wie Leiseder nach 59 Minuten, als sie links vorbei schoss. Aber dann kippte das Spiel plötzlich.

    Malwina Dziedziela kommt aus guter Position zum Schuss ...

    Malwina Dziedziela kommt aus guter Position zum Schuss …

    ... trifft aber nur das Außennetz ...

    … trifft aber nur das Außennetz …

    ... und schlägt verzweifelt die Hände vor ihr Gesicht

    … und schlägt verzweifelt die Hände vor ihr Gesicht

    Hannah Kasper spielte in der 60. Minute zentral Witt an. Diese leitete den Ball direkt, mit dem Rücken zum Tor stehend, auf halblinks weiter zu Jacqueline Albers. Die war im Rücken der Bergedorfer Abwehr komplett unbeobachtet geblieben, hatte nur noch Fischer vor sich – und schob ihr den Ball in die Arme. Ein traumhafter Spielzug mit einem kläglichen Abschluss als einzigen Makel. Nach Doppel-Gelb für Reinbeks Franck wegen zu heftigen und zu späten Einsteigens gegen Leiseder und für Bergedorfs Valad Khani wegen Motzens erarbeitete sich der Bezirksligist die nächste Riesenchance. Valad Khani musste die nach innen ziehende Jacqueline Albers deutlich zurückhaltender angehen und zog den Kürzeren. Die drosch die Kugel vor Marieke Gerstmann stramm in den Fünfer, vorbei an Fischer, und vor dem Kasten stand Witt vollkommen blank. Sie musste nur noch den Fuß hinhalten, erwischte das Runde mit dem Fußknöchel – und setzte es zielgenau an die Latte (65.). Das hätte das 1:0 sein müssen. Müssen.

    Sara Valad Khani versucht Jacqueline Albers zu stoppen ...

    Sara Valad Khani versucht Jacqueline Albers zu stoppen …

    ... und wird abgeschüttelt ...

    … und wird abgeschüttelt …

    ... Albers spielt vor Marieke Gerstmann in die Mitte ...

    … Albers spielt vor Marieke Gerstmann in die Mitte …

    ... wo Stefanie Witt völlig frei vor dem Tor steht ...

    … wo Stefanie Witt völlig frei vor dem Tor steht …

    ... und Kugel an die Latte setzt ...

    … die Kugel an die Latte setzt …

    ... und die fassungslose Jacqueline Albers sieht zu, wie Denise Knickrehm klärt

    … und die fassungslose Jacqueline Albers sieht zu, wie Denise Knickrehm klärt

    Zwei Riesenchancen vergeben – sollte sich das noch rächen? Reinbek musste nun die richtige Dosierung finden: Dran bleiben, aber nicht überdrehen und dann auskontern lassen. Sie machten weiter. Es spielte nur der Gastgeber. Es waren jetzt die Elstern, die hinten drin standen. Reinbek drückte, hatte seine stärkste Phase. Und dann konterte Bergedorf 85. Dziedziela zog über rechts durch, gab den Ball in die Mitte, allerdings in den Rücken von Sulyndina, die nicht selbst abschließen, sondern nur ablegen konnte. Aus acht Metern zog Leiseder hart ab, doch der Fuß von Krämer lenkte den Schuss über die Latte. Wenig später war Valad Khani aufgerückt, brachte den Ball mit der Pike in den Strafraum. Sulyndina hielt volley aus zwölf Metern drauf, fand jedoch ihre Meisterin in Lembcke, die blitzschnell unten war und parierte (74.).

    Malwina Dziedziela bringt den Ball herein ...

    Malwina Dziedziela bringt den Ball herein …

    ... Vera Sulyndina bekommt das Leder nur umständlich unter Kontrolle ...

    … Vera Sulyndina bekommt das Leder nur umständlich unter Kontrolle …

    ... und legt ab für Antonia Leiseder ...

    … und legt ab für Antonia Leiseder …

    ... die vor Johanna Krämer abzieht ...

    … die vor Johanna Krämer abzieht …

    ... aber Karina Lembcke muss nicht eingreifen

    … aber Karina Lembcke muss nicht eingreifen

    Es ging in die letzten elf Minuten. Leiseder mahnte ihr Team, und das nicht zu Unrecht. Denn Reinbek kam wieder. Jeannette Scholz marschierte halblinks in den Strafraum, auf direktem Weg zum Tor, vorbei an Valad Khani und schoss. Fischer konnte quer liegend parieren. Den Nachschuss donnerte Jacqueline Albers volley weit über das Tor (79.). Das Spiel stand auf Messers Schneide, es ging in die entscheidende Phase. Das zeigte sich auch am Spiel, der Ball flog jetzt wild vor und zurück. Beide schienen nervös. Und dann wurde Reinbek eben doch für die ausgelassenen Möglichkeiten bestraft. Ein Abstoß von Lembcke landete bei Leiseder. Die schoss wuchtig aus 20 Metern über die Schlussfrau hinweg und traf zum 0:1 in den rechten Winkel (85.). Da war nichts zu halten. Die Erlösung beim Favoriten war riesig.

    Antonia Leiseder zieht ab ...

    Antonia Leiseder zieht ab …

    ... hinweg über Karina Lembcke ...

    … hinweg über Karina Lembcke …

    ... die völlig chancenlos ist ...

    … die völlig chancenlos ist …

    ... und dann muss die Anspannung einfach raus

    … und dann muss die Anspannung einfach raus

    Der TSV Reinbek versuchte es zwar nochmal, kam aber nicht mehr in Schussposition. Stattdessen setzte Leiseder einen Freistoß klar rechts daneben. Zwei späte Wechsel halfen, die Zeit herunterzuspielen, obwohl es drei Minuten Nachspielzeit gab. Der Gastgeber schlug das Leder nicht blind nach vorn, versuchte es weiter spielerisch zu lösen. Aber sie kamen nicht durch. Und so lief die Partie am Ende aus. Es war ein hart erkämpfter 1:0-Sieg für Bergedorf 85. In der Gesamtbetrachtung war er verdient, aber die Elstern hätten sich angesichts der klaren Gelegenheiten, die sie in Halbzeit zwei zugelassen hatten, nicht über ein Ausscheiden beschweren dürfen. Über die 90 Minuten war es ein enges Spiel, in den zweiten 45 Minuten von beiden sehr engagiert geführt und abwechslungsreich anzusehen. Entschieden wurde es durch eine Einzelaktion.

    Die Enttäuschung beim TSV Reinbek ist riesengroß ...

    Die Enttäuschung beim TSV Reinbek ist riesengroß …

    ... aber sehen so wirklich strahlende Sieger aus?

    … aber sehen so wirklich strahlende Sieger aus?

    Aufstellungen
    TSV Reinbek: Karina Lembcke – Luisa Schmidt, Jana Franck, Angelique Albers, Nele Petersen – Luisa Freytag (46. Stefanie Witt), Jeannette Scholz – Nicole Frank (76. Nathalie Stadie), Johanna Krämer, Hannah Kasper – Jacqueline Albers
    FC Bergedorf 85:
    Lisa Fischer – Jasmin Witting, Marieke Gerstmann, Carmen Gimeno Hinrichs, Sara Valad Khani (80. Lea Skrzynski-Fox) – Denise Knickrehm – Vera Sulyndina, Alina Büttenbender (90. Nasika Nabizada), Antonia Leiseder, Luisa Grüber (88. Tahmina Wahid) – Malwina Dziedziela
    Schiedsrichter: Thomas Thieme (FC Voran Ohe)
    Tore: 0:1 Leiseder (85.)
    Gelbe Karten: Franck (63., Foulspiel), A. Albers (87., Foulspiel) / Valad Khani (63., Meckern)
    Zuschauer: 45

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